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Höre – und du kommst an
Zur "Linie" der Benediktsregel
Zwischen
diesen beiden Worten entfaltet sich die Regel Benedikts. Zwischen ihnen
liegen die Schritte eines langen Weges. An Zahl sind es 72 Schritte-
oder Regelkapitel, - die Zahl der Jünger, die Jesus zu zweit auf den Weg
schickt, - sechsmal die Zahl der Apostel. Es ist eine Zahl einer
unzähligen Vielzahl, die schließlich zu dem Einen hinführt, das und den
der Mönch von Anfang an ersehnt hat.
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„Höre,
mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines
Herzens“ (RB, Prolog 1).
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„So
wirst du schließlich unter dem Schutz Gottes zu den Höhen der Lehre
und der Tugend gelangen“ (RB 73,9).
Benedikt malt als
Sehnsuchtsperspektive des Lebens … das Leben. Er greift damit auf eine
Ursehnsucht des Menschen zurück: Leben. Der Mensch möchte nicht nur
„leben“, sondern „wirklich leben“. Benedikts Regel fragt danach, was
Leben ist. Sie gibt seine Antwort und zeigt den Weg dahin. Das rundum
erfüllte Leben des Menschen ist nach Benedikt die Zusage Gottes als des
„Ich bin da“. Der Weg dahin ist ein „geregeltes“ Leben, d.h. ein Leben,
das dem Ziel gemäß ist. Das führt Benedikt dazu, seine Regel zu
schreiben. Sie ist kein Rezept, sondern ein Erfahrungsbericht, der zum
eigenen Schritteversuch einlädt.
Gott, der „Ich bin da“,
ist das Maß, dem der Mönch sein Leben unterwirft, - an dem er sich
ausrichtet, - auf den er sich hinrichtet. RB Prolog 15-20:
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"Wer ist der Mensch, der das
Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?"
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Wenn du das hörst und antwortest:
"Ich", dann sagt Gott zu dir:
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"Willst du wahres und
unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem und
deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute;
suche Frieden und jage ihm nach!
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Wenn ihr das tut, blicken meine
Augen auf euch, und meine Ohren hören auf eure Gebete; und noch
bevor ihr zu mir ruft, sage ich euch: Seht, ich bin da."
-
Liebe Brüder, was kann beglückender
für uns sein als dieses Wort des Herrn, der uns einlädt?
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Seht, in seiner Güte zeigt uns der
Herr den Weg des Lebens.
Vielfach wird das Leben
in der Gegenwart Gottes als eine moralische Tat des Menschen verstanden.
Der Mensch macht sich auf, in der Gegenwart Gottes zu leben. Bei dieser
Sichtweise wird leicht übersehen, dass die Gegenwart Gottes nicht vom
Mensch abhängt. Der Mensch macht nicht die Gottesgegenwart. Sie ist
gegebenes Geschenk, das vor dem Tun des Menschen liegt. Der Mönch sucht
sie überall wahrzunehmen und sein Leben von dieser Vorgegebenheit her
und auf diese Zielvorgabe hin zu verstehen und zu gestalten.
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„… ob er wirklich Gott sucht“ (RB
58,7)
„Ich bin da.“
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„Überall ist Gott gegenwärtig, so
glauben wir, und die Augen des Herrn schauen an jedem Ort auf Gute
und Böse.
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Das wollen wir ohne Zweifel ganz
besonders dann glauben, wenn wir Gottesdienst feiern“ (RB 19,1f).
„Ich bin da.“
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„…damit in allem Gott verherrlicht
werde“ (RB 57,9).
„Ich bin da.“
Der Epilog, das 73.
Kapitel der Regel, ist geprägt von der dynamischen und Richtung
weisenden Präposition „ad“. Der Mönch, der nach Benedikts Regel lebt,
ist unterwegs „zu …“. Er zielt „auf…“. Er strebt „nach …“
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„ad celsitudinem – zum Gipfel“ (RB
73,2)
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„ad creatorem – zum Schöpfer“ (RB
73,4)
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„ad patriam – zur Heimat“ (RB 73,8)
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„ad culmina – zu den Höhen“ (RB
73,9)
Das
Kapitel verwendet zweimal das Adjektiv „rectus = richtig, zuverlässig“.
Die Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testamentes versteht
Benedikt als „rectissima norma – als ganz zuverlässige Weisung“ des
menschlichen Lebens. Die Schriften der Väter führen „recto cursu –
geradewegs“ zum Schöpfer. Da zum Wortfeld des Adjektivs „rectus“ das
Verb „regere = lenken, leiten, regieren“ und das Substantiv „rex =
König“ gehören, sei es erlaubt, Benedikts Regel als „Königsweg“ des
Lebens zu verstehen.
Vielleicht darf man als
Benedikts Maxime auch formulieren: Glaube an das Ganze und erkenne es im
Fragment! Oder: Tu den nächsten kleinen Schritt, aber verlier das Ziel
nicht aus den Augen.
Benedikt wirbt mit
seiner Regel um die Menschen. Seine Argumente sind nicht theoretischer
Art. Seine Argumente sind letztlich „nur“ er selbst und sein Zeugnis.
Sein Argument sind auch
die Mönche, die seiner Wegweisung folgen. Sie sind es, … oder – was Gott
verhüte – sie sind es nicht.
090210
P. Albert Altenähr
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