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Ora et labora - Prüfe und handle
Über
den neuen Weltmeister im Hochsprung, Martin Buß, las ich in der F.A.Z.
(10.08.01), dass er im Frühjahr 2000 in einer Krise steckte: Er horchte
so lange in sich hinein, bis er vor lauter imaginären Beschwerden nicht
mehr hoch genug springen konnte. - ... bis der richtige Arzt kam und ihm
sagte: Die Krankheit heißt Martin Buß. Er war kuriert. Plötzlich ging
alles wieder, was vorher so gründlich misslungen war.
Die
Krankheit ist mir nicht unbekannt, weder theoretisch noch persönlich.
Leichter kann ich sie bei anderen diagnostizieren als bei mir selbst.
Bekannt ist sie mir mit dem Sprichwort: Wenn du vor lauter Problemen
keinen Weg mehr siehst, frage dich, ob du nicht selbst das Problem bist.
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Das
benediktinische Motto-Wort Bete und arbeite kündet von einem
Rhythmus, aus dem heraus Leben gelingen kann. Es spricht von einem
Spannungsbogen, der beides kennt: Die Anspannung und die Entspannung.
Zugleich lädt das Motto ein, den Spannungsrythmus als wirklichen
Rhythmus zu leben. Es ist nicht gut, bis zum Geht-nicht-Mehr der Erschöpfung
die Anspannung zu praktizieren, um dann weil nichts mehr geht
die Entspannung zu suchen. Wer erschöpft ist, wird sich nicht
entspannen können. Er ist erschlafft, - hängt durch und herum. Erschöpfung
ist nicht schöpferisch, - Entspannung dagegen sehr.
Bete!
... das ist Einladung zur Enspannung und in sich hineinzuhören. Es
ist darüber hinaus Einladung, über das eigene Ich hinauszuhören. Es
ist Wegweiser zu einem Turm, von dem aus ein Überblick über das
Geschehen in der Ebene gewonnen werden kann. Es ist Mahnung, immer
wieder einmal beiseite zu treten, um nicht im Abseits der Oberflächlichkeiten
zu enden. Der alte griechische Philosoph und Naturwissenschaftler
Archimedes formulierte des Hebelgesetz der Physik in dieser Perspektive:
Gib mir einen Ort außerhalb der
Welt und ich kann die Welt bewegen. Wer in seiner Arbeit aufgeht, sollte
die Gefahr nicht unterschätzen, in ihr unterzugehen.
Arbeite!
... das ist Einladung, den Bogen wieder zu spannen. Es weist uns
darauf hin, dass wir noch nicht im Himmel sind, - dass die Erde unser
Arbeitsfeld ist, - dass wir nicht reiner Geist sind. Das Reich Gottes
ist reine Schau, - reines Hören, - erfülltes Staunen. Wir aber sind
auf dem Weg. Nur wer wandert/wandelt, wandelt sich. Wer sitzen bleibt,
um nur noch zu hören, bleibt sitzen. Er verliert sich in sich selbst.
Tu darum den entscheidenden ersten Schritt, das Gehörte zu leben. dann
einen weiteren, - einen dritten usw. Lass keinen aus. Aber vor allem: tu
den Schritt, der jetzt dran
ist. Verschieb ihn nicht auf morgen. Nur so kommst du weiter. ... und du
wirst Unerhörtes erleben.
Abt Albert Altenähr OSB
010810
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