Der hl. Benedikt als Begleiter in der Stunde des Todes
Die Benedikt-Medaille von 1880
erweitert das Programm der älteren Medaille durch die Umschrift auf der
Bildseite: "EIUS IN OBITU N(OST)RO PR(A)ESENTIA MUNIAMUR - Bei unserem
Sterben mögen wir durch seine Gegenwart gestärkt (geschützt) werden."
Der kurze Text spricht die Hoffnung aus, dass Benedikt unser Begleiter
in der Todesstunde sei und dort zu einer Quelle der Kraft für uns werde.
Die Verehrung des hl. Benedikt als
Patron für die Sterbestunde geht auf den Bericht von Papst Gregror d.
Gr. über den Tod des Heiligen zurück (Dialoge II 37). "Sechs Tage vor
seinem Tod ließ er (Benedikt) sein Grab öffnen. Bald darauf befiel ihn
hohes Fieber, und große Hitze schwächte ihn. Von Tag zu Tag verfielen
zunehmend seine Kräfte. Am sechsten Tag ließ er sich von seinen Jüngern
in die Kirche tragen; dort stärkte er sich durch den Empfang des Leibes
und Blutes unseres Herrn für seinen Tod. Er ließ seine geschwächten
Glieder von den Händen seiner Schüler stützen, so stand er da, die Hände
zum Himmel erhoben, und hauchte unter Worten des Gebetes seinen Geist
aus."

Tod Benedikts
Kirchenfenster in der Abteikirche
Gregor d. Gr. stellt den Tod Benedikts
ganz in das Licht Christi. Nicht nur, dass er Benedikt sich stärken läßt
durch den Empfang der Eucharistie, sondern er formuliert noch weitere
kleine Hinweis-Vergleiche zum Tod Christi. Sechs Tage vor dem Paschafest
läßt Jesus nach dem Johannes-Evangelium (Joh 12) gleichsam als
"Einstieg" in seine Todeswoche die Salbung durch Maria in Betanien zu.
Benedikt läßt sechs Tage vor seinem Heimgang sein Grab öffnen und öffnet
so sich selbst für das Sterben. - Jesus stirbt mit den Worten "Es ist
vollbracht" (Joh 19,30). Auch Benedikt stirbt als Betender. -
Schließlich: Die stehende Haltung und die erhobenen Hände lassen
Benedikt in seinem Sterben Kreuzesgestalt annehmen.
Die Darstellung des auf die Brüder
gestützten Benedikt erinnert an eine Szene des Alten Testamentes, in der
geschildert wird, wie Mose während einer Schlacht seines Volkes zum
Herrn betet. Solange Mose die Hände zum Gebet erhoben hielt, war Israel
stärker; sobald er sie ermüdet sinken ließ, waren die Feinde stärker.
Aaron und Hur, die Gefährten des Mose in dieser Stunde, stützen
daraufhin die Arme des Mose, so dass Israel schließlich den Sieg
davontrug (Ex 17,11-13). - Wenn wir Gregors d. Gr. Bericht über das
Sterben Benedikts im Licht dieser Stelle aus dem 2. Buch Mose lesen,
dann erkennen wir Benedikt auch in der Stunde, in der alle Kräfte
schwinden, als eine Siegergestalt: Ein Beter im Haus Gottes, gestärkt
durch Jesus Christus in der Gestalt der Eucharistie - und getragen
(gestützt) gerade in dieser Stunde des letzten Kampfes durch die Brüder!
*
Papst Gregor d. Gr. erzählt im
Anschluß an die Szene des Heimgangs eine Vision zweier Jünger des
Heiligen, in der sie aus der Ferne den Tod ihres Meisters erfuhren. "Sie
schauten, wie eine mit Teppichen belegte und von unzähligen Lampen
erhellte Straße gerade nach Osten lief, von seinem Kloster bis in den
Himmel. Darüber stand die leuchtende Gestalt eines Mannes in Ehrfurcht
gebietender Haltung. Der fragte sie, wessen Weg es sei, den sie sähen.
Sie bekannten, sie wüßten es nicht. Darauf sagte er: ‚Dies ist der Weg,
auf dem Benediktus, der Geliebte des Herrn, zum Himmel aufgestiegen
ist.‘"
Aus der Schilderung des Todes des hl.
Benedikt durch Gregor d. Gr. hat sich ein Gebet um den Beistand
Benedikts in der Sterbestunde entwickelt, das im Benediktinerorden weit
verbreitet ist bzw. war:
A.: Aufrecht im Oratorium stehend, /
gestärkt durch den Leib und das Blut des Herrn, /die schwachen Glieder
gestützt auf die Arme der Jünger, / die Hände zum Himmel erhoben, /
hauchte Benedikt, / der Geliebte des Herrn, / unter Worten des Gebetes
seinen Geist aus. / Zwei seiner Jünger schauten ihn, / wie er auf einer
Straße, / die mit Teppichen belegt / und von zahllosen Lampen erhellt
war,/ in den Himmel emporstieg.
V.: Herrlich erscheinst du vor Gottes
Angesicht.
A.: Deswegen kleidet dich der Herr mit
Herrlichkeit.
V.: Gott, du hast unseren heiligen
Vater Benedikt in seinem Tod wunderbar verherrlicht. Gewähre uns, die
wir seiner gedenken, dass er uns im Sterben beistehe und vor den
Nachstellungen des Feindes schütze. Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.
Im Lateinischen lautet die Bitte der
Oration: "... ut eius in obitu nostro beata praesentia ab hostium
muniamur insidiis." Es ist in etwas erweiterter Form genau der Wortlaut
der Umschrift auf der Bildseite der Benedikt-Medaille von 1880: EIUS IN
OBITU N(OST)RO PR(A)ESENTIA MUNIAMUR.

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Die vorliegenden Ausführungen wollen
zunächst und vor allem einfach Informationen vermitteln. Sie sind aber
auch Ausdruck einer persönlichen Verehrung des hl. Benedikt. Wenn sie
den einen oder anderen Leser ein wenig zur Verehrung des Heiligen
anregen, wäre mir damit ein Herzenswunsch erfüllt. Ich persönlich habe
z.B. immer eine Benedikt-Medaille bei mir.
P. Albert
Altenähr OSB
4/89 – 7/01
080924
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