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Hl.
Benedikt, Kloster Irsee |
Christus Abbas
Impulsansprache bei der Installierung von Abt Raphael Bahrs
als Abt von Siegburg, 5. Oktober 2003
Aus der Benediktregel: Der Abt (RB 2):
1.Der Abt, der würdig ist, einem Kloster vorzustehen, muss
immer bedenken, wie man ihn anredet, und er verwirkliche durch
sein Tun, was diese Anrede für einen Oberen bedeutet. 2.Der
Glaube sagt ja: Er vertritt im Kloster die Stelle Christi; wird er
doch mit dessen Namen angeredet 3.nach dem Wort des Apostels:
"Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den
Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!"
Lieber Abt Raphael!
Mehr als einmal wird dir in Zukunft die Frage
begegnen, wie man einen Abt eigentlich korrekt anredet. Es ist für
die Leute außerhalb des Klosters vor allem eine protokollarische
Frage, aber die Frage sollte auf keinen Fall auf dieses
protokollarische Niveau reduziert werden. In der Regel Benedikts
ist die Anrede des Abtes eine Theologie und Amtsbeschreibung in
Kurzform. |
| Weit verbreitet ist in
Deutschlands Klöster die Anrede „Vater Abt“. Kornelimünster
und Siegburg haben den Brauch tradiert, den Abt als „Herr Abt“
anzureden. „Vater Abt“ klingt warm und vertrauensfördernd, -
für einen Außenstehenden vielleicht schon allzu vertraulich.
„Herr Abt“ klingt bürgerlich normal - ... wenn ein Außenstehender
es aber als Anrede innerhalb der Mönchsgemeinschaft hört, arg
distanziert, - ja, kühl.
„Abt“ heißt übersetzt „Vater“.
„Vater Abt“ wäre demnach zu übersetzen mit „Vater
Vater“. So seltsam diese Doppelung scheinen mag, so intensiv rückt
sie den Vater-Gedanken in den Blick und all jene Vorstellungen,
die etwa vergangene Zeiten und wir selbst heute von einem Vater
haben. Der römische „paterfamilias“, der dem weitgefächerten
Hausstand und einer großen Klientel von Menschen im Umfeld
vorstand, - der fürstliche Landesvater, der huldvoll sich den
Untertanen zuneigt und sie väterlich regiert, - der dem Alltag
und seinen Alltäglichkeiten enthobene und vor ihnen von der
treusorgenden Gemahlin zu schützende viktorianische Hausherr und
-vater, - der zärtliche und gefühlswarme „Kuschelbär“
seiner Kinder heute, - ... alles Mögliche, - Ersehntes und auch
gar Schröckliches – kann sich in das Vater-Wort einbergen. Auch
unsere Zeit braucht Väter, - und die Abtei Siegburg braucht dich,
Abt Raphael, als Vater. Welchem Vater-Bild sollst du nun aber
folgen? Wie sollst du Abt sein? Als Kind unserer Welt wirst du das
eine oder andere Element der weltlichen Väter-Wirklichkeiten in
dir haben. Prägend sollte für dich als Abt aber etwas ganz
anderes werden.
Die Regel Benedikts zeigt dir eine Leitbild des
Vater-Seins, das den Nicht-Mönch wahrscheinlich ziemlich überrascht,
das aber auch uns Mönchen, denen es vertraut ist, immer wieder
neu ins Bewusstsein zu rufen ist. Die Regel folgt nicht irdischen,
aus der Biologie oder Familiensoziologie abgeleiteten
Vaterbildern. Sie stellt den Mönchen C h r i s t u s
vor Augen, wenn sie vom Vater der Klostergemeinschaft
spricht. Das Vater-Wort „Abt“ ist ein Christus-Name. Als Abt
sollst du deiner Gemeinschaft nicht einfach ein großartiger,
vielleicht sogar idealer Vater im irdischen Sinn sein, sondern ein
Christus-Zeuge. Die Christus-Aufgabe, Lehrer der Gottes-Botschaft
und Hirte der Herde Gottes zu sein, ist dir für deine Brüder
anvertraut.
Vom Abt ist zunächst seine eigene Lebenshinkehr
auf diesen Christus gefordert, denn nur ein authentisches
Christus-Leben wird seine Christus-Lehre authentisch sein lassen.
Du, Abt Raphael, bist darum gerufen, mehr und mehr Christus in dir
selbst zu verwirklichen, damit du deinen Mönchen ein
Lehr-Meister, ein Abbas wirst, an dem sie abbuchstabieren können,
wie Mönch- und Christsein geht. Dann wirst du jederzeit und am
Ende aller Zeit voll Gelassenheit der Rechenschaft über deine
Amtsführung entgegensehen können.
Gott schenke dir den Lernmut des Abt-Werdens,
die Demut des Abt-Seins und den Hoch-Mut des Glaubens!
Abt Albert Altenähr OSB
031002 |