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Im Alltag Gott
Ansprache bei der Feier eines Oblationsversprechens, 7.
Januar 2006
Man achte genau darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er
Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er
fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen.
Offen rede man mit ihm über alles Harte und Schwere auf dem Weg zu
Gott.
Wenn er verspricht, beharrlich bei seiner Beständigkeit zu bleiben, lese
man ihm nach Ablauf von zwei Monaten diese Regel von Anfang bis Ende
vor
und sage ihm: Siehe das Gesetz, unter dem du dienen willst; wenn du es
beobachten kannst, tritt ein, wenn du es aber nicht kannst, geh in
Freiheit fort.
RB 58,7-10
Liebe Mitbrüder, liebe Oblaten!
Es ist immer wieder gut, sich der eigenen Anfänge bewusst zu werden. Die
Aufnahme in das Probejahr der Oblaten und das Versprechen der Oblation
können uns Mönchen und Ihnen, den Oblaten, eine Feier der Erinnerung an
unseren benediktinischen Anfang sein.
Ob er wirklich Gott sucht, … ob er dran bleibt, auch wo es schwer ist, …
ob er es in der Konkretion einer bestimmten Form zu tun bereit ist –
kurz gesagt: ob er „wirklich“ werden will und: ob er wirklich „werden“
will.
Eines der Merkmale unserer Zeit ist das Verlangen nach der schnellen
Befriedigung. Ob die Befriedigung den Frieden bringt, ist nicht so
wichtig. Wichtig ist, dass es schnell geht und mit möglichst wenig
Einsatz verbunden ist. Versprechen gelten, solange sie gelten, -
Bindungen, solange sie mir etwas geben, - Verpflichtungen, sofern ich
mir hier dieses und dort jenes heraussuchen darf. Der Angebotsreichtum
verführt zum Versuchen von allem Möglichen und zum schnellen Wechsel von
diesem zu jenem. Das Leben wird zu einem Patchwork-Ensemble, zu einem
Flickenteppich ohne klares Design, ohne eine innere Mitte.
Benedikt gibt uns die Botschaft mit: Das Leben ist in all seiner
Buntheit geprägt von dem, von dem es herkommt, dem Schöpfer, - von dem,
der es erlöst hat, Jesus Christus, - und von dem er es erfüllt, dem
wiederkommenden Sohn, dem Vater und dem Geist. Jesus Christus ist die
Mitte des Lebens. Er hat die Priorität. Benedikt buchstabiert das hinein
in die Liebe zur Heiligen Schrift, zum Gottesdienst, zum Gehorsam
gegenüber dem Abt, zur Gemeinschaft. Liebe Mitbrüder, liebe Oblaten,
schwadronieren wir nicht großes Benediktinertum! Leben wir die
Bescheidenheit der Buchstaben und des Buchstabierens.
Benedikt ist ehrlich und mutig genug zu sagen, dass Christ-Sein immer
ein Prozess ist. Er spricht von einem Weg, der nicht voller
vergnüglicher Kurzweil ist, sondern der hart und schwer ist und auf dem
so mancher Schritt scheinbar lange Weile dauert. Man braucht einen
langen Atem und das heißt auch ganz einfach Geduld mit sich selbst und
Treue auch dort und dann, wenn sich scheinbar nichts an himmlischer
Erleuchtung tut. Es gilt, im Alltag das Wunder zu entdecken und das
Wunder des Alltags zu glauben. Unser Gott ist ein sehr „alltäglicher“
Gott. Er ist in den Alltag des Menschseins herabgestiegen.
Gregor d.Gr. nennt Benedikt in seiner Vita immer einen „Mann Gottes“.
Darin drückt er aus, dass Benedikt von Gott her und auf Gott hin lebte,
- dass er mit Gott lebte. In diesem Spannungshorizont wurde Benedikt
wirklich er selbst. Der Gehorsam Gott gegenüber und das Hineinlauschen
in den Alltag und seine alltäglichen Anforderungen engte ihn nicht ein.
Im Gegenteil: die Enge des Alltags weitete sich ihm zum Ort der
Begegnung mit Gott, dem Grenzenlosen.
Liebe Oblaten, liebe Mitbrüder, suchen wir Gott nicht im Traum- und
Idealland Irgendwo, das nirgendwo zu finden ist. Leben wir das so gar
nicht Besondere unserer Alltage. Dort will uns Gott begegnen. Dort wird
er uns begegnen, wenn wir bereit sind, ihn da in unsere Rechnung
aufzunehmen.
Das ist der Weg und das Ziel, zu denen wir uns mit unseren
Mönchsgelübden und dem Oblationsversprechen bekennen.
Abt Albert Altenähr OSB
060104
Foto:
Benediktsmedaille. Zur Oblation überreichen wir
den neuen Oblaten eine solche Medaille. |
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