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Stabilitas: engagierte
Investititionsbereitschaft
Benediktinische Stabilitas ist mehr als die
Grenzannahme eines bestimmten Ortes. Sie ist mehr als die Annahme der
Grenzen dieses Ortes und des Ausharrens in den Begrenztheiten, die
dieser Ort nun einmal bedeutet.
Wer mit großem Schwung und voller Begeisterung in ein
bestimmtes Kloster eintritt, wird sehr bald erkennen, dass auch in
dieser phantastischen Gemeinschaft, die ich mir aus der großen Zahl
anderer Gemeinschaften als meinen Ort erkoren habe, nur mit Wasser
gekocht wird. Wahrscheinlich wird kaum einem Mönch die Versuchung
erspart bleiben, nicht von einer besseren, idealeren Gemeinschaft zu träumen,
die es doch irgendwo geben muss.
Vielleicht ist es dem Mönch früh gegeben, - im Laufe
der Jahre wird es sicher so sein, dass er manche oder gar viele andere
Klöster kennenlernt. Im ersten Blick mögen sie besser erscheinen als
das Heimatkloster. Aber sehr bald wird er erkennen, dass auch dort der
Glanz nicht weniger schattiert ist als zu Hause. Ist Stabilitas diese müde
Einsicht, dass es überall grau ist und es sich darum nicht lohnt,
sich anderswo neu und glänzender einzurichten?
Benediktinische Stabilitas ist nicht der müde Trott
der Enttäuschung, die nichts mehr erwartet und erhofft. Wohl aber trägt
sie in sich die nüchtern klare Erkenntnis der tatsächlichen
Lebenswirklichkeit. Der alte Mensch steht immer noch an der Grenze
zum neuen Himmel und zur neuen Erde[1].
Benediktinische Stabilitas ist in der Nüchternheit
des Blickes aber eben auch mehr. Sie ist das Engagement für diesen
begrenzten Ort. Sie ist der Wille, sich an diesem Ort und für ihn
einzusetzen. Sie ist Investitionsbereitschaft. Bischof Hemmerle hat
einmal aus den Evangelienberichten der wunderbaren Brotvermehrung das
Wort geprägt: Nicht Mängelverwaltung, sondern geistliche
Brotvermehrung!
Stabilitas ist nicht der Traum von allumfassender
Glanz und Gloria, sondern das Aufnehmen des vielleicht nur
Wenigen, das da ist, um damit zu arbeiten[2].
Immer wieder lese ich im Wirtschaftsteil der Zeitungen von Zukäufen, Übernahmen
des einen Unternehmens durch das andere. Nicht wenige Unternehmen haben
sich dabei zum Gemischtwarenladen entwickelt und dabei übernommen.
Sie kehren zur Sanierung zum Kerngeschäft zurück und werden
wieder erfolgreich. Stabilitas entdeckt meinen Ort, an den ich gestellt
bin, als den Kern, aus dem etwas werden kann und will.
Am Mittwoch beten wir morgens in den Vigilien u.a.
Psalm 132. In ihm entdecke ich Israels Glauben, dass Gott sich engagiert
eingrenzt[3].
Benedikt hat diese Psalmverse in sein Gelübdeversprechen der Stabilitas
übersetzt. Oder sollte ich es anders herum sagen: Gott ist ein
phantastischer Benediktiner?
Psalm 132
13
Ja, der Herr hat sich den Zion erkoren, *
er begehrte ihn für sich zum Wohnsitz:
14
Dies ist für immer der Ort meiner Ruhe; *
ihn hab ich begehrt, hier will ich wohnen.
15
Seine Nahrung will ich reichlich segnen, *
mit Brot seine Armen sättigen.
16
Seine Priester will ich kleiden in Heil, *
seine Frommen sollen jubeln und jauchzen!
17
Dort bringe ich Davids Macht zum Sprießen. *
Meinem Gesalbten habe ich eine Leuchte
bereitet.
18
Ich kleide seine Feinde in Schande, *
doch auf ihm wird seine Krone erglänzen.
(Übersetzung:
Münsterschwarzach)
Abt Albert Altenähr OSB
Mittwochskonferenz 020515
Vgl. Jakob an
der Furt des Jabbok, - das Volk Gottes an den Ufern des Roten
Meeres, - Moses auf dem Berg Nebo ...
Vgl. das Gleichnis vonden Talenten.
Das kann man auf den Inkarnations-Glauben hin weiter
ausdenken.
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