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Die Benediktus-Medaille
des Klosters Weingarten
Schon lange besitze ich drei Benediktus-Medaillen des Klosters
Weingarten. Ich habe sie eigentlich bisher – wenn überhaupt – immer eher
„im Vorübergehen“ betrachtet. Sie sind eine „billige Massenprägung“,
zwei mit deutlichen Gebrauchsspuren, die andere press-frisch. Aber vor
allem die Fülle, was man in die kleine Medaille (2,5 x 2,1 cm, oval)
glaubte hineinprägen zu sollen, hielt den Puristen und Norddeutschen in
mir davon ab, genauer hinzuschauen. Dem Auge allein zeigt sich
irgendwelche dekorative Vielfalt, das in seiner Kleinheit nur hier und
da Konturen findet.

Und
schließlich ist sie keine „reine“ Benediktus-Medaille. Das
Benedikt-Thema ist auf eine Seite zusammengepfercht und auf der anderen
Seite bestimmt die Heilig-Blut-Reliquie des Klosters Weingarten die
Medaille. Die Medaille ist sowohl als auch und zugleich weder noch eine
Benediktus-Medaille bzw. Heilig-Blut-Medaille. Richtiger müsste man sie
wohl eine Kloster-Weingarten-Medaille nennen.
Bei
genauem Hinschauen, das auch ein Vergrößerungsglas (oder den Fotoapprat
und seine Makrofunktion) nutzt, offenbart sich eine Fülle von Details,
die staunen lässt und tiefe Frömmigkeit spiegelt, die Respekt einflößt.
Die Benedikt-Seite der Medaille
Der
dargestellte Heilige hat ein geprägtes, vornehmes Gesicht, dessen Länge
durch einen zweigeteilten Bart unterstrichen wird. In sein volles,
lockiges Haar scheint eine große Schädeltonsur geschnitten zu sein. Eine
sogenannte „Corona-Tonsur“ hat er offensichtlich nicht. Bekleidet ist er
mit der weiten – hier plissierten – Kukulle, dem Chorgewand der
Benediktiner. Als Zeichen seiner äbtlichen Würde hält er mit der linken
Hand den Abtsstab, in dessen Krümme sich eines der
Identifikationssymbole des hl. Benedikt eingearbeitet ist: ein Kelch,
aus dem sich eine Schlange windet. Die Linke hält außerdem einen Schild
mit den Buchstaben des Benediktus-Kreuzes. In der rechten Armbeuge trägt
er eine Marienikone. Diesem Marienbild wendet sich der Heilige zu. Ob
ein Bild der Abteikirche für dieses Detail Pate gestanden hat, vermag
ich im Moment nicht zu sagen. Die Umschrift bittet um das Gebet
Benedikts: S. BENEDICTE O.P.N – Heiliger Benedikt, bitte für uns“.
Interessanter noch als die sehr barocke Darstellung des hl. Benedikt
finde ich die Darstellungen in den Zwickeln unten neben dem
Buchstaben-Schild des Benediktus-Kreuzes. Sie sind Empfehlungen für ein
frommes christliches Leben und Warnung vor dem ewigen Gericht.
In
der Szene rechts neben dem Schild reicht ein etwas fülliger Engel einer
Frau und einem Mann im Höllen- oder Fegefeuer einen Rosenkranz und einen
sog. „kleines Skapulier“, ein heute kaum noch gekanntes Stoff-Medaillon.
Die Skapuliere waren u.a. gedacht als Schutz gegen einen plötzlichen
Tod, der dem Menschen die Chance notwendiger Umkehr und Sündenreue
nimmt. Die Skapulier-Frömmigkeit wurde vor allem karmelitanischen Umfeld
gepflegt, ist aber auch weit darüber hinaus in der Volksfrömmigkeit
verbreitet gewesen.
Auf
dem Zwickel links des Schildes ist oben eine (gekrönte?) Gestalt zu
erkennen, die die Gerichtswaage und einen Schild hält. Das
eingeschriebene breite Kreuz dieses Schildes hat große Ähnlichkeit mit
dem großen Buchstabenschild. Darunter liegt ein nackter Betender. Ich
deute ihn als Sterbenden. Benedikt wird u.a. als Patron für einen guten
Tod angerufen. Unter dem Lager ist ein Drache / Greif zu erkennen, der
mit offenem Schnabel nach dem Menschen auf seinem Lager zu fassen
versucht.
Die
Benedikt-Seite der Medaille kann durchaus als eine Predigt gedeutet
werden. Gleichzeitig bezeugen die Skapulier-Darstellung und der kleine
Benediktsschild in der Gerichtsszene, dass die Medaille an sich als
Amulett für ein gutes Sterben gedacht war und als solches verteilt,
mitgenommen und getragen wurde. Gegen alle mögliche kritische Deutung
eines solchen Verständnisses verdient die Volksfrömmigkeit Respekt für
solchen Glauben und solches Verständnis.
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