  
|
Die Gründung des
Klosters Kornelimünster
Auszug aus Ardos Vita des Benedikt
von Aniane
(Übersetzung:
http://www.rotula.de/aniane/index.htm)
Ardo
Smaragdus ist der Nachfolger-Abt Benedikts von Aniane im Kloster Aniane,
als dieser 814 an den Aachener Hof gerufen wurde. Ardo war als Kind in
Aniane eingetreten. Er wurde wegen seiner Frömmigkeit und Begabung zum
Priester geweiht und zum Leiter der Klosterschule bestimmt. Nachdem
Benedikt 821 gestorben war, baten ihn die Mönche von Inda/Kornelimünster
um eine Vita Benedikts. Diese Vita wird auf das Jahr 822 datiert und
gilt als eine der zuverlässigsten ihrer Zeit. Ardo starb 843 in seinem
Kloster Aniane.
35.
(47) Nach dem Tod des allergnädigsten
Kaisers Karl, als sein Sohn Ludwig, König von Aquitanien, die Sorge für
das Imperium übernommen hatte, befahl ihm dieser, in die Region von
Francien zu gehen. Er bezeichnete Marmoutier im Elsass, wo Benedikt dann
viele Anhänger seiner Lebensweise aus dem Kloster Aniane zusammenrief.
Und weil der vorher genannte Ort sich weit vom Palast entfernt befand,
so dass Benedikt nicht rechtzeitig kommen konnte, wenn er gerufen wurde,
und weil der Kaiser ihn zu vielen Gelegenheiten brauchte, beschloss der
Kaiser, ihm einen geeigneten Platz, nicht weit vom Palast entfernt, zu
überlassen, wo er mit einigen wenigen ruhig leben konnte. Nachdem er den
Brüdern in Marmoutier einen Abt gegeben hatte, schickte er sich an, mit
einigen Gefährten dem Willen des Kaisers zu gehorchen.
(48) Es gab dort ein benachbartes Tal, das,
wie ich meine, nicht weiter als sechs Meilen vom Palast entfernt lag und
das dem Gottesmann zusagte. Dort befahl der Kaiser, in einer
bewundernswerten Anstrengung das Kloster zu errichten, das Inda genannt
wird, nach dem Namen, der dem Flüsschen dieses Tales entliehen war. Zur
Weihe der Kirche war der Kaiser selbst anwesend, und er beschenkte sie
reichlich aus Fiskalbesitz. Er verlieh Immunität und setzte in einer
Urkunde fest, dass dort 30 Mönche im Dienst für Christus, unseren Gott,
bleiben sollten. Deswegen, um diese Zahl voll zu machen, ließ der
verehrungswürdige Abt von besagten Klöstern ausgewählte Brüder kommen,
die er nach seinem Vorbild unterrichtete. Diese sollten ein Zeugnis des
Heiles für andere sein, bis solche aus dieser Provinz, durch den Anreiz
göttlicher Gnade, die Pracht des Weltlichen zurücklassend, dem ewigen
König zu dienen wünschen und für ihren Orden ausgewählt werden würden.
(49) Der Mann Gottes begann danach, im
Palast ein und aus zu gehen und ertrug wieder das einst aufgegebene
Getriebe des Hofes zum Nutzen vieler. Alle, die die Hilfe des Kaisers
erbaten, weil sie Beeinträchtigungen von anderen erlitten, küsste er
freudig, wenn sie zu ihm kamen, und nahm sie auf. Ihre Klagen schrieb er
auf Zettel und überbrachte sie zu geeigneter Zeit dem Kaiser.
36.
(50) Es setzte ihn aber der Kaiser allen
Klöstern in seinem Reiche vor, auf dass er, wie er Aquitanien und Gotien
durch die Richtschnur des Heiles unterrichtet hatte, auch Francien mit
heilbringendem Beispiel belehre. Denn es waren viele Klöster, die einst
nach der Regel eingerichtet worden waren; aber allmählich wich die
Strenge, die Ordnung der Regel ging schier zugrunde. Auf dass aber, wie
es eine Profess für alle gab, es auch eine heilsame consuetudo
für alle Klöster gebe, versammelte er auf Befehl des Kaisers die Äbte
der Klöster zusammen mit sehr vielen Mönchen und saß viele Tage mit
ihnen zur Beratung. Vor allen erörterte er die Regel von Grund auf, für
alle erhellte er das Dunkle, Zweifelhaftes legte er offen, alte Irrtümer
beseitigte er, nützliche Gebräuche und Neigungen bekräftigte er.
Strittige Punkte der Regel und alles, was zweifelhaft war, führte er zu
einer glücklichen Lösung, und Gebräuche, welche die Regel weniger klar
erhellte, brachte er mit Zustimmung aller zur Klärung. Darüber legte er
dem Kaiser ein vorformuliertes Kapitular zur Bestätigung vor, damit er
es allen Klöstern in seinem Reiche zur Beachtung vorschreibe. Darauf
weisen wir den wissbegierigen Leser hin. Der Kaiser gab unverzüglich
seine Zustimmung und setzte in den einzelnen Klöstern Inspektoren ein,
die beobachten sollten, ob die Vorschriften beachtet wurden, bzw. die
den Unwissenden die heilsame Norm zu überreichen hatten. Es war mit
Gottes helfender Barmherzigkeit ein vollkommenes und blühendes Werk, und
so wurde eine Regel allen grundsätzlich gegeben und beachtet und alle
Klöster sind so zu einem Bild der Einheit geführt worden, als ob sie von
einem Lehrer an einem Ort unterrichtet würden. Ein gleichförmiges Maß an
Getränken, Speisen, Nachtwachen und im Gesang war allen zur Beachtung
vorgeschrieben. Und da er für andere Klöster angeordnet hatte, dass die
Regel beachtet würde, unterwies er die in Inda lebenden Mönche mit
voller Absicht so, dass die Mönche, die aus verschiedenen Gegenden
herbeieilten, zu ihrer Belehrung nicht – um es so auszudrücken –
volltönender Worte bedurften, weil sie in den Sitten, in ihrem Auftreten
und Verhalten das Vorbild und die Disziplin der Regel abgebildet sahen.
P. Albert Altenähr OSB
100207
Fotos: Glasfenster Abteikirche
Kornelimünster
Auf dem ersten Foto ist oben in der
Fensterrundung deutlich der (heutige) Aachener Dom zu erkennen: der Turm
- die Galerie für die Heiligtumszeigungen - das karolingische Oktogon -
die gotische Chorhalle. Das Geschenkkästchen, das der Kaiser überreicht,
dürfte die Kornelimünsteraner Heiligtümer enthalten, die nach der
Tradition zur Gründung aus dem Aachener Münsterschatz dem neuen Kloster
geschenkt wurden. Der Text Ardos erwähnt dieses spezielle
Stiftungsgeschenk nicht!
Die
Übersetzung nutzt für den Klosternamen "Inda" die irreführende
Eindeutschung "Inden". Das wurde in der obigen Textwiedergabe
korrigiert.
|
 |