König David
Namenstag von Frater David, 29. Dezember 

Die Geschichte und die biblischen Geschichten über König David auch nur annäherungsweise zusammenzufassen, würde viele Seiten beanspruchen. Die Erinnerungen an ihn mögen für jeden einzelnen bruchstückhaft sein, und doch sind sie wahrscheinlich vielfältig-reich und bunt. Seine Wirkungsgeschichte durch die biblischen Zeiten hindurch und bis ins Heute hinein ist außerordentlich.

David: der außer der Erbfolge-Ordnung Erwählte, - der Knappe, Rivale und Nachfolger Sauls, - der Sieger über Goliath, - der Reichsgründer und große König von Juda/Israel, - der Tänzer vor der Bundeslade, - der Ehebrecher mit Bathseba, ... – der Harfenspieler und Psalmendichter. Ein Mann voller Spannungen und Ungereimtheiten, - machtbewusst und sensibel - ein Heiliger und Sünder in gleicher Weise.

Jesus entstammt der „Wurzel Jesse“, des Vaters Davids, - er ist in der „Stadt Davids“ geboren, - er ist „Sohn Davids“.

 

Die Dichterin Nelly Sachs hat die so facettenreiche Gestalt Davids in einem eindrucksvollen Gedicht beschrieben[1]


Samuel sah
hinter der Blindenbinde des Horizontes ­ -
Samuel sah -
im Entscheidungsbereich
wo die Gestirne entbrennen, versinken,
David den Hirten
durcheilt von Sphärenmusik.

Wie die Bienen näherten sich ihm die Sterne
Honig ahnend -
Als die Männer ihn suchten
tanzte er, umraucht
von der Lämmer Schlummerwolle,
bis er stand
und sein Schatten auf einen Widder fiel -

Da hatte die Königszeit begonnen -
Aber im Mannesjahr
maß er, ein Vater der Dichter,
in Verzweiflung
die Entfernung zu Gott aus,
und baute der Psalmen Nachtherbergen
für die Wegwunden. 

Sterbend hatte er mehr Verworfenes
dem Würmertod zu geben
als die Schar seiner Väter -
Denn von Gestalt zu Gestalt
weint sich der Engel im Menschen
tiefer in das Licht!


König David ist als Psalmendichter und –sänger uns Mönchen natürlich besonders vertraut. Dass Frater David sich ihn als klösterlichen Namenspatron gewählt hat, hat darüber hinaus zweifellos mit seiner eigenen Musikalität und Musikliebe zu tun.

Eine mich besonders ansprechende Erzählung aus der David-Geschichte ist die Überführung der Bundeslade in die Davidstadt:

2 Samuel 6,12-15: David ging hin und brachte die Lade Gottes voll Freude aus dem Haus Obed-Edoms in die Davidstadt hinauf. Sobald die Träger der Lade des Herrn sechs Schritte gegangen waren, opferte er einen Stier und ein Mastkalb. Und David tanzte mit ganzer Hingabe vor dem Herrn her und trug dabei das leinene Efod. So brachten David und das ganze Haus Israel die Lade des Herrn unter Jubelgeschrei und unter dem Klang des Widderhorns hinauf[2]

Albert Altenähr
021204


[1]  Ausführlichere Gedanken zu diesem Gedicht in: "David. Zu einem Gedicht von Nelly Sachs".

[2]  Das Foto (fr.A., 1992) gibt einen Ausschnitt aus dem Deckengemälde der Schlosskirche Rimpach (bei Leutkirch, Allgäu) wieder. Die Gemälde dieser Rokoko-Kirche erzählen die Geschichte der Bundeslade. Das Deckengemälde zeigt die Überführung der Bundeslade nach Jerusalem und den vor der Lade tanzenden David.

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