|
Tag der Freunde, 10. August 2008
Biblische Gotteserfahrungen – ins Heute hinein gelesen
Predigt zu 1 Kön 19 u. Mt 14
Elementarmächte sind in unseren biblischen Lesungen am
Werk. Vom Sturm ist die Rede, von Erdbeben und Feuer. In diesen Mächten
ist Gott nicht zu finden; durch sie hindurch will er erahnt und erfahren
werden. Gott ist immer anders, als wir uns ihn vorstellen, er handelt
anders, als wir es erwarten.
Im Gegensatz zu den Elementarmächten erfahren wir Stille
und Schweigen. Im leisen Säuseln erfährt Elija die Gegenwart Gottes, in
der Stille und Einsamkeit der Nacht betet Jesus auf dem Berg, ist in
inniger Verbundenheit mit seinem Vater in schweigendem Zwiegespräch.
In unserer bewegten, hektischen und lauten Zeit tut
Stille Not, sind Orte und Zeiten der Ruhe, des stillen Gebetes etwas,
was uns Menschen und unsere Welt verändern kann. Nicht das viele Tun,
nicht Aktionismus sind gefragt, sondern stille Verbundenheit und
Freundschaft mit Gott.
Aber dieser Gott erweist sich immer wieder als ein
anderer, als den wir ihn uns vorstellen. Elija hatte auf dem Berg Karmel
Gott als einen verkündigt der stark und mächtig ist, ja der
dreinschlägt. Das bedrohte sein eigenes Leben, so dass er in die Wüste
floh. Verzweifelt, müde, ja lebensmüde, mag er nicht mehr, will er
aufgeben - bis ihn ein Engel des Herrn stärkt und buchstäblich in die
Wüst schickt. An einem Ort, der dem Leben widrig ist, wird ihm eine
Gotteserfahrung zuteil, die er sich so nicht vorgestellt hat. Aber Elija
stellt sich der neuen Erfahrung, der neuen Wirklichkeit, dem ganz
anderen Gottesbild.
Auf ganz andere Weise erfährt Petrus etwas über seinen
Jesus, dem er vertraut. In höchster Not und Gefahr erlebt er Jesus auf
dem Wasser. Er möchte ihm nahe sein, verlässt das bedrohte Boot und
sucht Heil in der Nähe Jesu. Solange er auf Jesus schaut ist alles gut;
sobald er die bedrohlichen Elemente von Wasser und Sturm beachtet droht
er unter zu gehen. Sein Hilfeschrei wird erhört. Er wird gerettet und -
zum Boot zurückgeführt. Dort, in der Gemeinschaft, bei den anderen ist
sein Platz. So wichtig es ist bisweilen auszusteigen, so wichtig es ist
neue Wege zu gehen - es geht nur in und mit der Gemeinschaft. Jesus
führt den Petrus zu dem kleinen Haufen verängstigter Jünger zurück.
Dort, im Boot, in der Gemeinschaft der Jünger erfährt Petrus Sicherheit
und Geborgenheit. Dort ist letztlich auch Jesus.
Wir möchten so gerne aussteigen: Aus Partnerschaften, aus
Ehen und Familien, aus Pfarreien und Ordengemeinschaften. Vieles scheint
nicht mehr lohnenswert, Ideale haben sich als nicht tragfähig erwiesen.
Enttäuschung macht sich breit. Aber: genau dorthin, an den Ursprungsort,
führt Jesus zurück. Henry Nouwen: "Man geht nicht ins Kloster, um den
Problemen aus dem Weg zu gehen, sondern um aus den Problemen heraus Gott
zu loben." Nicht im Ideal, in der Wirklichkeit ist der Ort, wo Gott zu
finden ist. Dort, in der Gemeinschaft, an den Ort, an den Jesus uns
hinstellt, dort ist Anbetung möglich. In der Gemeinschaft liegt die
Gotteserkenntnis, aus ihr heraus wächst sie und kann sie vertieft
werden. In unserer von Individualismus geprägten Zeit eine
Herausforderung, zugleich eine Möglichkeit Gottes Gegenwart immer neu zu
entdecken, zu leben und zu feiern. Tun wir es an diesem Ort, in dieser
Stunde, an diesem Tag.
Abt Friedhelm
Tissen OSB
080810
Ein Bericht
über den Tag mit Fotos >>
Kurznachrichten |