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Augustijn -
oder das Gespräch mit dem kleinen Zirkuswagen
Da steht er für einige Tage auf unserem
Kirchenparkplatz: ein kleiner, gepflegter Schausteller-Wohnwagen mit
einem Traktor davor. Romantisch sieht er aus, … irgendwie „alternativ“,
… Gardinchen vor den Fenstern, … vorne ein kleiner „Balkon“ mit Blumen,
… und durch die offene Balkontür lädt eine Kaffeekanne verführerisch
ein, einzutreten.

Die Besitzer habe ich noch nicht
gesehen. Sie hatten den Abt um Erlaubnis gefragt, hier für zwei, drei
Tagen stehen zu dürfen, und so ist alles in Ordnung. Vielleicht ist es
auch ganz gut, dass ich die Besitzer noch gar nicht gesehen habe. So
muss ich mich damit begnügen, mich mit ihrem Zuhause auf Rädern zu
unterhalten.
Irgendwie fühle ich mich den Leuten
verwandt. Ich lebe in einem Kloster, - sie haben den Wohnwagen gewählt.
Er wirkt einerseits alt, aber gleichzeitig jung, bunt, lebensfroh. Ich
hoffe, dass man das auch so von meinem Kloster erfährt. Ob nun Kloster
oder dieses Wohn-Gespann auf dem Klosterparkplatz, - beides ist in der
sogenannten „richtigen Welt“ fremd. Es ist nicht zeit-gemäß, … und
vielleicht darum aufreizend notwendig.

Ich erlebe den Wohnwagen als eine Frage
an meine Welt. Ob meine Klosterwelt auch Augustijn, dem Wohnwagen, eine
Frage ist? Ob wir beide - der eine so, der andere so – eine Frage an
„die richtige Welt“ sind? Wir sollten uns dazu verbünden: eine Frage
sein! Es gibt Ohren, die sie hören.
Fragen tun gut. Sie sind besser als
Antworten, mit denen man sie aus der Welt zu schaffen versucht und zur
Tagesordnung übergeht.
Albert Altenähr
100619
PS:
Am Sonntag treffe ich nach der Messe Steven und Klaartje, die Besitzer
des Wagens. Ich erfahre, dass es kein Zirkus-, sondern ein alter
originaler "Zigeuner-Wagen" ist. Das Besondere an diesen Wagen seien die
Türen vorne und hinten - "... um ein 'Hintertürchen' zu haben, wenn der
Dorfpolizist vorne reinkommt" -, und dass der kleine Balkon vorne und
nicht hinten am Wagen sei.
Steven
und Klaartje sind am 10. Mai von zu Hause in Ostflandern aufgebrochen
und sind dann über Nordfrankreich und Luxemburg nach Trier gefahren.
Dann haben sie Maria Laach angesteuert und sind jetzt wieder
langsam Richtung Heimat unterwegs. |