Textauswahl

Benediktinisches
ora et labora - Nutzen für alle

Oblationsfeier 9.1.2010

Chorgebet u. Choralgesang

Ulrichs- und Benediktuskreuz

Die Stimme der Herrn, der uns einlädt

Christi Liebe nichts vorziehen

Benedikt XVI. über Benedikt

Hören - ankommen

stabilitas und Gottsuche

Die Benediktus-Medaille
des Klosters Weingarten

Kloster ist wie Golf

Hier bin ich

Verabschiedung von
Abt Albert

Die Quelle

Mit geistlicher Freude Ostern

Moritat vom verlorenen Heiligenschein - Demut

Neige dein Ohr - RB Prol 1

nie alles gleichzeitig

Im Alltag Gott

Mönchtum für die Kirche

auf Seinen heiligen Berg

Gott suchen - ihm nach-
gehen wie ein Späher

Das Ohr des Herzens

Gehorsam

Klösterlicher Lebenswandel

Ent-scheidung
Einkleidung am 11.1.2004

Christus Abbas

opprobia - zu RB 58,7

Christus nichts vorziehen

An einen jungen Dichter

Suche mehr, als du suchst!

Benedikt kurzgefasst

Lectio meditatio oratio

Der Gast und das Schweigen im Kloster

Demut RB 7
 

"In Klausur gehen..."
 

Ora et Labora
Prüfe und handle

Ein Gott der Überraschungen

Unterwegs zum Menschsein


Die Benedikt-Medaille
Crux S. Patris Benedicti

Stabilitas

Benediktsregel cap. 58
Weite der Grenze
Investitionsbereitschaft
Magnetfeld des Lebens

Kirchenjahr / Feste

Gedanken zu
Psalmen

Anfänge

weitere Texte

 

 

Die Benediktus-Medaille
des Klosters Weingarten

Schon lange besitze ich drei Benediktus-Medaillen des Klosters Weingarten. Ich habe sie eigentlich bisher – wenn überhaupt – immer eher „im Vorübergehen“ betrachtet. Sie sind eine „billige Massenprägung“, zwei mit deutlichen Gebrauchsspuren, die andere press-frisch. Aber vor allem die Fülle, was man in die kleine Medaille (2,5 x 2,1 cm, oval) glaubte hineinprägen zu sollen, hielt den Puristen und Norddeutschen in mir davon ab, genauer hinzuschauen. Dem Auge allein zeigt sich irgendwelche dekorative Vielfalt, das in seiner Kleinheit nur hier und da Konturen findet.

 

Und schließlich ist sie keine „reine“ Benediktus-Medaille. Das Benedikt-Thema ist auf eine Seite zusammengepfercht und auf der anderen Seite bestimmt die Heilig-Blut-Reliquie des Klosters Weingarten die Medaille. Die Medaille ist sowohl als auch und zugleich weder noch eine Benediktus-Medaille bzw. Heilig-Blut-Medaille. Richtiger müsste man sie wohl eine Kloster-Weingarten-Medaille nennen.

Bei genauem Hinschauen, das auch ein Vergrößerungsglas (oder den Fotoapprat und seine Makrofunktion) nutzt, offenbart sich eine Fülle von Details, die staunen lässt und tiefe Frömmigkeit spiegelt, die Respekt einflößt.

Die Benedikt-Seite der Medaille

Benediktusmedaille Weingarten 03 - hp.jpg (302539 Byte)Der dargestellte Heilige hat ein geprägtes, vornehmes Gesicht, dessen Länge durch einen zweigeteilten Bart unterstrichen wird. In sein volles, lockiges Haar scheint eine große Schädeltonsur geschnitten zu sein. Eine sogenannte „Corona-Tonsur“ hat er offensichtlich nicht. Bekleidet ist er mit der weiten – hier plissierten – Kukulle, dem Chorgewand der Benediktiner. Als Zeichen seiner äbtlichen Würde hält er mit der linken Hand den Abtsstab, in dessen Krümme sich eines der Identifikationssymbole des hl. Benedikt eingearbeitet ist: ein Kelch, aus dem sich eine Schlange windet. Die Linke hält außerdem einen Schild mit den Buchstaben des Benediktus-Kreuzes. In der rechten Armbeuge trägt er eine Marienikone. Diesem Marienbild wendet sich der Heilige zu. Ob ein Bild der Abteikirche für dieses Detail Pate gestanden hat, vermag ich im Moment nicht zu sagen. Die Umschrift bittet um das Gebet Benedikts: S. BENEDICTE O.P.N – Heiliger Benedikt, bitte für uns“.

Interessanter noch als die sehr barocke Darstellung des hl. Benedikt finde ich die Darstellungen in den Zwickeln unten neben dem Buchstaben-Schild des Benediktus-Kreuzes. Sie sind Empfehlungen für ein frommes christliches Leben und Warnung vor dem ewigen Gericht.   

Benediktusmedaille Weingarten 04 - hp.jpg (311677 Byte)In der Szene rechts neben dem Schild reicht ein etwas fülliger Engel einer Frau und einem Mann im Höllen- oder Fegefeuer einen Rosenkranz und einen sog. „kleines Skapulier“, ein heute kaum noch gekanntes Stoff-Medaillon. Die Skapuliere waren u.a. gedacht als Schutz gegen einen plötzlichen Tod, der dem Menschen die Chance notwendiger Umkehr und Sündenreue nimmt. Die Skapulier-Frömmigkeit wurde vor allem karmelitanischen Umfeld gepflegt, ist aber auch weit darüber hinaus in der Volksfrömmigkeit verbreitet gewesen.

Benediktusmedaille Weingarten 05 - hp.jpg (255349 Byte)Auf dem Zwickel links des Schildes ist oben eine (gekrönte?) Gestalt zu erkennen, die die Gerichtswaage und einen Schild hält. Das eingeschriebene breite Kreuz dieses Schildes hat große Ähnlichkeit mit dem großen Buchstabenschild. Darunter liegt ein nackter Betender. Ich deute ihn als Sterbenden. Benedikt wird u.a. als Patron für einen guten Tod angerufen. Unter dem Lager ist ein Drache / Greif zu erkennen, der mit offenem Schnabel nach dem Menschen auf seinem Lager zu fassen versucht.

Die Benedikt-Seite der Medaille kann durchaus als eine Predigt gedeutet werden. Gleichzeitig bezeugen die Skapulier-Darstellung und der kleine Benediktsschild in der Gerichtsszene, dass die Medaille an sich als Amulett für ein gutes Sterben gedacht war und als solches verteilt, mitgenommen und getragen wurde. Gegen alle mögliche kritische Deutung eines solchen Verständnisses verdient die Volksfrömmigkeit Respekt für solchen Glauben und solches Verständnis.

> Fortsetzung >

 
nach oben