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Die Identifikations-Symbole des hl. Benedikt: Rabe und
Kelch
Die
Umschrift des Benediktus-Kreuzes lautet, wie wir oben sahen: "Weiche
zurück, Satan; niemals verführe mich zu Nichtigem. Schlecht ist, was du
darreichst; selbst trinke das Gift." Im zweiten Teil dieser
Beschwörungsformel ist sehr eindeutig von einem zum Trunk angebotenen
Giftbecher die Rede.
Als Hintergrund ist ein Abschnitt aus
der Lebensbeschreibung des Heiligen durch Papst Gregor d. Gr. (+ 604,
also etwa 60 Jahre nach dem Tod Benedikts) heranzuziehen. Gregor
berichtet im zweiten Buch der Dialoge über das Leben der italischen
Väter (Dialoge II 3), dass Benedikt, der als Einsiedler in einer Höhle
bei Subiaco - heute ist dort in den Felsen oberhalb der Abtei Subiaco
das kleine Kloster Sacro Speco (= heilige Höhle) - die ersten
Erfahrungen des Mönchslebens gemacht hatte, von einer
Mönchsgemeinschaft im nahen Vicovaro gebeten wurde, ihr als Abt
vorzustehen. Da den dortigen Mönchen die Ansprüche des jungen Abtes aber
bald als zu einschneidend erschienen, versuchten sie, sich seiner
wieder zu entledigen, indem sie dem Heiligen einen Gifttrank mischten.
Benedikt schlug nach seiner Gewohnheit über den Trank ein Kreuzzeichen,
und der Becher zerbrach. Aufgrund dieser Begebenheit wird Benedikt
häufig dargestellt, wie er einen Kelch segnet; der Kelch hat einen Riß -
oder es ist ein Stück aus ihm herausgebrochen - und aus dem Kelch
züngelt eine Schlange als Sinnbild des Verderbens (Teufel / Gift)
hervor.

Benedikt, Kloster Irsee - Subiaco, Sacro Speco
Der Rabe als Symbol des hl. Benedikt
geht ebenfalls auf einen Vergiftungsversuch an dem Heiligen zurück, von
dem Gregor d. Gr. erzählt (Dialoge II 8). Ein Weltpriester namens
Florentius war auf Benedikt und seinen Ruf eifersüchtig geworden. Eines
Tages sandte er ihm ein vergiftetes Brot als Segens- und
Freundschaftszeichen, doch Benedikt entging nicht "die Pest, die sich
im Brot verbarg." Einem Raben, der sich bei ihm täglich zur Fütterung
einstellte, befahl der Heilige, das Brot wegzubringen und wegzuwerfen.
"Nach langem Hin und Her biß der Rabe hinein, schnappte es auf und flog
davon. Drei Stunden später, nachdem er das Brot weggeworfen hatte, kam
er zurück und erhielt aus der Hand des Gottesmannes seine übliche
Ration".
Das Motiv des Raben, der gehorcht,
ist eine Variante eines Berichts aus dem alttestamenlichen Erzählzyklus
über den Propheten Elija, dem Raben in einer Zeit eremitischer
Zurückgezogenheit täglich Nahrung bringen (l Kön 17,6 ). Gregor d. Gr.
weist selbst auf die Verbindung Elija - Benedikt hin und deutet sie -
ergänzt durch weitere Querverbindungen zu biblischen Gestalten: "Mich
dünkt, dieser Mann war vom Geist aller Gerechten erfüllt," um sich
gleich darauf zu korrigieren und zu präzisieren: "Der Mann Gottes
Benediktus besaß den Geist nur des Einen, nämlich dessen, der ... die
Herzen aller Auserwählten erfüllt ..."
In den
beiden Identifikationssymbolen des Heiligen spielen Brot und Wein eine
gewichtige Rolle. Brot und Wein sind an sich Lebens-Mittel, -
Lebens-Zeichen, - ja in der Eucharistie sogar Sakramentszeichen Jesu
Christi und des ewigen Lebens. Wenn sie nach dem Bericht Gregors d. Gr.
als todbringende Giftträger mißbraucht werden, dann ist die versteckte
Botschaft kaum zu übersehen. Auch das, was unter dem Schein des
Angenehmen, - Guten, - ja Besten an den Menschen herankommt, ist unter
dem Zeichen des Kreuzes zu prüfen. Der Schein kann trügen; der Geist
Christi gewährt Durchblick zum wirklich Guten und Heilbringenden hin.
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