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Benediktinisches
Ritter und Mönch

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Höre die Weisung

Immer neu anfangen

ora et labora - Nutzen für alle

Oblationsfeier 9.1.2010

Chorgebet u. Choralgesang

Ulrichs- und Benediktuskreuz

Die Stimme der Herrn, der uns einlädt

Christi Liebe nichts vorziehen

Benedikt XVI. über Benedikt

Hören - ankommen

stabilitas und Gottsuche

Die Benediktus-Medaille
des Klosters Weingarten

Kloster ist wie Golf

Hier bin ich

Verabschiedung von
Abt Albert

Die Quelle

Mit geistlicher Freude Ostern

Moritat vom verlorenen Heiligenschein - Demut

Neige dein Ohr - RB Prol 1

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Im Alltag Gott

Mönchtum für die Kirche

auf Seinen heiligen Berg

Gott suchen - ihm nach-
gehen wie ein Späher

Das Ohr des Herzens

Gehorsam

Klösterlicher Lebenswandel

Ent-scheidung
Einkleidung am 11.1.2004

Christus Abbas

opprobia - zu RB 58,7

Christus nichts vorziehen

An einen jungen Dichter

Suche mehr, als du suchst!

Benedikt kurzgefasst

Lectio meditatio oratio

Der Gast und das Schweigen im Kloster

Demut RB 7
 

"In Klausur gehen..."
 

Ora et Labora
Prüfe und handle

Ein Gott der Überraschungen

Unterwegs zum Menschsein


Die Benedikt-Medaille
Crux S. Patris Benedicti

Stabilitas

Benediktsregel cap. 58
Weite der Grenze
Investitionsbereitschaft
Magnetfeld des Lebens

Kirchenjahr / Feste

Gedanken zu
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Der Gast und das Schweigen des Klosters

Zu den Charakteristika der Benediktinerklöster, - ja, zu ihren Propria - gehört in der landläufigen Meinung die Gastfreundschaft. Und tatsächlich hat sie nicht nur in der Tradition, sondern auch in der Regel – in ihrem 53. Kapitel – ein solides Fundament. Gastfreundschaft gehört zum Selbstverständnis und zu den Selbstverständlichkeiten eines benediktinischen Klosters. Die Ausformung der Gastfreundschaft ist im Lauf der Jahrhunderte viele Wege gegangen: die Liturgie, Wallfahrten zum Klosterheiligen, Gastaufnahme in der Klausur, Armenbetreuung an der Pforte, Besinnungshäuser, Schulen bis hin zur Klosterschänke mit Biergarten. Vieles ist aus der Wurzel gewachsen. Nicht mehr alles wird auf seine Wurzelbeziehung befragt. Manches folgt mehr den Fragen nach der Wirtschaftlichkeit oder denen der Personalressourcen.

Kornelimünster hat für sich formuliert „Unser pastorales Aufgabenfeld ist die Gastfreundschaft. Sie will die Offenheit Gottes für den Menschen und sein Suchen widerspiegeln. Wir verstehen unser Kloster als ein ‚Haus der Glaubensbegegnung’, wo Menschen sich ihrem Suchen öffnen und in der Begegnung mit uns Anregungen für ihr Fragen finden können.“[1] Ein Kloster, das nicht einen wie auch immer gearteten „Gästebetrieb“  h a b e n  will, sondern als ganzes ein gastfreundliches Haus  s e i n  will, lässt sich auf das Experiment einer Gratwanderung von Nähe und Distanz ein, die nie ein für allemal definiert ist, sondern stets neu erobert werden muss. Wie weit lassen wir Gäste wirklich „in das Kloster“ hinein? Wie weit gehen wir auf sie zu? Was dürfen sie von uns erwarten? Was erwarten wir von ihnen? Was müssen wir als Gemeinschaft sowohl nach innen in die Gemeinschaft hinein als auch nach außen gegenüber den Gästen tun, damit gewährleistet ist, dass sie „unsere“ Gäste und nicht die des Gastmeisters oder des jeweiligen Gastbetriebes sind?

So leicht diese und sicher noch viele weitere Fragen zu stellen sind, so schwer sind sie zu beantworten. Und so weit sie in organisatorische Bereiche hineinreichen, so wenig sind es rein organisatorische Fragen. Es sind Fragen nach der Gastfreundschaft an sich und erst in zweiter Linie Fragen nach ihrer Organisation.

In allem Fragen ist zudem zu beachten, dass es nicht reicht, eine Richtung und das Ziel allgemein festzulegen. Jeder einzelne in der Gemeinschaft ist gerufen, die Grundlinie zu internalisieren und sie in konkretes Verhalten zu übersetzen. Das wird weder von heute auf morgen noch ein für allemal gelingen. Es ist ein kommunitärer und individueller Lernprozess. In diesem Lernprozess wird sich – das sollte man nüchtern sehen und in Rechnung stellen - ein weites Feld der „correctio fraterna / abbatialis“ auftun.

Benediktinische Gastfreundschaft wird bei aller Offenheit sicher nicht heißen können, dass das Kloster grenzenlos offen ist. Benedikt kennt in seiner Regel mehr als eine Grenze, - ob das nun die „claustra monasterii = die ‚Klausurmauer’“ mit Pforte und Pförtner ist (RB 66), - ob es die Mahnung ist, nicht alles und jedes, was man draußen gesehen, gehört und erlebt hat, zu erzählen (RB 67), - bis hin zu der Notwendigkeit, sich von einem Mitbruder zu trennen weil „ein räudiges Schaf nicht die ganze Herde anstecken soll“ (RB 28,8). Es ist in Fortführung dieses Gedankens also keineswegs unbenediktinisch, sich auch über Grenzen der Gastfreundschaft und ihrer Praxis  Gedanken zu machen und die eine oder andere Grenzziehung vorzunehmen[2].

Benedikt selbst endet sein Regelkapitel über die Gastfreundschaft mit den Worten: „Mit den Gästen darf niemand ohne Auftrag zusammensein oder sprechen. Wer ihnen begegnet oder sie sieht, grüße sie, wie schon gesagt, in Demut, bitte um den Segen und gehe weiter mit der Bemerkung, es sei ihm nicht gestattet, sich mit einem Gast zu unterhalten“ (RB 53,23-24).

Michaela Puzicha kommentiert diese Verse in ihrem Regelkommentar der Salzburger Äbtekonferenz: „Den Abschluss des Kapitels bildet eine Einschränkung, die der Gastfreundschaft eine gewisse Härte verleiht. Die Weigerung des Sprechens mit dem Gast ist eine der typisch koinobitischen Weisungen, die im Wüstenmönchtum nur als asketische Sonderleistung bekannt war. In den Mönchsregeln findet sich jedoch in dieser Frage eine breite Übereinstimmung: ‚Keinem ist es erlaubt, sich mit dem Gast zu unterhalten.’ Das Gespräch mit dem Gast übernimmt hier ausschließlich der Obere oder die Brüder, die damit beauftragt sind. Der Vorrang des Schweigens bleibt so bewahrt, zugleich aber wird der Gast vor Geschwätz geschützt. – Es fällt auf, dass in RB 53 die Ausnahmen von der klösterlichen Ordnung immer dem Oberen oder einem Stellvertreter zugewiesen werden, aber nicht die ganze Gemeinschaft betreffen. Die monastischen Werte haben unbedingte Priorität. Die Einschränkungen sind daher nicht als Ablehnung des Gastes zu verstehen, sondern betonen die Ernsthaftigkeit des gemeinsamen Lebens und sind Weisungen für das Verhalten der Brüder“[3].

So sehr oder gerade auch weil der Abschluss des Kapitels der Benediktsregel über die Gastfreundschaft uns Heutigen so „gast-unfreundlich“ klingt, lohnt es sich, den Kommentar von Michael Puzicha zu seinen Schlussversen ein zweites Mal zu lesen.

Vielleicht sollte man zunächst einmal betonen, dass sich Benedikts Redeeinschränkung an dieser Stelle nicht gegen den Gast richtet. Die Begegnung des Bruders mit dem Gast, wie Benedikt sie zeichnet, ist hoch und positiv qualifiziert: Benedikts Mönch begegnet dem Gast mit Demut, - er bittet um den Segen und entzieht sich dem Gespräch mit einer – wie man sicher ergänzen darf – freundlichen und höflichen Bemerkung. Die Begegnung ist kein Affront gegen den Gast, sondern eine positive Konfrontation mit der geistlichen Zieltiefe des klösterlichen Propriums.

Michaela Puzicha weist auf den unterschiedlichen Gehalt des Schweigens im Wüstenmönchtum und in der koinobitischen Klostertradition hin. Während das Nicht-Reden mit dem Besucher anfangs eine „asketische Sonderleistung“ war, ist es in den Gemeinschaftsklöstern ein spirituelles Gemeingut, das als „monastischer (Grund-) Wert“ einer besonderen Pflege bedarf[4]. Michaela Puzicha spricht nicht einfach vom „Rang“, sondern vom „Vorrang des Schweigens“. Die Atmosphäre des Schweigens ist ein Testfall für die „Ernsthaftigkeit des gemeinsamen Lebens“. Sie ist eine „Priorität“.

Gestolpert bin ich über die Kommentarbemerkung Michaela Puzichas: „... zugleich wird der Gast vor Geschwätz geschützt.“ Das ist elegant neutral formuliert, aber es blitzte sofort die Frage in mir auf, vor wessen Geschwätzigkeit und Geschwätz der Gast bewahrt wird. So niedlich das Wort vom „Schwätzchen“ sein mag, den Schuh der Geschwätzigkeit wird sich keiner gerne anziehen. Indem sie neutral vom Schutz vor Geschwätz spricht, hält Michaela Puzicha den Schuh sowohl dem Gast als auch dem Mönch hin.

So hoch Benedikt das Schweigen schätzt, so realistisch sieht er, dass die Wirklichkeit seiner Mönche diesem Ideal nicht unbedingt entspricht. Er warnt sie vor dem leeren und unkontrollierten Reden (RB 4,51-54; 7,56-61). Er kennt die Versuchung, sich vor dem Gebet zu drücken und stattdessen „fabulis vacare = die Zeit zu verplaudern“ (RB 43,8). In der vorgesehenen Zeit der Lesung sollen sogar Kontrolleure durchs Kloster gehen, um solche aufzuspüren, die dem Geschwätz erliegen; sie schaden sich selbst und andern (RB 48,18).

Sicher sind das Worte und Weisungen aus ferner Zeit. Aber es wäre Augenwischerei, wenn wir heutigen Mönche für uns schlicht den Anspruch erhöben, dass  w i r  die von Benedikt erkannten Gefahren überwunden hätten bzw. dass man doch heute einfach das Wort viel positiver zu sehen habe, als Benedikt das tat. Lassen wir Benedikts Mahnungen mutig und ernsthaft an uns heran. Sie können ein Spiegel ehrlicher Selbsterkenntnis sein: Die Gäste sind vor dem Geschwätz der Mönche zu schützen. Eine Aussage wie „Mit Pater Soundso kann man sich wirklich gut unterhalten“ hat zumindest manchmal den Beigeschmack, den eine identische Formulierung in einem beruflichen Arbeitszeugnis hat.

Der Vorrang des Schweigens schützt den Gast aber auch vor dem eigenen Geschwätz ... und die Mönche vor dem Geschwätz des Gastes.

Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass Gäste sich nicht leicht tun mit der Stille des Klosters, - den freien Zeiten, - der Freizeit. Der einkehrende Blick in den Leer-Raum des Selbst ist eine Herausforderung, die weder eine leichte noch jedermanns Sache ist. Zwar wird der einzelne Gast die Intensität der Einkehr nach seinem Bedarf und seinen aktuellen Fähigkeiten dosieren können und müssen, aber er sollte sich auf jeden Fall darüber klar sein, dass Einkehr, Nachdenken und Gespräch und nicht gute Unterhaltung, geschweige denn einfach Abwechslung das Angebot des Klosters ist. Ohne diesen Gedanken in seinen vielen Facettenmöglichkeiten weiter auszuformulieren, scheint es mir wichtig zu sein, aus Benedikts Gedanken und dem Kommentar von Michaela Puzicha den Impuls aufzunehmen, jeweils ehrlich und gründlich in den je eigenen Spiegel zu schauen.

Zusammenfassend kann man Michael Puzicha zustimmen, wenn sie aus den Schlussversen des Regelkapitels 53 Benedikts und benediktinische Gastfreundschaft als von einer „gewissen Härte“ gekennzeichnet sieht. Die Formulierung ist gewiss überraschend, vielleicht käme es etwas diplomatischer über, wenn man von einer „gewissen Herbheit“ spräche. In dieser Härte/Herbheit ist benediktinische Gastfreundschaft auf keinen Fall weich oder gar kuschelig. Dass das von Benedikt gesehen und auch gewollt wird, mag man auch daraus schließen dürfen, dass er seine Mahnung nicht irgendwo im Text versteckt, sondern sie als Kapitel-Schlusswort formuliert, das haften bleibt.

Albert Altenähr OSB
020920

Anhang 1: 

Michaela Puzicha (Email, 02.10.02): „Deine Überlegungen und Nach-Gedanken zur Gastfreundschaft habe ich aufmerksam gelesen. Deine Fragen und Überlegungen haben mich sehr angesprochen. Gerade für unsere Zeit sehe ich gerade in der Gastfreundschaft einen der ganz wesentlichen Dienste des benediktinischen Mönchtums. Bei den unzählig vielen Angeboten kirchlicher- und nichtkirchlicherseits stellt sich die Frage nach dem benediktinischen „Extra“. Meiner Meinung nach ist unser Proprium und damit eine der wesentlichen Antworten darauf unsere Gastfreundschaft in dem weiten Sinn, wie Du sie beschreibst. Wir sind vor Ort, wir sind präsent, wir können zuhören, wir beten und ermöglichen so eine wie auch immer geartete Erfahrung von Transzendenz.

Mit Deinen Rundherum-Gedanken zum Kommentar bin ich ganz einverstanden und freue mich natürlich, dass er brauchbar ist. Ja, es stimmt, das „Geschwätz“ gilt für beide Seiten. So ist beiden geholfen!“

 

Anhang 2:

„Vom Reden

Und dann sagte ein Gelehrter: Sprich vom Reden.

Und er antwortete und sagte: Ihr redet, wenn ihr aufhört, mit euren Gedanken in Frieden zu sein; Und wenn ihr nicht länger in der Einsamkeit eures Herzens verweilen könnt, lebt ihr in euren Lippen, und das Wort ist euch Ablenkung und Zeitvertreib. Und in vielen eurer Gespräche wird das Denken halb ermordet. Denn der Gedanke ist ein Vogel, der Raum braucht und in einem Käfig von Worten zwar seine Flügel ausbreiten, aber nicht fliegen kann.

Es sind welche unter euch, die den Redseligen suchen, weil sie Angst haben, allein zu sein. Die Stille des Alleinseins offenbart ihren Augen ihr nacktes Ich, und sie möchten flüchten.

Und es sind welche unter euch, die reden und dabei ohne Wissen oder Absicht eine Wahrheit aufdecken, die sie selber nicht verstehen.

Und wieder andere haben die Wahrheit in sich, aber sie drücken sie nicht in Worten aus. In der Brust solcher Menschen weilt der Geist in rhythmischer Stille.“

                                                                                                          Der Prophet (Khalil Gibran)



[1]  Faltblatt  und Internettext der Abtei „Gastfreundschaft“.

[2]  Sicher wird in unseren Klöstern und auch nach draußen verständlich sein, wenn ich Anfragen nach Seminarräumen von dezidiert esoterischen Instituten negativ beantworte. Schwierig wird es, wenn gegenüber einem Einzelgast oder –anfragenden ein negativer Bescheid gefällt werden soll. Da kann es durchaus auch hausintern bei dem einen oder anderen Mitbruder zu Verstehensschwierigkeiten kommen.

[3]  Michaela Puzicha, Kommentar zur Benediktusregel, St. Ottilien 2002, S. 454. – Die christologisch-theologische Dimension der Gastfreundschaft gehört in meine Gedanken eigentlich notwendig mit hinein, ist hier aber nicht ausgeführt. Das ist eine Grenze der vorliegenden Überlegungen.

[4]  Vgl. für die Benediktsregel ebd. die vielfältigen Verweise des Stichwortverzeichnisses zum Thema „Schweigen“.

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