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Stabilitas
Erwartungen an ein Benediktinerkloster
Der
nachfolgende Briefausschnitt ist ein Echo auf eine Gesprächsrunde mit
unseren Oblaten. Wir stellten uns die Frage, welches zentrale Anliegen
wir Benediktiner heute unserer Umwelt vermitteln sollten und können.
Diese Frage wird das Generalkapitel 2004 unserer Kongregation beschäftigen.
- Der Briefausschnitt:
Sie stellen selbst an der Anzahl der Anfragen im
Internet fest, dass eine große Zahl von Menschen auf der Suche nach
ehrlichen Antworten ist und sich gerade bei den Benediktinern mit ihrer
eigenen Gottsuche gut aufgehoben fühlt. Ich habe das ja vor
kurzem in Kornelimünster erfahren dürfen durch ..., die mit mir ein
paar Tage gemeinsam die Mahlzeiten einnahm. Sie stand der Kirche
inzwischen völlig fern, aber irgendeine wärmende Erinnerung aus der
Kindheit hat sie in Zeiten der Unsicherheit und der Gefahr, den Boden
unter den Füßen zu verlieren, eine Annäherung versuchen lassen. Und
es war schon festzustellen, dass sie aus der letzten Bank, wo sie sich
zuerst niedergelassen hatte, ganz allmählich nach vorn rückte. Das Gefühl,
in der Kirche beheimatet zu sein, ist vielen Menschen abhanden gekommen.
Die Orden habe eine große Chance, dies zu ändern. Corona Bamberg hat
das einmal in einem ihrer Bücher so formuliert: ... Und doch warten
die Menschen auf mehr als eine Zuwendung um Christi willen. Sie suchen
das, was sie irgendwie eintreten und zu Hause sein lässt!
Damit meine ich nicht Kuschelwärme. Ich meine dieses
Gefühl, das z.B. mich immer tief durchatmen lässt, wenn ich zu Ihnen
komme: Hier findet etwas zeitlos Zuverlässiges statt (anders kann ich
es nicht ausdrücken), hier geben Menschen die Gottsuche nicht auf, aber
auch nicht das Freundschaftsangebot an den Mitmenschen. Wann ich auch
immer komme, ich weiß, Sie werden sich zu bestimmten Zeiten mit
bestimmten Worten, die in Jahrhunderten ihre Gültigkeit nicht verloren
haben, an Gott wenden. Das vermittelt eine Stabilität, deren Wert die
Menschen heute vielfach nicht mehr erkennen. Dennoch wird eine Ahnung
davon sie nie mehr so ganz loslassen. In einer Zeit, in der fast alles
zur Disposition steht, in der alles einigermaßen Stabile leicht
als Starrheit und Unflexibilität ausgelegt wird, brauchen sie gerade
das Unverrückbare, Unaufgebbare.
Die Menschen, die heute im großen und ganzen keine
Sicherheit mehr erfahren, nicht im Berufsleben, nicht in privaten
Bindungen, nicht in der Ehe, können m.E. nur über erfahrene Stabilität
ihrerseits wieder in stabile Beziehungen zurückfinden, nicht durch
stereotypes Jammern über verlorene Werte im allgemeinen. Da hat
die monastische Lebensform eine große Chance.
Lieber Abt Albert, ich habe einfach noch einmal
niedergeschrieben, was mir zu Ihrer Frage so in den Sinn kam. Es ist
immer schwer darzulegen, welche Erwartungen man an andere hat; man macht
sich damit leicht selbst zum Maßstab aller Dinge. ich hoffe, Sie haben
diesen Eindruck von mir nicht. Schließlich sind Sie kein geistlicher
Service-Betrieb oder so etwas ähnliches.
K. Sch.
021209
Bild: Detail aus dem Chorgestühl des Ulmer Münsters
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