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Sonntag – „der erste Tag der Woche“
Es war schon lange im Umgangsbewusstsein, dass die
Tage Freitag, Samstag und Sonntag das Wochenende sind, und die Woche mit
dem Montag beginnt. Bis 1975 einschließlich notierten aber alle
Kalender weltweit den Sonntag den Anfang der Woche. Sie folgten der jüdisch-christlichen
Tradition, die den Sabbat/Samstag als göttlichen Ruhetag nach dem Schöpfungswerk
tradierte. Durch einen Beschluss der UNO wurde vor dreißig Jahren wurde
dem geänderten Zeitbewusstsein Rechnung getragen: Die Woche beginnt in
den Kalendern seither mit dem ersten Werktag, dem ersten Arbeitstag, -
sie endet mit den (arbeits-) freien Tagen.
Das Messbuch spricht in den eucharistischen
Hochgebeten vom Sonntag aber nach wie vor als dem ersten Tag: „Wir
feiern den ersten Tag der Woche als den Tag, an dem Christus von den
Toten auferstanden ist.“ Ist das ein unbedachtes kirchliches
Hinterherhinken hinter den Zeitentwicklungen? Ist es eine Trotzreaktion
der Kirche, weil die weltliche UNO ihr die alte „Herrschaft“ über
die Zeit weggenommen hat? Oder ist es ein bewusster immer wieder neuer
Denkanstoß, über unser Zeitverständnis nachzudenken?
Zweifellos hat die äußere Gestaltung des ersten
Tages der jüdischen Woche durch die Christen nach und nach dazu geführt,
dass der Sabbat/Samstag als besonderer Ruhe- und Festtag durch den
Sonntag abgelöst wurde. Das dritte der zehn Gebote, das Gebot der
Sabbatheiligung, wurde nahtlos als Sonntagsgebot verstanden und übernommen,
aber die Tageszählung der jüdischen Tradition behielt man bei. Der
Sonntag blieb somit der erste Tag der Woche.
Die jüdische Zählung hat in den Ostererzählungen
ihren Niederschlag gefunden: am ersten Tag der Woche gehen die Frauen
zum Grab (Mt 28,1; Mk 16,2; Lk 24,1; Joh 20,1), - am selben Tag begegnet
Jesus den Emmausjüngern (Lk 24,13), - am Abend dieses ersten Tages der
Woche erscheint Jesus den Jüngern, wobei Thomas nicht anwesend ist (Joh
20,19). Der „erste Tag der Woche“ ist in diesen Ostererzählungen
ein ganz fester Begriff. Ohne die Zählweise der Tage ideologisieren zu
wollen, erhält sie durch die biblischen Ostererzählungen doch einen
hohen Wert.
Die spirituelle Durchdringung der Ostergeschichte hat
die Tagesparallelisierung zur Schöpfung stark aufgegriffen: Wie mit der
Schöpfung die Welt beginnt, so ist die Auferstehung Jesu der Beginn der
„neuen Schöpfung“: des neuen Himmels, - der neuen Erde, - des neuen
Menschen. Der Sonntag ist in diesem Sinn nicht der schlappe Erschöpfungstag
nach einer stressigen Woche, sondern Signalzeichen eines neuen Anfangs.
Er ist nicht verdienter Festtag am Ende der Werktage, sondern freudiger
Aufbruch zu Neuem. Dieser Anfang wird mit einem Fest begangen.
Ich bin keineswegs gewillt, wie Don Quijote einen
Windmühlenkampf zu führen, aber ich halte es doch für wert, sich
immer wieder einmal daran zu erinnern, welch positiver Einstieg das Fest
und die Feier der Auferstehung als glanzvoller Beginn der Woche ist. Der
Sonntag ist ein gutes und starkes Fundament für alle folgenden Tage.
... wir müssten seine Chance nur mehr nutzen.
Der heilige Benedikt lässt die Vigilfeier am Sonntag
wohl ganz bewusst mit Psalm 21 beginnen (RB 18,6). Die modernen
Brevierreformen sind dem (leider) nicht immer gefolgt. Psalm 21 ist ein
Siegeslied voll Dank und Zuversicht. In christlicher Leseweise dankt er
für die Auferstehung Jesu. Mit diesem Lied auf den Lippen und im Herzen
lassen sich Tag und Woche gut beginnen.
2 Deiner Macht,
o Herr, freut sich der König, *
ob deines Sieges, wie jubelt und jauchzt er!
3
Wonach sein Herz verlangte, hast du ihm gewährt, *
was seine
Lippen wünschten, hast du nicht verweigert:
4 Mit Segen und Glück kamst du ihm entgegen, *
hast ihm das Haupt gekrönt
mit goldener Krone
5 Leben erbat er von dir, – du hast es ihm gewährt, *
Fülle der Tage für
immer und ewig.
6 Groß ist sein Ruhm durch deinen Sieg, *
mit Pracht und Hoheit hast du ihn
bekleidet.
7 Zum Segen machst du ihn für immer, *
du beglückst ihn
mit Freude vor deinem Angesicht.
8 Ja, der König vertraut auf den Herrn,
*
durch die
Huld des Höchsten wird er nicht wanken. ...
14 Erhebe dich, o Herr, in deiner Macht! *
Deiner
Stärke wollen wir singen und spielen.
Abt Albert
Altenähr OSB
040322
Bild: Pantokrator im Chorraum der
Benediktinerinnenabtei Dinklage
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