Albertus Magnus, 15. November
Namenstag von P. Albert

Ein Mensch, dem 80 Lebensjahre geschenkt werden, - der seine Augen offen hält, - das Gesehene nachdenkt und lernend in sich aufnimmt, reift in vielen Richtungen und kann viel weitergeben. Albertus Magnus, geboren um 1200 und gestorben am 15. November 1280 in Köln, hat viel gesehen und dabei genau hingeschaut, - er hat viel gelernt und konnte unendlich viel weitergeben, - er konnte offensichtlich und darum Rat geben.

Der Student von Padua wurde Lehrer in Paris und Köln. Der junge Ordensmann – als Albert 1223 in den Predigerorden eintrat, war dieser gerade erst 10 Jahre gegründet - wurde Ausbilder und Förderer seiner Mitbrüder. Albert vermittelte den griechischen Philosophen Aristotels ins christliche Abendland hinein. Er prägte die Scholastik, deren Meister sein Schüler Thomas von Aquin werden sollte. Er war Philosoph, Theologe und Naturwissenschaftler – die alten Autoritäten hinterfragend und in der Freude des praktischen Experimentierens. Er wurde Provinzial seines Ordens, - war Kreuzzugsprediger und Bischof von Regensburg. Er schlichtete die Differenzen zwischen den Bürgern Kölns und ihrem Bischof.

Albertus war schon seinen Zeitgenossen ein bewunderter Großer und zugleich war er ihnen - und blieb es durch die Jahrhunderte - nicht ganz geheuer. Die Weite seines fragenden Forschens und seines Wissens war einfach „ungeheuerlich“. Er trägt zu Recht den ehrenden Beinamen „Doctor universalis“. Sein Zeitgenosse Ulrich Engelbert von Straßburg, Provinzial der deutschen Dominikanerprovinz von 1272-1777, sagt von Albert: „Vir in omni scientia adeo divinus, ut nostri temporis stupor et miraculum congrue vocari possit. – Er war in jeder Wissenschaft so göttlich, dass er zu Recht das Staunen erregende Wunder unserer Zeit genannt werden kann.“ Als „stupor mundi – Staunen der Welt“ wurde auch der Zeitgenosse Alberts, Kaiser Friedrich II. (1194-1250) bezeichnet. Deutlicher  als beim Urteil des Ulrich Engelbert über Albert verbindet sich in der Tradition dieser Kennzeichnung Friedrichs II. die Bewunderung für den Kaiser mit der Skepsis, ob er selbst auf dem „rechten Weg“ geblieben war und ob seine Leistungen „mit rechten Dingen“ zugingen. Die Heiligsprechung des so ungeheuer Gelehrten Albert „verzögerte“ sich auf jeden Fall um 650 Jahre. Erst 1931 nahm ihn die Kirche in den Heiligenkalender auf. Seinen 700. Todestag, den 15. November 1980, ehrte Papst Johannes Paul II. mit seinem ersten Besuch in Deutschland.

Die Gebeine des Albertus Magnus ruhen  in der Kölner Dominikanerkirche Sankt Andreas (Foto).

Der Dichter Dante Alighieri (1265 – 1321) trifft bei seiner Wanderung in der „Göttlichen Komödie“, Albert zusammen mit Thomas von Aquin im Paradies (X. Gesang, Verse 94-99). Der heilige Thomas stellt sich und seinen Lehrer mit den Worten vor:

 Io fui degli agni della santa greggia
che Domenico mena per cammino
u’ ben s’impingua, se non si vaneggia. 

Questi che m’è a destra più vicino
frate e maestro fummi; ed esso Alberto
fu di Colonia, e io Thomas d’Aquino.

Ich war eins der Lämmer aus der heilgen Herde,
die Dominikus auf dem Weg geleitete,
damit sie seien gut genährt, wenn denn sie sich nicht verirrten. 

Der ganz nah zu meiner Rechten,
Bruder war er mir und Lehrer: Albert ist’s
von Köln, und ich bin Thomas von Aquin.

Für den Aachener sind vielleicht noch zwei Hinweise interessant:
14. Juli 1267: Albert weiht den Altar in der Krankenkapelle der Abtei Burtscheid.

28. April 1275: Albert weiht den Hochchor und den Altar der Abteikirche Mönchengladbach (Münsterkirche). Der Chor ist vom ersten Baumeister des heutigen Kölner Domes, Magister Gerardus, erbaut worden.

*

Abt Albert war am 15. November 2003 eingeladen, in der Dominikanerkirche St. Andreas in Köln das Festhochamt zu halten. - In seiner Predigt ging Abt Albert von dem Satz der thomistischen Theologie aus "gratia supponit naturam - Die Gnade setzt die Natur voraus" und übersetzte ihn "Ein Heiliger fällt nicht vom Himmel." Die Predigt zeichnete das zeit- und geistesgeschichtliche Lebensumfeld des Albertus Magnus. Albertus war ein genauer "Leser" dieser seiner Zeit und ein "Hörer" ihrer Zeitzeichen. Seine geistliche Größe war es, in den Weltzeichen Gottes Zeichen zu erkennen und bekennen.



Sarkophag mit den Gebeinen des Albertus Magnus (fr.a., 15.11.2003)

P. Albert Altenähr OSB
 021003

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