1. oder 11. Juli [1]:
Oliver Plunkett

(Namenstag von P. Oliver: 1. Juli [2]

Geboren am 1. November 1625 in der irischen Grafschaft Meath, wurde Oliver Plunkett nach dem frühen Tod seiner Eltern von einem Verwandten, Abt Patrick Plunkett von St. Mary’s in Dublin – seit 1646 Bischof von Ardagh und später von Meath - erzogen. Nach der Invasion Irlands  durch Cromwell (1649) war Bischof Plunkett sieben Jahre in der Verbannung. Oliver Plunkett war bereits 1645 nach Rom geflohen, wurde dort 1654 zum Priester geweiht (1. Januar) und im selben Jahr im Kirchenrecht promoviert. Von 1657 bis 1669 war Oliver Plunkett Professor an der Propaganda Fidei in Rom und nahm gleichzeitig die irischen Interessen beim Heiligen Stuhl wahr. In den römischen Jahren Oliver Plunketts errichtete Bernini die Kolonnaden des Petersplatzes.

1669 (9. Juli) wurde Oliver Plunkett vom Papst zum Erzbischof von Armagh / Irland und Primas von Irland ernannt. In Gent, Belgien, wurde er heimlich zum Bischof geweiht (30. November) und unter dem Pseudonym "Hauptmann Brown" setzte er 1670 nach Irland über. In einem Brief  beschreibt Oliver Plunkett die äußeren Schwierigkeiten seiner Seelsorge unter den verfolgten Katholiken seiner Heimat: "Ich bin mit Bischof Brenan im Versteck. Die Katholiken fürchten, ihre Habe zu verlieren und wollen uns und den Priestern keine Unterkunft geben. Wir hausen in einer Hütte auf Stroh; wir sehen durch das beschädigte Dach in der Nacht die Sterne und der Regen fällt uns ins Gesicht.“ Von einer Seelsorgseeise berichtet er: „Wir hatten starken Schneefall und der Schnee war durchmischt mit großen und harten Hagelkörnern. Schneidender Nordwind blies in unser Gesicht und Schnee und Hagel biss so schmerzvoll in unseren Augen, dass wir bis jetzt kaum mit ihnen sehen können. Oft waren wir in Gefahr, uns in den Tälern zu verirren und im Schnee zu versinken. Schließlich erreichten wir das Haus eines Adligen, der nichts zu verlieren hatte. Aber zu unserem Unglück hatte er einen Gast im Haus, von dem wir nicht erkannt werden wollten. So wurden wir in einem Schuppen ohne Kamin und Feuer untergebracht. Da waren wir die letzten acht Tage.“ Dass Oliver Plunkett in den ersten sechs Wochen seines Aufenthalts in seiner Diözese 4000 Firmungen erteilte – in vier Jahren knapp 49.000 – spricht für seinen Seelsorgeeifer.

Am 6. Dezember 1679 wurde Oliver Plunkett verhaftet und nach England gebracht, weil man dort willfährige Richter hatte, die eine harte Verurteilung „garantierten“. Die konstruierte und mit falschen Zeugen belegte Anklage lautete auf Hochverrat. Am 1. Juli 1681 wurde Oliver Plunkett am „Triple Tree“-Galgen von Tyburn, London, gehängt, geköpft und gevierteilt. Beerdigt wurde Oliver Plunkett auf dem Friedhof von St. Giles. Das Haupt und die beiden Unterarme wurden in zwei Zinkschreinen zunächst von einer befreundeten Familie aufbewahrt.

Der Galgen[3] von Tyburn ist der erste ständige Galgen Londons und war vom 16. Jahrhundert bis 1759 in Gebrauch. Die nebenstehende Zeichnung stammt aus der Zeit um 1680; sie gibt also den Zustand zur Zeit des Todes von Oliver Plunkett wieder. - Heute steht an der Stelle der bekannte Marble Arch. Der nicht weniger bekannte Speakers’ Corner nebenan mit seiner Tradition der absoluten und aufmüpfigen Redefreiheit hat eine wesentliche Wurzel in den offenen letzten Worten der Hinzurichtenden und der nicht selten aufrührerisch-emotionalen Stimmung der Zuschauer der Hinrichtungen. - In unmittelbarer Nachbarschaft ist das Benediktinerinnenkloster Tyburn, das die Erinnerung an die hier hingerichteten mehr als 350 Glaubenszeugen in besonderer Weise pflegt.

Oliver Plunkett war vor der Hinrichtung in Newgate, 6 Meilen von Tyburn entfernt, eingekerkert. Ein Gefängnisgefährte in Newgate war der Benediktiner Maurus Corker. In seinem schriftlichen Testament hatte Oliver Plunkett seinen Leib P. Corker vermacht. Als P. Corker 1681 aus dem Gefängnis entlassen wurde, ging er in das Kloster Lamspringe (bei Hildesheim) und nahm die Gebeine Oliver Plunketts mit dorthin. Lamspringe war seit 1644 ein Kloster der englischen Benediktiner, die wegen der religionspolitischen Lage in ihrer Heimat auf dem Kontinent verschiedene Zufluchtstätten gegründet hatten. P. Maurus Corker war von 1690 – 1696 Abt in Lamspringe; er starb 1715. Das Kloster Lamspringe wurde im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 aufgelöst.

Auf einigen Umwegen kam die Haupt-Reliquie Oliver Plunketts um 1737 zu den Dominikanerinnen in Drogheda, Irland, deren damalige Priorin der Familie Plunkett angehörte. 1883 überführten die Benediktiner von Downside, England, die Lamspringer Reliquien in ihre neue Abteikirche. 1886 wurde der Kanonisierungsprozess eröffnet. Seliggesprochen wurde Oliver Plunkett 1925, heiliggesprochen 1975. Einige der Downsider Reliquien wurden im Rahmen der Feiern zur Heiligsprechung wieder nach Lamspringe geschenkt.

Abt Albert Altenähr OSB
020619


[1]  Die unterschiedliche Datumsangabe beruht auf der uneinheitlichen Einführung der Kalenderreform von 1582. Papst Gregor XIII. hatte 1582 den Kalender Julius Caesars neu geordnet und durch Streichung von 10 Kalendertagen wieder dem „Naturkalender“ angepasst, so dass die Zeitrechnung der Zeit nicht mehr hinterher hinkte. Die katholischen Länder führten den neuen, Gregorianischen Kalender nach und nach ein. Die protestantischen Länder lehnten den "papistischen Kalender" meist ab. In Deutschland wurde der Gregorianische Kalender ab dem 1. März 1700 per Reichstagsbeschluss angeordnet. England und die englischsprachigen Länder folgten 1752, Schweden 1753, die Sowjetunion erst 1918, Griechenland 1923, die griechisch-orthodoxe Kirche 1924, die Türkei 1926. – Nach „moderner“, reformierter Zeitrechnung war es der 11. Juli, nach der „alten“ Zeitrechnung, die in London und den von hier regierten Ländern galt, der 1. Juli 1681, an dem Oliver Plunkett starb. Oliver Plunkett selbst datierte seine Schriftstücke nach dem landesüblichen „alten“ Kalender.  In einem seiner letzten Briefe zeigt er sich stolz darüber, am Oktavtag des Festes Johannes des Täufers (24. Juni), also am 1. Juli, hingerichtet zu werden. Sein Testament ist vom Hinrichtungstag, dem 1. Juli 1681, datiert. - Irland gedenkt auch heute noch am 1. Juli des Heiligen.

[2]  Wir haben uns für dieses Datum entschieden, weil der 11. Juli durch das Fest des hl. Benedikt von Nursia, Patron Europas, im Orden verständlicherweise so gewichtig ist, dass darin Oliver Plunkett „untergeht“. P. Oliver hat darüber hinaus durch ein Studienjahr, das er im irischen Kolleg in Rom verbrachte, einen besonderen Bezug zur irischen Tradition des 1. Juli.

[3] Das englische Wort für „Galgen“ ist „gallows“. Für den Mönch der heutigen Abtei Kornelimünster ist es interessant, dass das Kloster in der Gemarkung „Auf der Gallich“ liegt (-eine benachbarte Straße trägt diesen Namen). Die Wortdeutung verweist dabei auf den Galgen der alten Reichsabtei, der in dieser Gemarkung stand. Die „Paters von der Gallich“ sind also die „Mönche vom Galgenplatz“.

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