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Textauswahl

Benediktinisches
ora et labora - Nutzen für alle

Oblationsfeier 9.1.2010

Chorgebet u. Choralgesang

Ulrichs- und Benediktuskreuz

Die Stimme der Herrn, der uns einlädt

Christi Liebe nichts vorziehen

Benedikt XVI. über Benedikt

Hören - ankommen

stabilitas und Gottsuche

Die Benediktus-Medaille
des Klosters Weingarten

Kloster ist wie Golf

Hier bin ich

Verabschiedung von
Abt Albert

Die Quelle

Mit geistlicher Freude Ostern

Moritat vom verlorenen Heiligenschein - Demut

Neige dein Ohr - RB Prol 1

nie alles gleichzeitig

Im Alltag Gott

Mönchtum für die Kirche

auf Seinen heiligen Berg

Gott suchen - ihm nach-
gehen wie ein Späher

Das Ohr des Herzens

Gehorsam

Klösterlicher Lebenswandel

Ent-scheidung
Einkleidung am 11.1.2004

Christus Abbas

opprobia - zu RB 58,7

Christus nichts vorziehen

An einen jungen Dichter

Suche mehr, als du suchst!

Benedikt kurzgefasst

Lectio meditatio oratio

Der Gast und das Schweigen im Kloster

Demut RB 7
 

"In Klausur gehen..."
 

Ora et Labora
Prüfe und handle

Ein Gott der Überraschungen

Unterwegs zum Menschsein


Die Benedikt-Medaille
Crux S. Patris Benedicti

Stabilitas

Benediktsregel cap. 58
Weite der Grenze
Investitionsbereitschaft
Magnetfeld des Lebens

Kirchenjahr / Feste

Gedanken zu
Psalmen

Anfänge

weitere Texte

 

Benedikt kurzgefasst
Ein Kloster-ABC
  

Im Folgenden steht die Abkürzung „RB“ für „Regel Benedikts“, die mit Kapitel und Vers angeführt wird. Den vollen Text der Regel Benedikts finden Sie in Benediktiner.de. Das Pfeilzeichen „>“ verweist auf Stichworte im vorliegenden Text. Zur Vertiefung empfiehlt sich: Michaela Puzicha, Kommentar zur Benediktusregel, St. Ottilien, 2002.


Benedikt v. Nursia, Kornelimünster,
Foto: J. Scherer

A - „Der Abt vertritt im Kloster die Stelle Christi“, formuliert Benedikt in seiner Regel (RB 2,2). So sehr und so schnell wir Heutigen das als „Macht-Aussage“ betrachten mögen, so sehr ist es bei Benedikt der hohe Anspruch, dem der Abt gerecht werden und über dessen Ausfüllung er Rechenschaft geben muss (RB 2,6.37-39; 64,7). Der Abt soll auf jeden Fall mehr helfen als herrschen (RB 64,8). - Abt mag man durch Wahl und Weihe sein, aber zugleich muss man es auf einem langen Lernweg werden. Und wenn man es denn wirklich je werden sollte, dann ist man bestimmt sehr bescheiden geworden. – Neben dem langen Kapitel 2 der Regel widmet Benedikt dem Abt das Regelkapitel 64.

vgl. "Christus Abbas" - Impulsansprache zur Amtseinführung von Abt Raphael, Siegburg
"FAQ Hochwürden,wie redet man einen Abt an"

> Jesus Christus 

Ämter im Kloster > Abt, Cellerar, Novizenmeister, Pförtner, Prior

Arbeit > Ora et labora

B - Benedikt von Nursia (480-547) hat in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts die Klöster von Subiaco und Montecassino gegründet und aus der Erfahrung für diese Klöster eine Ordnung, die Regel, geschrieben. – Benedikt von Aniane (770-821) hat 814 das Kloster Inda – das heutige Kornelimünster – gegründet und mit kaiserlicher Unterstützung die Geltung der Regel des Benedikt von Nursia für das karolingische Reich propagiert und durchgesetzt.

Beten > Höre, Ora et labora, Stundengebet

Bibel > Evangelium

C -  „Cellerar“ wird der Verwalter des materiellen Klosterguts genannt. Seine Amtsbezeichnung leitet sich von „cella = Raum (jeglicher Art, und damit auch:) Keller“ ab. ... und der Keller ist der Vorratsraum. – Dem Cellerar wird in der Regel Benedikts ein eigenes Kapitel gewidmet (Kap. 31). Wieviel Gewicht auch die „nur weltlichen Dinge“ für das geistliche Wohl der Gemeinschaft haben, wird in den hohen Anforderungen deutlich, die Benedikt an den Cellerar stellt. „Er soll der ganzen Gemeinschaft wie ein Vater sein“ (RB 31,2).

> Zelle

D - Demut ist nicht Schwäche, sondern die Stärke, sich zurücknehmen zu können, ohne sich zu verbiegen. Sie ist die mutige Selbsterkenntnis der eigenen Grenzen, die wir nicht – vor allem nicht vor uns selbst - hinter wirklichen oder vermeintlichen Stärken zu verstecken trachten. Sie ist die Kraft, sich von einem  anderen – sei es ein Mensch oder Gott selbst – etwas sagen zu lassen, um dadurch mehr zu uns selbst hin zu wachsen. Demut macht nicht klein; sie macht den Menschen groß. Benedikt widmet diesem nicht leichten Wachstumsprozess das 7. Kapitel seiner Regel.        

> Eigenwille, Höre

Discretio > Unterscheidung

E- Der Eigenwille ist nach Benedikt eine oder sogar die Wurzel des Bösen, die der Mönchsweg überwinden will (z.B. RB Prolog 3). Er ist gekennzeichnet durch Starrsinn, Hartnäckigkeit, Bockigkeit und Hör- und Dialog-Unwilligkeit und –Unfähigkeit. Der Eigenwille ist unflexibel und sperrt sich gegen eigenes Wachstum. Er ist besserwisserisch und statisch. Etwas ganz anderes ist der eigene > Wille, der in seiner Phantasie eine Bereicherung für jede Gemeinschaft ist.

> Höre

Die Regel Benedikts versteht sich als eine Bibel-Lese und -Übersetzung für ein konkret zu führendes Leben. Der Mönch will „unter der Führung des Evangeliums  leben (RB Prolog 21). Evangelium meint dabei nicht einfach die vier Evangelien, sondern die gesamte Heilige Schrift, die Gottes „gutes Wort“ ist. In personaler Zuspitzung ist das Evangelium der, der das „Wort“ ist: Jesus Christus.  

F - Die Fastenzeit ist nach Benedikt die Zeit, die das „Muster“ für alle Tage des Jahres abgibt. Ihr Ziel ist nicht der Verzicht auf irgendetwas, sondern die Auffrischung der Freude der ersten Liebe. Benedikt ist Realist genug, um das Abschlaffen des Schwungs im Alltag zu sehen. Der Neu- und Zugewinn der Fastenzeit ist die geistliche Sehnsucht und Freude auf das Osterfest. – Der Fastenzeit ist Kapitel 49 der Regel gewidmet.

Führung > Abt, Demut, Eigenwille, Höre, Novizenmeister, Unterscheidung, versöhnte Vielfalt

G - „Alle Gäste sollen wie Christus aufgenommen werden.“ Die Benediktsregel hat der Aufnahme der Gäste ein eigenes Kapitel gewidmet (Kapitel 53). Der ganze Duktus dieses Kapitels macht deutlich, dass „benediktinische Gastfreundschaft“ kein wertneutraler Hotelbetrieb ist, sondern eine spirituelle Botschaft, die vielfältig buchstabiert werden will. (Links: 01, 02, 03)

Gebet > Höre, Ora et labora, Stundengebet

Gehorsam > Höre

Gelübde > Profess

Gemeinschaft > Mönch, versöhnte Vielfalt

H- Das Ordensgewand heißt bei Benediktinern „Habit“. Der Habit besteht aus dem Grundkleidungsstück, der „Tunika“, die mit einem Ledergürtel (= „Zingulum“) zusammengehalten wird, und dem Überwurf des „Skapuliers“ (mit Kapuze). Das Skapulier entwickelte sich aus einem Wetterschutz, wie wir ihn heute etwa als Anorak kennen. Zu dieser Normalkleidung kommt für den Chorgottesdienst der Chormantel, die weitgeschnittene „Kukulle“ mit sehr weiten Ärmeln. Die Farbe des Habits der Benediktiner ist schwarz; im Mittelalter wurden sie daher teilweise als die „schwarzen Mönche“ bezeichnet. Allgemein kann man sagen, dass die Orden in ihren Anfängen einfach die alltägliche Kleidung der Leute trugen, wie sie zur Gründungszeit der Orden jeweils üblich war. Weil man die wechselnden Kleidermoden der Gesellschaft nicht mitmachte, wurde die Ursprungskleidung nach und nach etwas Besonderes. So wurden die Ordenstrachten zu einem charakteristischen Erkennungszeichen der jeweiligen Orden. Reformen innerhalb des Ordens und Neugründungen von Orden spiegeln sich durchwegs in kleineren oder größeren Änderungen des Gewandes bzw. ganz neuen Gewandformen wieder.  – In seiner Regel widmet Benedikt der Kleidung das Kapitel 55.

"Höre, mein Sohn. ... neige das Ohr deines Herzens ...“ beginnt die Regel Benedikts (Prolog 1). Das Hören ist der Start, der Weg und das Ziel des Mönchtums,  - seine Quelle, sein Strom und sein Meer, - sein Kern und sein Ziel. Es ist die Überwindung des > Eigenwillens und der Inhalt allen Gehorsams. „Hören beginnt dort, wo man es wagt, sich beunruhigen und irritieren zu lassen“ (Timothy Radcliffe OP). Dass das rechte Lesen ein intensives Hören auf den Text ist, versteht sich wohl von selbst. Dass aber auch das Gebet mehr ein Sich-Hineinhören in Gott als ein Drauf-los-Reden unsererseits ist, ist vielleicht nicht so geläufig.

> Ora et labora

Heilige Schrift > Evangelium

IJ -  Jesus Christus ist der „Meister“, dessen Wort im Prolog der Regel das Ohr des Herzens geschenkt werden soll (RB Prolog 1). Er ist der „Abba – Vater“, von dem der > Abt seinen Titel empfängt (RB 2,1-3). Weil der Abt gleichsam den Auftrag einer Christus-Ikone hat, wird er mit den Würdebezeichnungen Christi angeredet: „Herr [und] Abt“ (RB 63,13). Insgesamt ist die Regel Benedikts frei von Sonderspiritualitäten. Sie ist auf Christus hin zentriert und von der Heiligen Schrift genährt..

> Evangelium, Liebe, Pax

K - Die Klausur ist einerseits der allgemeine Bereich des Klosters „überhaupt“ (RB 4,78; 66,6-7), dann aber vor allem sein innerer Bereich. Benedikt misst der Klausur einen hohen Schutzwert zu. Sie schützt den Mönch vor sich selbst und seinen Aus-Flüchten und vor dem, was sich von draußen aufdrängen und eindringen will (vgl. RB 67,5-7). So sehr die äußere Mauer, das starke Tor und das große Schloss mit der Klausurvorstellung verbunden sind, so sehr ist Klausur zuallererst eine innere Haltung, nicht alles und jedes an und in sich ran- und in sich reinzulassen bzw. auch aus sich herauszulassen (RB 6,8). Sie ist Ausdruck und Werkzeug innerer Hygiene und der Zentrierung auf ein > Ziel. Klausur ist der Ausdruck des Strebens, „da“ zu sein und nicht im Irgendwo nirgendwo zu sein.

> Höre, Pförtner, Reden, Schweigsamkeit, Zelle

L - Liebe ist ein zu kostbarer Inhalt und Begriff, als dass man inflationär davon sprechen sollte. „Der Liebe Christi (oder: zu Christus) nichts vorziehen“ (RB 4,21; 72,11) spricht die Radikalität und Intensität der Mönchsentscheidung an. Die ganz ähnliche Weisung „Dem Gottesdienst nichts vorziehen“ (RB 43,3) weist auf den Nährboden der Liebe hin: das Selbstzeugnis Gottes, wie es von den Mönchen im Gottesdienst und seinen Texten durchmeditiert wird. Aus der Christusbeziehung wird die Beziehung zu den Menschen gestaltet, sei es zu den Mitbrüdern (RB 72), den Kranken (RB 36,1), den Gästen (RB 53,1), den Armen und Pilgern (RB 53,15), den Feinden (RB 4,72).

> Pax, versöhnte Vielfalt

Lesung > Ora et labora

M - Das Wort „Mönch“ leitet sich vom griechischen „mónos = allein“ ab. „Solus cum Solo = allein mit dem All-Einen (Gott)“ war das innere Streben (und der äußere Weg) am Ursprung des Mönchtums. Benedikt hat für seine Welt und Zeit erkannt, dass der lange Weg zum Ziel der Einheit mit Gott am besten in der Gemeinschaft mit gleichgesinnten Brüdern gegangen werden kann (RB 1).

> Klausur, Quaerere, versöhnte Vielfalt, Zelle

Maß > Ora et labora; Unterscheidung;

N - Wer neu zur Klostergemeinschaft hinzustößt ist ein novitius = Neuling = Novize. In seinem Regelkapitel über die Aufnahme neuer Mitbrüder (RB 58) betont Benedikt, dass man dem Anfragenden den Eintritt nicht (zu) leicht machen soll (RB 58,1-4). Wichtig ist Benedikt vor allem, ob der Neue „wirklich Gott sucht“, zum Gehorsam bereit und zum Durchhalten in Schwierigkeiten fähig ist (RB 58,7). Nach einer Noviziatszeit von einem Jahr sieht Benedikt das endgültige Versprechen vor. – Die heutige Aufnahmestruktur sieht ein einjähriges Postulat, ein Jahr Noviziat und drei Jahre „einfacher > Profess“ – also insgesamt fünf Jahre – vor der endgültigen Bindung vor.

Über den Novizenmeister hat Benedikt kein eigenes Kapitel in seiner Regel, was insofern erstaunt, weil doch gerade die Formung der nächsten Mönchsgeneration eine bedeutende Aufgabe ist. Erkennbar ist, dass zumindest in der allerersten Phase des Ankommens der > Pförtner und die Gastbrüder des Klosters seine Ansprechpartner zu sein scheinen (RB 58,1-4). Als besondere Qualifikation für den Mitbrüder, der sich des weiteren der Novizen annimmt wird neben einer allgemeinen (monastischen) Reife die Gabe, „Seelen zu gewinnen“, genannt. 

O - Oblaten sind Menschen, die die Regel Benedikts und ihren Geist als eine wesentliche Bereicherung für ihr Christsein entdeckt haben. In enger Verbindung zu einem Kloster und mit der Bindung eines Versprechens versuchen sie, ihr Leben in der Welt in benediktinischem Geist zu gestalten. Ohne Mönche zu sein, gehören sie zur „Familie“ des Klosters. Im Austausch von Teilnahme und Teilgabe der jeweils eigenen Charismen sind die Mönche für die Oblaten und die Oblaten für die Mönche ein bereicherndes Geschenk. Dem Oblationsversprechen geht eine mindestens einjährige Probezeit voraus.

Ora et labora gilt als das benediktinische Motto schlechthin, obwohl es in dieser kurzen Prägnanz nur wenig mehr als 100 Jahre alt ist und Ende des 19. Jahrhunderts noch einmal etwas anderes meinte, als wir heute darunter verstehen. Wir verstehen heute mit diesem Wort die hilfreiche Ausgewogenheit zwischen wie auch immer gearteter Arbeit und dem Gebet, wie sie sich in den Strukturen des über den Tag verteilten > Stundengebets und einer klaren Tagesordnung widerspiegeln. Benedikt verbindet in seiner Regel die Arbeit unmittelbarer mit der Lesung (RB 48). Dem Stundengebet und daran anschließend allgemeiner dem Gebet widmet Benedikt eine eigene Kapitelserie (RB 8 – 18 u. RB 19 – 20;  vgl. auch RB 52).

> Höre; Pax

Ordensgewand > Habit

P - Das Motto- und Wappenwort des Ordens ist „PAX – Friede“. „Suche den Frieden und jage ihm nach“, mahnt RB Prolog 17. Der Friede ist zwar letztlich und eigentlich Jesus Christus selbst, aber aus der Christus-Sehnsucht erwächst die zwischenbrüderliche Friedens- und Versöhnungsbereitschaft (RB 4,24 u. 73; RB 72). – Das Motto-Wort der Abtei Kornelimünster lautet „In vinculo pacis – Verbunden im Frieden“. Das Wort ist dem Epheserbrief entnommen: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält“ (Eph 4,2-3).

> Liebe, Ora et labora, versöhnte Vielfalt

Eine hohe Stellung hat in der Regel Benedikts der Pförtner des Klosters, was sich schon darin zeigt, dass ihm eigenes Kapitel gewidmet ist (RB 66). Er hat gewissermaßen eine Grenzwächter-Funktion. Von ihm werden Reife, Urteilskraft, Präsenz und eine positive Einstellung zu den Menschen erwartet. Vor allem aber muss er in Gott und in seinem Kloster zu Hause sein.

Der Stellvertreter des Abtes im Kloster ist der Prior. Während der Abt von der Gemeinschaft gewählt wird, werden alle weiteren Ämter im Kloster durch den Abt vergeben. Mit einem Abtswechsel erlischen automatisch alle anderen Ämter.

Die Profess - oder Gelübdeablegung – ist das Versprechen, mit dem sich der Benediktinermönch an ein bestimmtes Kloster bindet. „Profess“ bedeutet übersetzt: Bekenntnis zu etwas. Das deutsche Wort „Gelübde“ hängt sprachlich eng mit „glauben“ und „lieben“ zusammen. In unserer Profess versprechen wir „Beständigkeit (stabilitas), klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam“ (RB 58,17). Die Dreizahl der Gelübde weist weniger auf unterschiedliche Inhalte hin als vielmehr auf eine ganzheitliche Hingabebereitschaft. (Links: 01, 02, 03

> Novize

Q - „Quaerere Deum – Gott suchen“ - oder auch „den Frieden suchen“ – ist ein Grundmotiv des Mönchslebens. In den Psalmen heißt es mehr als einmal „Suchet Sein Antlitz“, was in der damaligen Sprache ganz konkret bedeutet: sucht sein Heiligtum auf. Ohne das ins Detail für uns übersetzen zu wollen, ist der alttestamtliche Sprachgebrauch ein Hinweis, dass „Gott suchen“ sich nicht in schönen Gedanken erschöpft, sondern ganz konkretes Tun zum Inhalt hat. – Ich greife gerne auch auf die Bedeutung „quaerere = fragen“ zurück, um zu übersetzen: „Gott eine Frage sein lassen.“ Diese Übersetzung will andeuten, dass man Gott nie „hat“, sondern immer und immer wieder neu auf dem Weg zu ihm ist.

> Mönch, Novize, Profess

R - Benedikt ist sehr zurückhaltend gegenüber dem Reden. „P. Quasselmund“ ist sicher nicht seine Idealvorstellung von einem Mönch. Aus der Tradition zitiert er verschiedene Worte, die zur Vorsicht mahnen: „Das viele Reden nicht lieben“ (RB 4,52). „Bei vielem Reden entgeht man der Sünde nicht“, „Der Schwätzer hat keine Richtung auf Erden“ (RB 7,57 bzw. 58). „Den Weisen erkennt man an den wenigen Worten“ (RB 7,61). Vielleicht hätten wir mehr zu sagen, wenn wir weniger reden würden!

> Höre, Schweigsamkeit/Stille

Wir sprechen von der Regel immer im Singular. Es heißt also „die Regel Benedikts“ und nicht „die Regeln Benedikts“. – Einem gelegentlich geäußerten Vorbehalt gegen die Unterwerfung unter eine Ordensregel und ihre Einzelregeln ist zu erwidern, dass auch sonst im Leben Regeln die Voraussetzung für Freiheit sind. „Benedikt setzt betont auf die positive, entspannende, heilende, aufbauende und friedensstiftende Kraft der Ordnung. Geistliches Leben setzt ein geordnetes Leben voraus. Innerhalb dieser Klammer wollen auch alle Einzelweisungen der Regel gelesen und interpretiert werden, d.h. ihre Bedeutung muss sich nicht im Detail erschöpfen“ (M. Puzicha, a.a.O., 16f).

S - Die Schweigsamkeit ist die innere Lernatmosphäre, in der das Wort des Meisters ein Ohr findet (RB 6). Der Übungsraum der Schweigsamkeit ist die äußere Stille, das Silentium. Benedikt kennt Stunden (RB 42; 48,5,) Vollzüge (RB 38,5) und Orte (RB 52,2), die in besonderer Weise vom Schweigen und der Stille durchprägt sein sollen. Das Schweigen ist für das frühe Mönchtum nicht einfach ein asketisches Den-Mund-Halten, sondern eine Hinformung auf Christus hin: „Diabolus sonum quaerit, Christus silentium – der Teufel sucht den Lärm, Christus das Schweigen.“ – In nicht wenigen Barock-Klöstern finde ich im Kreuzgang den mahnenden Schriftzug „Silentium“; es gibt etliche Benedikt-Darstellungen, die ihn mit dem Zeigefinger die Lippen verschließen zeigen. In einem englischen Frauenkloster fand ich in der Gästeabteilung den Hinweis am schwarzen Brett: „Die Gäste werden gebeten, die Atmosphäre der Stille zu respektieren und die Schwestern bei ihrer Arbeit nicht in ein Gespräch zu verwickeln.“

> Höre, Klausur, Reden

Stabilitas > Profess

Stundengebet > Tagzeiten

T - Tagzeiten oder Stundengebet (lateinisch: „Horen“) werden die Gebetszeiten des Tages genannt. Benedikt kennt die Vigil in der Nacht und sieben Gebetszeiten am Tag (RB 16). Die gemeinsamen Gebetszeiten strukturieren den Tag des Mönches. Sie sind „Pausen in Gott“ in der Alltagsgeschäftigkeit, Tragepfeiler für die Alltagsbrücke. – Seit der Neuordnung der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gibt es in den Klöstern des Ordens eine größere Bandbreite in der Gebetsordnung. In Kornelimünster kommen wir viermal am Tag zu Gebet zusammen: morgens zu den Vigilien und Laudes (5:30), zur Mittagshore (12:00), zu Vesper und Eucharstiefeier (18:00), zur Komplet (Sa u. So: 19:30; Mo, Di, Do: 20:45; Mi u. Fr: 20:00). (Die Zeitangaben gelten für die Werktage Montag bis Freitag).

U - Einen guten Abt zeichnet nach Benedikt die Gabe der „maßvollen Unterscheidung, der Mutter der Tugenden“, aus (RB 64,17-19). Das lateinische Wort dafür ist „discretio“. Der gute Abt versteht zu fördern und zu fordern und zwischen Unterforderung und Überforderung den Mitte-Weg zu finden, ohne seine Gemeinschaft in Mittelmäßigkeit zu (ver-) führen. Benedikt ist wegen dieser Leitlinie des äbtlichen Amtsverständnisses gelegentlich als „Meister des Maßes und der Mitte“ bezeichnet worden.

> Abt

V - Man könnte ein Kloster als „Zeugnis der Möglichkeit versöhnter Vielfalt“ kennzeichnen. Es ist weder ein Ort enger Uniformität noch einer des grenzenlosen Individualismus. Es kommen in ihm die „Eigenarten vieler“ (RB 2,31) zusammen und sie müssen zusammengebracht werden. Das ist eine „dornige“ Angelegenheit (vgl. RB 13,12) und zugleich eine Bereicherung (vgl. RB 3, bes. Vers 3). Hier liegt die besondere Aufgabe des Abtes (RB 2,31) wie auch die aller Brüder (RB 72). 

> Eigenwille, Liebe, Pax

Häufiger taucht in den Kurznachrichten dieser Website der Begriff "Visitator" auf und immer wieder werde ich danach gefragt.
(1)
In allen Ordensgemeinschaften gibt es den regelmäßigen "Kontrollcheck", der durch nicht zur konkreten Gemeinschaft gehörende Ordensmitglieder, z.B. den Provinzial oder den Ordensgeneral, durchgeführt wird. Dieser "Kontrollcheck" wird Visitation genannt, - derjenige, der ihn durchführt ist in der Durchführung seiner Aufgabe der Visitator.
(2)
In unserem großen benediktinischen Klosterverbund der Sublacenser Kongregation (gut 60 Klöster) sind wir in 9 Provinzen untergliedert. Ihre Zusammensetzung hat sich national bzw. regional und/oder aus der Gründungsgeschichte ergeben. Die in diesen Provinzen gewählten - ich will sie mal "Sprecher" der Provinz nennen. - Vertreter heißen bei uns Visitatoren. Sie sind eine Zwischeninstanz zwischen dem Präses der Kongregation und den einzelnen Klöstern. Zusammen mit dem Präses sind sie das erweiterte Leitungsgremium der Kongregation. Die Gruppe der Visitatoren trifft sich im Halbjahresturnus in wechselnden Klöstern der Kongregation. In ihren Provinzen nehmen die Visitatoren u.a. die unter (1) genannten Visitationen der Klöster vor.

W – Der Wille ist nicht zu verwechseln mit dem > Eigenwillen. Den Willen sollte man auf keinen Fall beim Eintritt an der Klosterpforte abgeben. Gegen die Eigenwilligkeit wird man wohl ein Leben lang zu kämpfen haben. Nur die Willensstarken können > gehorsam und > demütig sein.

X + Y ... und selbst wenn alles gesagt worden ist, merkt man, dass „alles“ nicht genug ist. Es muss im Leben mehr als alles geben. Das gilt überhaupt und auch im Klosterleben. Dafür mögen „X + Y“ stehen.

Z - Mit dem Wort Zelle verbindet sich heute oft etwas Negatives, z.B. die Einengung unserer Freiheit, wie sie etwa in der Gefängniszelle deutlich wird. Der vielleicht negative Beigeschmack sollte aber nicht den neugierigen Blick in andere Richtung blockieren. – Das Wort „Zelle“ leitet sich vom lateinischen „celare = bergen, verbergen“ ab. Es kündet damit von Geborgenheit und Schutz. Die lateinische Sprachentwicklung führte auch von „celare“ zu „caelum = Himmel“. – Im frühen Mönchtum ist der Ausdruck „In der Zelle bleiben“ identisch mit der Aussage „ein Mönch sein.“ Geläufig wurde das Wort „Custodi cellam tuam et cella custodiet te = Bewahre deine Zelle und die Zelle wird dich bewahren.“

> Klausur

Als Zielperspektive des Mönchslebens nennt der Regelbeginn: durch (Hin-) > Hören dahin zurückkehren, wo man hingehört (RB Prolog 1-2). Das Ziel selbst wird in verschiedenen Begriffen – z.B. „gute Tage“, „Reich“; „Leben“, „Zelt“ – vor Augen gestellt. Die Schlussworte der Regel sprechen vom Eilen „ad caelestem patriam – zum himmlischen Vaterland“ (RB 73, 8). Gewissermaßen buchstabiert die Regel dem Heimweg des „verlorenen Sohnes“ aus dem Lukasevangelium (Lk 15) nach, dem die Freude des Vaters einen festlichen Empfang bereitet.

Um das Durchbuchstabieren der Benediktsregel von A-Z umzukehren, lässt sich sagen, dass Benedikt Zielstrebigkeit und Ausdauer miteinander verbindet und dazu einlädt. Er lädt ein zur eilenden Geradlinigkeit – „recto cursu“ (RB 73,4) – und zur Geduld des Wachsens – „magis ac magis – mehr und mehr – Schritt für Schritt“ (RB 62,4).

Abt Albert Altenähr OSB
030217

... und sicher lohnt sich ein Blick in die humorvollen Zeichnungen zur Benediktregel von P. Michael Hermes, Meschede.

dsc

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