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Anreicherungen -
oder „Wie es in mir betet“

Es ist heute Montag. Der Herbst
lässt schon recht spät die Sonne aus dem Horizont aufsteigen. Aber schon
glühen die Wolken ihr „Rotbäckchen-Spiel“.
Vorhin haben wir in den Laudes die
Hymnus-Strophen gesungen:
Und
Christus werde unser Brot,
und unser Glaube sei uns Trank,
in Freude werde uns zuteil
des Geistes klare Trunkenheit.
Das Morgenrot steigt höher schon,
wie Morgenrot geh er uns auf:
in seinem Vater ganz der Sohn
und ganz der Vater in dem Wort.
Da begegnen sich das, was ich mit
den Brüdern zusammen betete, und das, was ich im Blick aus dem Fenster
sehe.
In den vergangenen Tagen habe ich
die Medaillons auf dem Tabernakel unserer Kirche einmal
durchfotografiert. Das Brot- und Trank-Motiv tauchen in den Medaillons
immer wieder auf. Seit Jahren begleiten mich da in besonderer Weise die Brunnen-Geschichten der
Bibel und ihr Echo in der Literatur und der Kunst. Auch auf dem
Tabernakel ist ein Brunnen dargestellt. Ist es einer der Brunnen, an
denen die Patriarchen des Alten Testamentes ihre Frauen fanden? Ist es
der von Nazareth, an dem die ostkirchliche Tradition die Verkündigung
des Engels an Maria festmacht? Ist der von Sychar, an dem Jesus der
Samariterin begegnet? Andere Brunnen leuchten kurz auf, bis hin zum
Brunnen, der dem kleinen Prinzen Saint-Exupérys die Wüste ins Licht der
Schönheit setzt.

Die letzte Zeile der ersten
Hymnus-Stophe lässt das Pfingstgeschehen aufleuchten. Das Feuer des
Heiligen Geistes hatte sich auf die Jünger gelegt, so dass sie alle
Angst überwanden, ihre Verschlossenheit zum Aufgeschlossensein
verwandelt wurde und ihre Todesstarre in Leben. Die Leute meinten, die
Apostel seien betrunken. Nein, das waren sie nicht. Sie waren trunken
des Geistes.
Und dann gibt es noch das Tages- und
Wochengeschehen von gestern, das den Alltagshintergrund für die eine
oder andere Facette der Gebete bildet. Ein Wort, - ein Gespräch, - eine
zufällige oder auch sehnsüchtig erwartete Begegnung, - Gelungenes und
Nicht-Gelungenes, - Freudiges und Trauriges. All das kann sich in das
Beten einsenken, - wird noch einmal aufgedeckt und verarbeitet. Das
geschieht durchaus nicht krampfhaft bewusst - vielleicht aber manchmal
auch so -, sondern ist einfach da und geht mit.

So betete es heute in mir. Und so
betet es oft in mir. Manchmal denke ich selbstkritisch: „… alles sehr
sprunghaft und auch nicht so richtig fromm“, aber manchmal sage
ich mir dann auch: „… eigentlich springlebendig.“ Ich bitte Gott, dass
er es sortiert und mich einerseits durchaus in den Himmel fliegen lässt,
aber gleichzeitig fest auf den Boden stellt.
Abt Albert Altenähr OSB
061009 |