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„...
auf Seinen heiligen Berg
...!“
Ansprache bei der Oblationsfeier am 8. Januar 2005
Aus
dem Prolog der Regel Benedikts
23
Fragen wir mit
dem Propheten den Herrn: "Herr, wer darf wohnen in deinem Zelt, wer
darf weilen auf deinem heiligen Berg?"
24
Hören wir, Brüder, was der Herr auf diese Frage antwortet und
wie er uns den Weg zu seinem Zelt weist:
25
"Der makellos lebt und das Rechte tut;
26
der von Herzen die Wahrheit sagt und mit seiner Zunge nicht
verleumdet;
27
der seinem Freund nichts Böses antut und seinen Nächsten nicht
schmäht;
28
der den arglistigen Teufel, der ihm etwas einflüstert, samt
seiner Einflüsterung vom Auge seines Herzens wegstößt, ihn zunichte
macht, seine Gedankenbrut packt und sie an Christus zerschmettert."
29
Diese Menschen fürchten den Herrn und werden wegen ihrer Treue
im Guten nicht überheblich; sie wissen vielmehr, dass das Gute in ihnen
nicht durch eigenes Können, sondern durch den Herrn geschieht.
30
Sie lobpreisen den Herrn, der in ihnen wirkt, und sagen mit dem
Propheten: "Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinen Namen
bring zu Ehren."
31
Auch der Apostel Paulus hat nichts von seiner Verkündigung als
Verdienst angesehen, sagt er doch: "Durch Gottes Gnade bin ich, was
ich bin."
32
Und er sagt auch: "Wer sich rühmen will, der rühme sich im
Herrn."
33
Schließlich sagt der Herr im Evangelium: "Wer diese meine
Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus
auf Fels gebaut hat.
34
Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten,
als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht
ein; denn es war auf Fels gebaut."
Liebe Mitbrüder, liebe Oblaten und
Freunde!
Wir begehen diese Feier der Oblation und der Aufnahme
in den Kandidatenkreis der Oblaten am Vorabend des Festes der Taufe
Jesu. Jesu Tauffest ist ein Deutungsfest für unsere eigene Taufe und für
unser Leben als Christen. Es ist eine in der Buntheit des Wortes
„himmlische“ Botschaft, die Jesus und wir vernehmen: „Dies ist
bzw. du bist mein/e geliebte/r Sohn/Tochter.“ Über uns ist der Himmel
der Liebe geöffnet. Das ist die umfassende Grundbotschaft der
biblischen Tradition. Es ist die grundgute Botschaft, die Grundstock und
Grundlage für das Gelingen christlichen Lebens ist. Dass wir im Rahmen
dieses Festes die Oblationsfeier begehen, ist ein Hinweis darauf, dass
im Geist Benedikts leben bedeutet, die Taufe zu entfalten.
Der heilige Benedikt entwickelt sein Lebens- und Regel-Alphabet aus der
Tradition der Taufkatechesen seiner Zeit. Der Psalm 15, den er im oben
angeführten Abschnitt des Prologs in den Versen 23-28 zitiert, gehört
zum festen Bestand dieser alten Taufunterweisungen. Fast möchte man
nach der Lektüre von Psalm 15 enttäuscht fragen: ist das alles, was
Christsein ausmacht: ... die Wahrheit sagen, ...nicht verleumden, ...
nichts Böses tun, ... den Nächsten nicht schmähen? Sicher umfasst
christliches Leben mehr als eine Allerweltsmoral, aber vielleicht sollte
man sich sehr bewusst sein, dass man auch als Christ und auch als
bewusst lebender Christ – als Oblate und Ordensmann – in der
Grundschule und nicht mit dem Meisterkurs beginnen sollte. Und der
Meister wird bescheiden genug sein, die Grundübungen nicht zu vernachlässigen.
Diese Treue im kleinen Alltäglichen ließ ihn reifen. Darin unterscheidet
er sich vom pubertierenden Möchte-gern-Mystiker, der die Qualität
seines Christseins an den Fiebervisionen schneller und großer
Erleuchtungen misst.
Benedikts Christenweg ist der einer Durchalphabetisierung des tagtäglichen
Lebens mit der Botschaft des Evangeliums. Christ-, Oblate-, Mönchsein
ist B o d e n k u l t u r ,
nicht Drahtseilakrobatik. Am Ende des obigen Regelabschnitts wird uns
das F u n d a m e n t für ein sturmfestes Lebenshaus ans Herz gelegt. Daran
werkelt sich der Christ, der Oblate, der Mönch ein Leben lang ab. Das
Fundament sind Jesu Weisungen, - ist er selbst, - das Wort, das Fleisch
geworden ist.
Wenn Sie hellhörig waren (und bibelfest sind), dann haben Sie in den
Versen 33-34 des Regelabschnitts die Schlussverse der Bergpredigt
erkannt (Mt 7,24f). Der Festkranz über dem zu bauenden Haus sind die
Eingangsverse dieser Predigt Jesu: die acht Seligkeiten (Mt 5,3-11). Sie
sind das Z i e l g e s c h
e n k , das uns vor- und
vorausschwebt und in den erdigen Alltagen die Traumkraft und
Herausforderung der Perspektive verleiht.
Abt Albert
Altenähr OSB
050104 Foto:
Die Eingangsworte der Benedikt-Regel
"Höre, mein Sohn, die Weisung des Meisters"
im Regel-Buch der Benedikt-Statue
im Kornelimünsteraner Kreuzgang Über
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