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Papst Benedikt XVI. über Benedikt
Benediktinische Bezüge in seiner
Predigt
beim Besuch Cassinos am 24. Mai 2009
Am Sonntag nach Christi Himmelfahrt wird
in Italien das Fest gefeiert, da der Tag selbst kein staatlicher
Feiertag ist. Der erste Teil der Predigt war darum ganz dem Fest
gewidmet.
In einem zweiten Teil nimmt Benedikt XVI.
unter Bezug auf den Mönchsvater aktuelle Fragen auf. Der hl. Benedikt
liefert Stichworte zu Antworten Papst Benedikts. Benedikt selbst ist
nicht das eigentliche Thema dieses Predigtabschnittes.
Anlass des Besuchs war die Bombardierung
der Abtei im Februar 1944 und die sich bis zum 18. Mai 1945 hinziehenden
Kämpfe um Cassino.
"Die benediktinische Spiritualität, euch
gut bekannt, schlägt ein evangelisches Programm vor, das in folgendem
Motto zusammengefasst ist: ora et labora et lege; das Gebet, die Arbeit,
die Bildung. An erster Stelle steht das Gebet; das schönste Erbe, das
Benedikt den Mönchen aber auch eurer Ortskirche hinterlassen hat: …
Das Gebet, zu dem die Glocke des
Heiligen Benedikt die Mönche jeden Morgen mit ihren schweren Schlägen
einlädt, ist der stille Pfad, der direkt zum Herzen Gottes führt; es ist
der Atem der Seele, der uns in den Stürmen des Lebens wieder Frieden
schenkt. In der Schule Benedikts haben die Mönche außerdem stets mit
besonderer Liebe das Wort Gottes gepflegt – in der Lectio divina, die
sich heute viele zu Eigen gemacht haben. … Das aufmerksame Hören auf das
Wort Gottes soll eure Gebete nähren und euch zu Propheten der Wahrheit
und der Liebe machen, in dem gemeinsamen Einsatz für die Evangelisierung
und die Förderung der Menschen.
Ein weiterer Angelpunkt der
benediktinischen Spiritualität ist die Arbeit. Die Arbeitswelt
menschlicher machen ist typisch für den monastischen Geist. …
Zu eurer Tradition gehört schließlich
auch die Aufmerksamkeit für die Welt der Bildung und der Erziehung. Das
berühmte Archiv und die Bibliothek von Montecassino bewahren unzählige
Zeugnisse des Einsatzes von Männern und Frauen, die nachgesonnen und
geforscht haben, wie sie das geistliche und materielle Leben des
Menschen verbessern können. In eurer Abtei kann man das „quaerere Deum“
mit Händen greifen, die Tatsache, dass die europäische Kultur die Suche
nach Gott war und die Bereitschaft auf ihn zu hören. Das gilt auch in
unserer Zeit. …
In den heutigen Mühen und Anstrengungen
eine neue Menschlichkeit zu schaffen, wollt ihr richtigerweise – treu
der benediktinischen Tradition – auch die Aufmerksamkeit für den
zerbrechlichen und schwachen Menschen unterstreichen, für die Menschen
mit Behinderung und die Immigranten.
Liebe Schwestern und Brüder! Es ist nicht schwer zu begreifen, dass eure
Gemeinschaft, diese Teilkirche, die rund um Montecassino lebt, erfüllt
vom Geist des Heiligen Benedikt, Erbe und Verwalter des Auftrags ist, zu
verkünden, dass in unserem Leben nichts und niemand Jesus den ersten
Platz nehmen darf; der Auftrag, im Namen Christi eine neue
Menschlichkeit zu formen - im Zeichen der Gastfreundschaft und der Hilfe
für die Schwächsten. Euch helfe und euch begleite euer heiliger
Patriarch gemeinsam mit der Heiligen Scholastika, seiner Schwester; die
heiligen Patrone sollen euch schützen, vor allem Maria, Mutter der
Kirche und Stern unserer Hoffnung. Amen!"
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