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Die Bildseite der Benedikt-Medaille

Während es für das Segenswort des Benediktus-Kreuzes offensichtlich einen festen Gestaltungskanon gibt, weist die Bildseite bei verschiedenen Medaillen eine größere Variationsbreite in der Gestaltung auf.

Gemeinsam  ist den beiden Medaillen, deren Bildseiten wir wiedergeben, natürlich die Darstellung der Person des heiligen Benedikt. In beiden Fällen hält der Heilige ein Kreuz in der rechten Hand und ein Buch - die Ordensregel - in der linken Armbeuge und doch sind in der unterschiedlichen Dynamik, wie diese Symbole dem Betrachter entgegentreten, schon Akzentverschiebungen zu erkennen. Auf beiden Medaillen gemeinsam  ist auch der ausgeschriebene Text CRUX S. P. BENEDICTI bzw. CRUX S. PATRIS BENEDICTI.  Dieser ausgeschriebene Text  weist die Rückseite der Medaille mit ihren Buchstabenkürzeln als die eigentliche Hausptseite aus. Dass diese Buchstabenseite die wichtigere ist, ist auch schon daran zu erkennen, dass es für sie einen festen Gestaltungskanon gibt.

Größere Unterschiede der beiden Medaillen-Schauseiten sind in den zwei  weiteren, dem  Heiligen beigegebenen Symbolen und in der Umschrift bei der runden Medaille, die der ovalen Medaille ganz fehlt, festzustellen.

       

Auf der älteren, ovalen Medaille tritt uns der Heilige gleichsam in einer Momentaufnahme entgegen. Der Faltenwurf des Gewandes läßt Spielbein und Standbein unterscheiden. Mit demonstrativ erhobenem Kreuz - dem Kreuzsegen - geht er buchstäblich gegen das Böse (den Bösen) vor. Der Kopf und Blick ist leicht zur Seite gewandt und folgt der Richtung des Kreuzes in seiner Hand. Das geschlossene Regelbuch in der Armbeuge hat gegenüber dem Kreuz in dieser Darstellung eine deutlich geringere Bedeutung. Das Fehlen jeglichen Hintergrundes läßt die Gestalt wie einen Missionar auf einer Anhöhe erscheinen, der einer größeren Volksmenge das Evangelium verkündet.

Zu Füßen desHeiligen ist  links eine Mitra und die Krümme eines Abtsstabes und rechts ein Vogel (ein Rabe) zu erkennen. Auf der Jubiläums-Medaille trägt Benedikt die Mitra auf dem Kopf. Mitra und Stab weisen ihn nicht einfach nur als Abt, sondern mehr noch als Prälaten der Kirche aus.  Auf den Raben wird weiter unten näher einzugehen sein.

Die jüngere, runde Medaille, die heute die fast allgemein übliche ist, wird als Jubiläums-Medaille bezeichnet. Sie ist 1880 anläßlich des 1400. Geburtstags des heiligen Benedikt erstmals geprägt worden. Unten auf der Medaille ist ein Hinweis auf diesen Ursprung zu finden. EX S. M. CASINO / MDCCCLXXX - Montecassino,  1880.

Die bildnerische Gestaltung ist  im strengen Stil der sog. Beuroner Kunst gehalten, die stark vom hieratischen Stil der alt­ägyptischen Kunst geprägt  war. So ist ein Medaillenbild entstanden, das uns in seiner steifen Statik vielleicht  fremd anmutet, aber in derselben Charakterisierung  könnte man ihm auch einen zeitlosen Charme zusprechen. Das Zusammenspiel von streng abgezirkelten Kreisen und Linien und voll­kommener Symmetrie bestimmen den Eindruck.

Der Heilige steht vor einem thronähnlichen Hintergrund dem Betrachter frontal gegenüber. Die fein schraffierte Umgebung dieses "Throns" läßt an ein Halbdunkel denken und suggeriert - zusammen mit dem  "Thron" - einen Raum im Inneren eines Klosters, etwa den Kapitelsaal.

Das Haupt des Heiligen ist mit der Kapuze des Habits bedeckt. Eine Mitra entdecken wir auf der Jubiläums-Medaille nicht. Benedikt ist ganz Mönch, - nicht Prälat.

Der Heiligenschein ist zu einer Strahlensonne ausgestaltet, möglicherweise eine bewußte Anspielung auf Jesus Christus, der als "Sonne der Gerechtigkeit"[1] der Heiligende "hinter" den Heiligen ist. Der Sonnen-Nim­bus ist auf der Medaille gleichzeitig auch ein integrierendes Element des "Thrones", vor dem Benedikt steht.

    
Benediktsstatue im Kreuzgang der Abtei Kornelimünster

Wie auf der älteren Medaille trägt Benedikt Kreuz und Regelbuch. Doch anders als bei jener ist hier nicht das Kreuz "einseitig" hervorgehoben und die Regel als zugeschlagenes Buch in den gedanklichen Hintergrund gedrängt. Kreuz und Regelbuch werden auf der Jubiläums-Medaille in gleicher Höhe dem Betrachter entgegengehalten. Die Regel ist aufgeschlagen und somit ein "sprechendes" Zeichen.

Während der Benedikt der älteren Medaille ganz gegen den Bösen ausgerichtet ist, ist der Benedikt der jüngeren Medaille mehr Lehrer seiner Jünger - und des Betrachters der Medaille -, der nicht einfach eine Segensformel empfiehlt, sondern zu einer Lebensform führen will, die Jesus Christus in die Mitte stellt unter gleichzeitiger klarer Absage an den Bösen.

Ein wenig pointiert könnte man vielleicht behaupten: Der Benedikt der Jubiläumsmedaille hat als Botschaft die Kernworte des Benediktus-Kreuzes auf den Lippen: "Das heilige Kreuz soll dir Licht sein; der Drache soll nicht dein Führer sein." Der Benedikt der älteren Medaille schleudert hingegen dem Bösen die Worte entgegen: "Weiche zurück, Satan ..."

Neben Kreuz und Buch sind Benedikt auf der Medaille von 1880 als weitere Symbole rechts ein flügelschlagender Rabe und links ein zerborstener Kelch, aus dem eine Schlange sich herauswindet, beigegeben.

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[1] Vgl. Mal 3,20: „Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung". Vgl. auch das entsprechende Lied im Gotteslob, GL 644.

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