Textauswahl

Benediktinisches
Ritter und Mönch

Sinfonia Benedetiina

Vom Zauber des Hörens

Mönche - Aphorismen

Brief des heiligen Benedikt

Höre die Weisung

Immer neu anfangen

ora et labora - Nutzen für alle

Oblationsfeier 9.1.2010

Chorgebet u. Choralgesang

Ulrichs- und Benediktuskreuz

Die Stimme der Herrn, der uns einlädt

Christi Liebe nichts vorziehen

Benedikt XVI. über Benedikt

Hören - ankommen

stabilitas und Gottsuche

Die Benediktus-Medaille
des Klosters Weingarten

Kloster ist wie Golf

Hier bin ich

Verabschiedung von
Abt Albert

Die Quelle

Mit geistlicher Freude Ostern

Moritat vom verlorenen Heiligenschein - Demut

Neige dein Ohr - RB Prol 1

nie alles gleichzeitig

Im Alltag Gott

Mönchtum für die Kirche

auf Seinen heiligen Berg

Gott suchen - ihm nach-
gehen wie ein Späher

Das Ohr des Herzens

Gehorsam

Klösterlicher Lebenswandel

Ent-scheidung
Einkleidung am 11.1.2004

Christus Abbas

opprobia - zu RB 58,7

Christus nichts vorziehen

An einen jungen Dichter

Suche mehr, als du suchst!

Benedikt kurzgefasst

Lectio meditatio oratio

Der Gast und das Schweigen im Kloster

Demut RB 7
 

"In Klausur gehen..."
 

Ora et Labora
Prüfe und handle

Ein Gott der Überraschungen

Unterwegs zum Menschsein


Die Benedikt-Medaille
Crux S. Patris Benedicti

Stabilitas

Benediktsregel cap. 58
Weite der Grenze
Investitionsbereitschaft
Magnetfeld des Lebens

Kirchenjahr / Feste

Gedanken zu
Psalmen

Anfänge

weitere Texte

 

 

Im Alltag Gott
Ansprache bei der Feier eines Oblationsversprechens, 7. Januar 2006



Man achte genau darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen. 
Offen rede man mit ihm über alles Harte und Schwere auf dem Weg zu Gott. 
Wenn er verspricht, beharrlich bei seiner Beständigkeit zu bleiben, lese man ihm nach Ablauf von zwei Monaten diese Regel von Anfang bis Ende vor 
und sage ihm: Siehe das Gesetz, unter dem du dienen willst; wenn du es beobachten kannst, tritt ein, wenn du es aber nicht kannst, geh in Freiheit fort.

RB 58,7-10


Liebe Mitbrüder, liebe Oblaten!

Es ist immer wieder gut, sich der eigenen Anfänge bewusst zu werden. Die Aufnahme in das Probejahr der Oblaten und das Versprechen der Oblation können uns Mönchen und Ihnen, den Oblaten, eine Feier der Erinnerung an unseren benediktinischen Anfang sein.

Ob er wirklich Gott sucht, … ob er dran bleibt, auch wo es schwer ist, … ob er es in der Konkretion einer bestimmten Form zu tun bereit ist – kurz gesagt: ob er „wirklich“ werden will und: ob er wirklich „werden“ will.

Eines der Merkmale unserer Zeit ist das Verlangen nach der schnellen Befriedigung. Ob die Befriedigung den Frieden bringt, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es schnell geht und mit möglichst wenig Einsatz verbunden ist. Versprechen gelten, solange sie gelten, - Bindungen, solange sie mir etwas geben, - Verpflichtungen, sofern ich mir hier dieses und dort jenes heraussuchen darf. Der Angebotsreichtum verführt zum Versuchen von allem Möglichen und zum schnellen Wechsel von diesem zu jenem. Das Leben wird zu einem Patchwork-Ensemble, zu einem Flickenteppich ohne klares Design, ohne eine innere Mitte.

Benedikt gibt uns die Botschaft mit: Das Leben ist in all seiner Buntheit geprägt von dem, von dem es herkommt, dem Schöpfer, - von dem, der es erlöst hat, Jesus Christus, - und von dem er es erfüllt, dem wiederkommenden Sohn, dem Vater und dem Geist. Jesus Christus ist die Mitte des Lebens. Er hat die Priorität. Benedikt buchstabiert das hinein in die Liebe zur Heiligen Schrift, zum Gottesdienst, zum Gehorsam gegenüber dem Abt, zur Gemeinschaft. Liebe Mitbrüder, liebe Oblaten, schwadronieren wir nicht großes Benediktinertum! Leben wir die Bescheidenheit der Buchstaben und des Buchstabierens.

Benedikt ist ehrlich und mutig genug zu sagen, dass Christ-Sein immer ein Prozess ist. Er spricht von einem Weg, der nicht voller vergnüglicher Kurzweil ist, sondern der hart und schwer ist und auf dem so mancher Schritt scheinbar lange Weile dauert. Man braucht einen langen Atem und das heißt auch ganz einfach Geduld mit sich selbst und Treue auch dort und dann, wenn sich scheinbar nichts an himmlischer Erleuchtung tut. Es gilt, im Alltag das Wunder zu entdecken und das Wunder des Alltags zu glauben. Unser Gott ist ein sehr „alltäglicher“ Gott. Er ist in den Alltag des Menschseins herabgestiegen.

Gregor d.Gr. nennt Benedikt in seiner Vita immer einen „Mann Gottes“. Darin drückt er aus, dass Benedikt von Gott her und auf Gott hin lebte, - dass er mit Gott lebte. In diesem Spannungshorizont wurde Benedikt wirklich er selbst. Der Gehorsam Gott gegenüber und das Hineinlauschen in den Alltag und seine alltäglichen Anforderungen engte ihn nicht ein. Im Gegenteil: die Enge des Alltags weitete sich ihm zum Ort der Begegnung mit Gott, dem Grenzenlosen.

Liebe Oblaten, liebe Mitbrüder, suchen wir Gott nicht im Traum- und Idealland Irgendwo, das nirgendwo zu finden ist. Leben wir das so gar nicht Besondere unserer Alltage. Dort will uns Gott begegnen. Dort wird er uns begegnen, wenn wir bereit sind, ihn da in unsere Rechnung aufzunehmen.

Das ist der Weg und das Ziel, zu denen wir uns mit unseren Mönchsgelübden und dem Oblationsversprechen bekennen.


Abt Albert Altenähr OSB
060104

Foto: Benediktsmedaille. Zur Oblation überreichen wir den neuen Oblaten eine solche Medaille.

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