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Benedikt kurzgefasst
Ein Kloster-ABC
Im Folgenden steht die Abkürzung
„RB“ für „Regel Benedikts“, die mit Kapitel und Vers angeführt
wird. Den vollen Text der Regel Benedikts finden Sie in Benediktiner.de.
Das Pfeilzeichen „>“ verweist auf Stichworte im
vorliegenden Text. Zur Vertiefung empfiehlt sich: Michaela Puzicha,
Kommentar zur Benediktusregel, St. Ottilien, 2002.
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Benedikt v. Nursia, Kornelimünster,
Foto: J. Scherer
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A
- „Der Abt vertritt im Kloster die Stelle Christi“, formuliert
Benedikt in seiner Regel (RB 2,2). So sehr und so schnell wir Heutigen
das als „Macht-Aussage“ betrachten mögen, so sehr ist es bei
Benedikt der hohe Anspruch, dem der Abt gerecht werden und über dessen
Ausfüllung er Rechenschaft geben muss (RB 2,6.37-39; 64,7). Der Abt
soll auf jeden Fall mehr helfen als herrschen (RB 64,8). - Abt mag man
durch Wahl und Weihe sein, aber zugleich muss man es auf einem langen
Lernweg werden. Und wenn man es denn wirklich je werden sollte, dann ist
man bestimmt sehr bescheiden geworden. – Neben dem langen Kapitel 2
der Regel widmet Benedikt dem Abt das Regelkapitel 64.
vgl. "Christus
Abbas" - Impulsansprache zur Amtseinführung von Abt Raphael,
Siegburg
"FAQ Hochwürden,wie
redet man einen Abt an"
>
Jesus Christus
Ämter im
Kloster > Abt, Cellerar, Novizenmeister, Pförtner, Prior
Arbeit
> Ora et labora
B
- Benedikt von Nursia (480-547) hat in der ersten Hälfte des 6.
Jahrhunderts die Klöster von Subiaco und Montecassino gegründet und
aus der Erfahrung für diese Klöster eine Ordnung, die Regel,
geschrieben. – Benedikt von Aniane (770-821) hat 814 das Kloster Inda
– das heutige Kornelimünster – gegründet und mit kaiserlicher
Unterstützung die Geltung der Regel des Benedikt von Nursia für das
karolingische Reich propagiert und durchgesetzt.
Beten
> Höre, Ora et labora, Stundengebet
Bibel
> Evangelium
C
- „Cellerar“ wird der Verwalter des materiellen Klosterguts
genannt. Seine Amtsbezeichnung leitet sich von „cella = Raum
(jeglicher Art, und damit auch:) Keller“ ab. ... und der Keller ist
der Vorratsraum. – Dem Cellerar wird in der Regel Benedikts ein
eigenes Kapitel gewidmet (Kap. 31). Wieviel Gewicht auch die „nur
weltlichen Dinge“ für das geistliche Wohl der Gemeinschaft haben,
wird in den hohen Anforderungen deutlich, die Benedikt an den Cellerar
stellt. „Er soll der ganzen Gemeinschaft wie ein Vater sein“ (RB
31,2).
>
Zelle
D
- Demut
ist nicht Schwäche, sondern die Stärke, sich zurücknehmen zu
können, ohne sich zu verbiegen. Sie ist die mutige Selbsterkenntnis der
eigenen Grenzen, die wir nicht – vor allem nicht vor uns selbst -
hinter wirklichen oder vermeintlichen Stärken zu verstecken trachten.
Sie ist die Kraft, sich von einem anderen
– sei es ein Mensch oder Gott selbst – etwas sagen zu lassen, um
dadurch mehr zu uns selbst hin zu wachsen. Demut macht nicht klein; sie
macht den Menschen groß. Benedikt widmet diesem nicht leichten
Wachstumsprozess das 7. Kapitel seiner Regel.
>
Eigenwille, Höre
Discretio
> Unterscheidung
E-
Der Eigenwille ist nach Benedikt eine oder sogar die Wurzel des Bösen,
die der Mönchsweg überwinden will (z.B. RB Prolog 3). Er ist
gekennzeichnet durch Starrsinn, Hartnäckigkeit, Bockigkeit und Hör-
und Dialog-Unwilligkeit und –Unfähigkeit. Der Eigenwille ist
unflexibel und sperrt sich gegen eigenes Wachstum. Er ist
besserwisserisch und statisch. Etwas ganz anderes ist der eigene >
Wille, der in seiner Phantasie eine Bereicherung für jede Gemeinschaft
ist.
> Höre
Die Regel
Benedikts versteht sich als eine Bibel-Lese und -Übersetzung für ein
konkret zu führendes Leben. Der Mönch will „unter der Führung des
Evangeliums“ leben (RB
Prolog 21). Evangelium meint dabei nicht einfach die vier Evangelien,
sondern die gesamte Heilige Schrift, die Gottes „gutes Wort“ ist. In
personaler Zuspitzung ist das Evangelium der, der das „Wort“ ist:
Jesus Christus.
F
- Die Fastenzeit ist nach Benedikt die Zeit, die das „Muster“ für
alle Tage des Jahres abgibt. Ihr Ziel ist nicht der Verzicht auf
irgendetwas, sondern die Auffrischung der Freude der ersten Liebe.
Benedikt ist Realist genug, um das Abschlaffen des Schwungs im Alltag zu
sehen. Der Neu- und Zugewinn der Fastenzeit ist die geistliche Sehnsucht
und Freude auf das Osterfest. – Der Fastenzeit ist Kapitel 49 der
Regel gewidmet.
Führung
> Abt, Demut, Eigenwille, Höre, Novizenmeister, Unterscheidung, versöhnte
Vielfalt
G
- „Alle Gäste sollen wie Christus aufgenommen werden.“ Die
Benediktsregel hat der Aufnahme der Gäste ein eigenes Kapitel gewidmet
(Kapitel 53). Der ganze Duktus dieses Kapitels macht deutlich, dass „benediktinische
Gastfreundschaft“ kein wertneutraler Hotelbetrieb ist, sondern eine
spirituelle Botschaft, die vielfältig buchstabiert werden will. (Links:
01, 02,
03)
Gebet
> Höre, Ora et labora, Stundengebet
Gehorsam
> Höre
Gelübde
> Profess
Gemeinschaft
> Mönch, versöhnte Vielfalt
H-
Das Ordensgewand heißt bei Benediktinern „Habit“.
Der Habit besteht aus dem Grundkleidungsstück, der
„Tunika“, die mit einem Ledergürtel (= „Zingulum“)
zusammengehalten wird, und dem Überwurf des „Skapuliers“ (mit
Kapuze). Das Skapulier entwickelte sich aus einem Wetterschutz, wie wir
ihn heute etwa als Anorak kennen. Zu dieser Normalkleidung kommt für
den Chorgottesdienst der Chormantel, die weitgeschnittene „Kukulle“
mit sehr weiten Ärmeln. Die Farbe des Habits der Benediktiner ist
schwarz; im Mittelalter wurden sie daher teilweise als die „schwarzen
Mönche“ bezeichnet. Allgemein kann man sagen, dass die Orden in ihren
Anfängen einfach die alltägliche Kleidung der Leute trugen, wie sie
zur Gründungszeit der Orden jeweils üblich war. Weil man die
wechselnden Kleidermoden der Gesellschaft nicht mitmachte, wurde die
Ursprungskleidung nach und nach etwas Besonderes. So wurden die
Ordenstrachten zu einem charakteristischen Erkennungszeichen der
jeweiligen Orden. Reformen innerhalb des Ordens und Neugründungen von
Orden spiegeln sich durchwegs in kleineren oder größeren Änderungen
des Gewandes bzw. ganz neuen Gewandformen wieder.
– In seiner Regel widmet Benedikt der Kleidung das Kapitel 55.
"Höre,
mein Sohn. ... neige das Ohr deines Herzens ...“ beginnt die Regel
Benedikts (Prolog 1). Das Hören ist der Start, der Weg und das Ziel des
Mönchtums, - seine Quelle,
sein Strom und sein Meer, - sein Kern und sein Ziel. Es ist die Überwindung
des > Eigenwillens und der Inhalt allen Gehorsams. „Hören beginnt
dort, wo man es wagt, sich beunruhigen und irritieren zu lassen“
(Timothy Radcliffe OP). Dass das rechte Lesen ein intensives Hören auf
den Text ist, versteht sich wohl von selbst. Dass aber auch das Gebet
mehr ein Sich-Hineinhören in Gott als ein Drauf-los-Reden unsererseits
ist, ist vielleicht nicht so geläufig.
> Ora
et labora
Heilige
Schrift > Evangelium
IJ
- Jesus Christus ist der „Meister“, dessen Wort im Prolog
der Regel das Ohr des Herzens geschenkt werden soll (RB Prolog 1). Er
ist der „Abba – Vater“, von dem der > Abt seinen Titel empfängt
(RB 2,1-3). Weil der Abt gleichsam den Auftrag einer Christus-Ikone hat,
wird er mit den Würdebezeichnungen Christi angeredet: „Herr [und]
Abt“ (RB 63,13). Insgesamt ist die Regel Benedikts frei von
Sonderspiritualitäten. Sie ist auf Christus hin zentriert und von der
Heiligen Schrift genährt..
>
Evangelium, Liebe, Pax
K
- Die Klausur ist einerseits der allgemeine Bereich des Klosters „überhaupt“
(RB 4,78; 66,6-7), dann aber vor allem sein innerer Bereich. Benedikt
misst der Klausur einen hohen Schutzwert zu. Sie schützt den Mönch vor
sich selbst und seinen Aus-Flüchten und vor dem, was sich von draußen
aufdrängen und eindringen will (vgl. RB 67,5-7). So sehr die äußere
Mauer, das starke Tor und das große Schloss mit der Klausurvorstellung
verbunden sind, so sehr ist Klausur zuallererst eine innere Haltung,
nicht alles und jedes an und in sich ran- und in sich reinzulassen bzw.
auch aus sich herauszulassen (RB 6,8). Sie ist Ausdruck und Werkzeug
innerer Hygiene und der Zentrierung auf ein > Ziel. Klausur ist der
Ausdruck des Strebens, „da“ zu sein und nicht im Irgendwo nirgendwo
zu sein.
> Höre,
Pförtner, Reden, Schweigsamkeit, Zelle
L
- Liebe ist ein zu kostbarer Inhalt und Begriff, als dass man inflationär
davon sprechen sollte. „Der Liebe Christi (oder: zu Christus) nichts
vorziehen“ (RB 4,21; 72,11) spricht die Radikalität und Intensität
der Mönchsentscheidung an. Die ganz ähnliche Weisung „Dem
Gottesdienst nichts vorziehen“ (RB 43,3) weist auf den Nährboden der
Liebe hin: das Selbstzeugnis Gottes, wie es von den Mönchen im
Gottesdienst und seinen Texten durchmeditiert wird. Aus der
Christusbeziehung wird die Beziehung zu den Menschen gestaltet, sei es
zu den Mitbrüdern (RB 72), den Kranken (RB 36,1), den Gästen (RB
53,1), den Armen und Pilgern (RB 53,15), den Feinden (RB 4,72).
> Pax,
versöhnte Vielfalt
Lesung
> Ora et labora
M
- Das Wort „Mönch“ leitet sich vom griechischen „mónos =
allein“ ab. „Solus cum Solo = allein mit dem All-Einen (Gott)“ war
das innere Streben (und der äußere Weg) am Ursprung des Mönchtums.
Benedikt hat für seine Welt und Zeit erkannt, dass der lange Weg zum
Ziel der Einheit mit Gott am besten in der Gemeinschaft mit
gleichgesinnten Brüdern gegangen werden kann (RB 1).
>
Klausur, Quaerere, versöhnte Vielfalt, Zelle
Maß >
Ora et labora; Unterscheidung;
N
- Wer neu zur Klostergemeinschaft hinzustößt ist ein „novitius =
Neuling = Novize“. In seinem Regelkapitel über die Aufnahme neuer
Mitbrüder (RB 58) betont Benedikt, dass man dem Anfragenden den
Eintritt nicht (zu) leicht machen soll (RB 58,1-4). Wichtig ist Benedikt
vor allem, ob der Neue „wirklich Gott sucht“, zum Gehorsam bereit
und zum Durchhalten in Schwierigkeiten fähig ist (RB 58,7). Nach einer
Noviziatszeit von einem Jahr sieht Benedikt das endgültige Versprechen
vor. – Die heutige Aufnahmestruktur sieht ein einjähriges Postulat,
ein Jahr Noviziat und drei Jahre „einfacher > Profess“ – also
insgesamt fünf Jahre – vor der endgültigen Bindung vor.
Über den
Novizenmeister hat Benedikt kein eigenes Kapitel in seiner Regel, was
insofern erstaunt, weil doch gerade die Formung der nächsten Mönchsgeneration
eine bedeutende Aufgabe ist. Erkennbar ist, dass zumindest in der
allerersten Phase des Ankommens der > Pförtner und die Gastbrüder
des Klosters seine Ansprechpartner zu sein scheinen (RB 58,1-4). Als
besondere Qualifikation für den Mitbrüder, der sich des weiteren der
Novizen annimmt wird neben einer allgemeinen (monastischen) Reife die
Gabe, „Seelen zu gewinnen“, genannt.
O
- Oblaten sind Menschen, die die Regel Benedikts und ihren Geist als
eine wesentliche Bereicherung für ihr Christsein entdeckt haben. In
enger Verbindung zu einem Kloster und mit der Bindung eines Versprechens
versuchen sie, ihr Leben in der Welt in benediktinischem Geist zu
gestalten. Ohne Mönche zu sein, gehören sie zur „Familie“ des
Klosters. Im Austausch von Teilnahme und Teilgabe der jeweils eigenen
Charismen sind die Mönche für die Oblaten und die Oblaten für die Mönche
ein bereicherndes Geschenk. Dem Oblationsversprechen geht eine
mindestens einjährige Probezeit voraus.
„Ora et
labora“ gilt als das benediktinische Motto schlechthin, obwohl es in
dieser kurzen Prägnanz nur wenig mehr als 100 Jahre alt ist und Ende
des 19. Jahrhunderts noch einmal etwas anderes meinte, als wir heute
darunter verstehen. Wir verstehen heute mit diesem Wort die hilfreiche
Ausgewogenheit zwischen wie auch immer gearteter Arbeit und dem Gebet,
wie sie sich in den Strukturen des über den Tag verteilten >
Stundengebets und einer klaren Tagesordnung widerspiegeln. Benedikt
verbindet in seiner Regel die Arbeit unmittelbarer mit der Lesung (RB
48). Dem Stundengebet und daran anschließend allgemeiner dem Gebet
widmet Benedikt eine eigene Kapitelserie (RB 8 – 18 u. RB 19 – 20;
vgl. auch RB 52).
> Höre;
Pax
Ordensgewand
> Habit
P
- Das Motto- und Wappenwort des Ordens ist „PAX – Friede“.
„Suche den Frieden und jage ihm nach“, mahnt RB Prolog 17. Der
Friede ist zwar letztlich und eigentlich Jesus Christus selbst, aber aus
der Christus-Sehnsucht erwächst die zwischenbrüderliche Friedens- und
Versöhnungsbereitschaft (RB 4,24 u. 73; RB 72). – Das Motto-Wort der
Abtei Kornelimünster lautet „In vinculo pacis – Verbunden im
Frieden“. Das Wort ist dem Epheserbrief entnommen: „Seid demütig,
friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch,
die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält“
(Eph 4,2-3).
>
Liebe, Ora et labora, versöhnte Vielfalt
Eine hohe
Stellung hat in der Regel Benedikts der Pförtner des Klosters, was sich
schon darin zeigt, dass ihm eigenes Kapitel gewidmet ist (RB 66). Er hat
gewissermaßen eine Grenzwächter-Funktion. Von ihm werden Reife,
Urteilskraft, Präsenz und eine positive Einstellung zu den Menschen
erwartet. Vor allem aber muss er in Gott und in seinem Kloster zu Hause
sein.
Der
Stellvertreter des Abtes im Kloster ist der Prior. Während der Abt von
der Gemeinschaft gewählt wird, werden alle weiteren Ämter im Kloster
durch den Abt vergeben. Mit einem Abtswechsel erlischen automatisch alle
anderen Ämter.
Die
Profess - oder Gelübdeablegung – ist das Versprechen, mit dem sich
der Benediktinermönch an ein bestimmtes Kloster bindet. „Profess“
bedeutet übersetzt: Bekenntnis zu etwas. Das deutsche Wort „Gelübde“
hängt sprachlich eng mit „glauben“ und „lieben“ zusammen. In
unserer Profess versprechen wir „Beständigkeit
(stabilitas), klösterlichen
Lebenswandel und Gehorsam“ (RB 58,17). Die Dreizahl der Gelübde weist
weniger auf unterschiedliche Inhalte hin als vielmehr auf eine
ganzheitliche Hingabebereitschaft. (Links: 01,
02, 03)
>
Novize
Q
- „Quaerere Deum – Gott suchen“ - oder auch „den Frieden
suchen“ – ist ein Grundmotiv des Mönchslebens. In den Psalmen heißt
es mehr als einmal „Suchet Sein Antlitz“, was in der damaligen
Sprache ganz konkret bedeutet: sucht sein Heiligtum auf. Ohne das ins
Detail für uns übersetzen zu wollen, ist der alttestamtliche
Sprachgebrauch ein Hinweis, dass „Gott suchen“ sich nicht in schönen
Gedanken erschöpft, sondern ganz konkretes Tun zum Inhalt hat. – Ich
greife gerne auch auf die Bedeutung „quaerere = fragen“ zurück, um
zu übersetzen: „Gott eine Frage sein lassen.“ Diese Übersetzung
will andeuten, dass man Gott nie „hat“, sondern immer und immer
wieder neu auf dem Weg zu ihm ist.
> Mönch,
Novize, Profess
R -
Benedikt ist sehr zurückhaltend gegenüber dem Reden. „P.
Quasselmund“ ist sicher nicht seine Idealvorstellung von einem Mönch.
Aus der Tradition zitiert er verschiedene Worte, die zur Vorsicht
mahnen: „Das viele Reden nicht lieben“ (RB 4,52). „Bei vielem
Reden entgeht man der Sünde nicht“, „Der Schwätzer hat keine
Richtung auf Erden“ (RB 7,57 bzw. 58). „Den Weisen erkennt man an
den wenigen Worten“ (RB 7,61). Vielleicht hätten wir mehr zu sagen,
wenn wir weniger reden würden!
> Höre,
Schweigsamkeit/Stille
Wir
sprechen von der Regel immer im Singular. Es heißt also „die Regel
Benedikts“ und nicht „die Regeln Benedikts“. – Einem
gelegentlich geäußerten Vorbehalt gegen die Unterwerfung unter eine
Ordensregel und ihre Einzelregeln ist zu erwidern, dass auch sonst im
Leben Regeln die Voraussetzung für Freiheit sind. „Benedikt setzt
betont auf die positive, entspannende, heilende, aufbauende und
friedensstiftende Kraft der Ordnung. Geistliches Leben setzt ein
geordnetes Leben voraus. Innerhalb dieser Klammer wollen auch alle
Einzelweisungen der Regel gelesen und interpretiert werden, d.h. ihre
Bedeutung muss sich nicht im Detail erschöpfen“ (M. Puzicha, a.a.O.,
16f).
S -
Die Schweigsamkeit
ist die innere Lernatmosphäre, in der das Wort des
Meisters ein Ohr findet (RB 6). Der Übungsraum der Schweigsamkeit ist
die äußere Stille, das Silentium. Benedikt kennt Stunden (RB 42;
48,5,) Vollzüge (RB 38,5) und Orte (RB 52,2), die in besonderer Weise
vom Schweigen und der Stille durchprägt sein sollen. Das Schweigen ist
für das frühe Mönchtum nicht einfach ein asketisches Den-Mund-Halten,
sondern eine Hinformung auf Christus hin: „Diabolus sonum quaerit,
Christus silentium – der Teufel sucht den Lärm, Christus das
Schweigen.“ – In nicht wenigen Barock-Klöstern finde ich im
Kreuzgang den mahnenden Schriftzug „Silentium“; es gibt etliche
Benedikt-Darstellungen, die ihn mit dem Zeigefinger die Lippen verschließen
zeigen. In einem englischen Frauenkloster fand ich in der Gästeabteilung
den Hinweis am schwarzen Brett: „Die Gäste werden gebeten, die
Atmosphäre der Stille zu respektieren und die Schwestern bei ihrer
Arbeit nicht in ein Gespräch zu verwickeln.“
> Höre,
Klausur, Reden
Stabilitas
> Profess
Stundengebet
> Tagzeiten
T -
Tagzeiten oder Stundengebet (lateinisch: „Horen“) werden die
Gebetszeiten des Tages genannt. Benedikt kennt die Vigil in der Nacht
und sieben Gebetszeiten am Tag (RB 16). Die gemeinsamen Gebetszeiten
strukturieren den Tag des Mönches. Sie sind „Pausen in Gott“ in der
Alltagsgeschäftigkeit, Tragepfeiler für die Alltagsbrücke. – Seit
der Neuordnung der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gibt
es in den Klöstern des Ordens eine größere Bandbreite in der
Gebetsordnung. In Kornelimünster kommen wir viermal am Tag zu Gebet
zusammen: morgens zu den Vigilien und Laudes (5:30), zur Mittagshore
(12:00), zu Vesper und Eucharstiefeier (18:00), zur
Komplet (Sa
u. So: 19:30; Mo, Di, Do: 20:45; Mi u. Fr: 20:00).
(Die Zeitangaben gelten für die Werktage Montag bis Freitag).
U
- Einen guten Abt zeichnet nach Benedikt die Gabe der „maßvollen Unterscheidung, der Mutter der Tugenden“, aus (RB 64,17-19). Das
lateinische Wort dafür ist „discretio“. Der gute Abt versteht zu fördern
und zu fordern und zwischen Unterforderung und Überforderung den
Mitte-Weg zu finden, ohne seine Gemeinschaft in Mittelmäßigkeit zu
(ver-) führen. Benedikt ist wegen dieser Leitlinie des äbtlichen
Amtsverständnisses gelegentlich als „Meister des Maßes und der
Mitte“ bezeichnet worden.
> Abt
V
- Man könnte ein Kloster als „Zeugnis der Möglichkeit versöhnter
Vielfalt“ kennzeichnen. Es ist weder ein Ort enger Uniformität noch
einer des grenzenlosen Individualismus. Es kommen in ihm die
„Eigenarten vieler“ (RB 2,31) zusammen und sie müssen
zusammengebracht werden. Das ist eine „dornige“ Angelegenheit (vgl.
RB 13,12) und zugleich eine Bereicherung (vgl. RB 3, bes. Vers 3). Hier
liegt die besondere Aufgabe des Abtes (RB 2,31) wie auch die aller Brüder
(RB 72).
>
Eigenwille, Liebe, Pax
Häufiger taucht in den Kurznachrichten dieser
Website der Begriff "Visitator" auf und immer wieder werde ich
danach gefragt.
(1) In allen Ordensgemeinschaften gibt es den regelmäßigen
"Kontrollcheck", der durch nicht zur konkreten Gemeinschaft gehörende
Ordensmitglieder, z.B. den Provinzial oder den Ordensgeneral,
durchgeführt wird. Dieser "Kontrollcheck" wird Visitation genannt, -
derjenige, der ihn durchführt ist in der Durchführung seiner Aufgabe der
Visitator.
(2) In unserem großen benediktinischen Klosterverbund der
Sublacenser Kongregation (gut 60 Klöster) sind wir in 9 Provinzen
untergliedert. Ihre Zusammensetzung hat sich national bzw. regional
und/oder aus der Gründungsgeschichte ergeben. Die in diesen Provinzen
gewählten - ich will sie mal "Sprecher" der Provinz nennen. - Vertreter
heißen bei uns Visitatoren. Sie sind eine Zwischeninstanz zwischen dem
Präses der Kongregation und den einzelnen Klöstern. Zusammen mit dem
Präses sind sie das erweiterte Leitungsgremium der Kongregation. Die
Gruppe der Visitatoren trifft sich im Halbjahresturnus in wechselnden
Klöstern der Kongregation. In ihren Provinzen nehmen die Visitatoren u.a.
die unter (1) genannten Visitationen der Klöster vor.
W
– Der Wille ist nicht zu verwechseln mit dem > Eigenwillen. Den
Willen sollte man auf keinen Fall beim Eintritt an der Klosterpforte
abgeben. Gegen die Eigenwilligkeit wird man wohl ein Leben lang zu kämpfen
haben. Nur die Willensstarken können > gehorsam und > demütig
sein.
X + Y
... und selbst wenn alles gesagt worden ist, merkt man, dass „alles“
nicht genug ist. Es muss im Leben mehr als alles geben. Das gilt überhaupt
und auch im Klosterleben. Dafür mögen „X + Y“ stehen.
Z
- Mit dem Wort „Zelle“ verbindet sich heute oft etwas Negatives,
z.B. die Einengung unserer Freiheit, wie sie etwa in der Gefängniszelle
deutlich wird. Der vielleicht negative Beigeschmack sollte aber nicht
den neugierigen Blick in andere Richtung blockieren. – Das Wort
„Zelle“ leitet sich vom lateinischen „celare = bergen,
verbergen“ ab. Es kündet damit von Geborgenheit und Schutz. Die
lateinische Sprachentwicklung führte auch von „celare“ zu „caelum
= Himmel“. – Im frühen Mönchtum ist der Ausdruck „In der Zelle
bleiben“ identisch mit der Aussage „ein Mönch sein.“ Geläufig
wurde das Wort „Custodi cellam tuam et cella custodiet te = Bewahre
deine Zelle und die Zelle wird dich bewahren.“
>
Klausur
Als
Zielperspektive des Mönchslebens nennt der Regelbeginn: durch (Hin-)
> Hören dahin zurückkehren, wo man hingehört (RB Prolog 1-2). Das
Ziel selbst wird in verschiedenen Begriffen – z.B. „gute Tage“,
„Reich“; „Leben“, „Zelt“ – vor Augen gestellt. Die
Schlussworte der Regel sprechen vom Eilen „ad caelestem patriam –
zum himmlischen Vaterland“ (RB 73, 8). Gewissermaßen buchstabiert die
Regel dem Heimweg des „verlorenen Sohnes“ aus dem Lukasevangelium (Lk
15) nach, dem die Freude des Vaters einen festlichen Empfang bereitet.
Um das
Durchbuchstabieren der Benediktsregel von A-Z umzukehren, lässt sich
sagen, dass Benedikt Zielstrebigkeit und Ausdauer miteinander verbindet
und dazu einlädt. Er lädt ein zur eilenden Geradlinigkeit – „recto
cursu“ (RB 73,4) – und zur Geduld des Wachsens – „magis ac magis
– mehr und mehr – Schritt für Schritt“ (RB 62,4).
Abt Albert Altenähr OSB
030217
... und sicher lohnt sich ein Blick in
die humorvollen Zeichnungen
zur Benediktregel von P. Michael Hermes, Meschede.
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