Ent - scheidung
Ansprache zur Einkleidung von Frater Jonas (Martin), 11.
Januar 2004
Epheser
6,11 Zieht die Rüstung
Gottes an, ... 13 Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag
des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt.
14 Seid also standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die
Gerechtigkeit an 15 und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium
vom Frieden zu kämpfen. 16 Vor allem greift zum Schild des Glaubens!
Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. 17
Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort
Gottes. 18 Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im
Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen. (Vgl. auch
1 Thess5,8)
Regel
Benedikts, Prolog
3: An dich also richte ich jetzt mein Wort, wer immer du bist,
wenn du nur dem Eigenwillen widersagst, für Christus, den Herrn und
wahren König, kämpfen willst und den starken und glänzenden Schild
des Gehorsams ergreifst
Liebe Mitbrüder,
lieber Martin!
Die Botschaft vom Frieden hat sich tief in das
Bewusstsein unseres Glaubens eingeprägt. Die adventlichen Visionen des
Jesaja lassen Löwe und Rind nebeneinander weiden, - das Kind am
Schlupfloch der Viper spielen. Der verheißene Gottesbote darf den Titel
„Friedensfürst“ in Anspruch nehmen. Bei seiner Geburt singt der
Engelchor „Friede auf Erden.“ Und unser Orden scheut sich nicht, in
seinem Wappen die „Pax“ als Motto integriert zu haben.
Die Auswahl der Lesung aus dem Epheserbrief in dieser
Stunde Ihrer Einkleidung, lieber Martin, muss dennoch nicht überraschen,
- sie ist immerhin ein biblischer Text und auch Benedikt selbst zögert
nicht, davon zu sprechen, dass der Mönch für Christus, den Herrn und
wahren König kämpft und darum den starken und glänzenden Schild des
Gehorsams ergreift . Im Noviziat – und letzten Endes endet das erst
mit dem letzten Atemzug auf Erden – geht es um Aus- und Zurüstung zum
Kampf. Benedikt ist es in jedem Atemzug seiner Regel wichtig
klarzustellen, dass der Mönchsweg kein netter Sonntagsspaziergang ist,
sondern eine Herausforderung, die sich den Schwierigkeiten stellt und
mit ihnen auseinandersetzt.
Das Mönchtum ist eine Spezialeinheit in der Truppe
des Herrn. Ich möchte ihr Motto an dieser Stelle einmal so formulieren:
„Entscheide dich! Lebe entschieden!“
- ... Und selbstverständlich möchte ich das Wort deuten, - auf
meine Art.
Die Scheide ist eine Schutzhülle für ein Schwert, -
für einen Dolch. Wir gebrauchen das Wort „entscheiden“ zwar nicht
so, aber, wenn man das Schwert aus der Scheide zieht ..., - ist das
nicht „ent – scheiden“? Wir sagen: „Ich entscheide mich.
Heißt das in der angedeuteten Interpretation dann nicht: Ich verlasse
meinen schützenden Bereich – die Scheide – und bin kampfbereit?
Wenn Sie „ent – schieden“ leben, dann werden Sie auf Widerspruch
und Widerstand stoßen. Dann sind Sie gerufen, Ihre Entscheidung zu
vertreten und zu verteidigen. Die Entscheidung ist Ihr Kampffeld und
Kampfauftrag.
Wichtig ist nicht, dass Sie
irgendwelche
Entscheidungen treffen, sondern dass Sie sich
entscheiden. Sie selbst müssen sich aus den Schutzhüllen
heraustrauen, ... ent – scheiden. Nur so werden Sie zum Leben finden,
für das Sie von Gott gedacht sind. So werden Sie Profil finden, an dem
andere sich reiben und verletzen und das sie selbst (an-)greifbar und
verletzlich macht. In dieser Auseinandersetzung werden sie gewinnen, -
gewinnen an Profil.
Das Schwert in der Scheide ist zweifellos sehr
dekorativ, aber zur Dekoration sind Schwerter nicht gemacht.
Ordensleute, - ihre Gelübde, - ihre Nützlichkeit, - ihr Gewand haben
in der Kirche immer noch einen beachtlichen Imagewert, aber dazu sind
sie nicht gedacht. Entscheidend ist, dass Sie s i c
h ent - scheiden und G o t t ent – schieden
leben.
Abt Albert
Altenähr OSB
040111
Bild: Reichsschwert
|