Cantate Domino
„Nacht der offenen Kirchen“, Aachen, 10. Oktober 2003
Impuls zur biblischen Lesung im Abendgottesdienst in der Abtei Kornelimünster
Mt 11,25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise
dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen
und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27 Mir ist von meinem Vater alles übergeben
worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den
Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
28 Kommt alle zu mir, die ihr euch
plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe
verschaffen. 29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt
von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe
finden für eure Seele. 30 Denn mein Joch drückt nicht, und
meine Last ist leicht.

Kyriale-Handschrift
der Abtei Siegburg,
geschrieben in den 50-er Jahren des 20. Jhd. von P. Mauritius Mittler
Wir haben diesem Abend in unserer Kirche die Überschrift
„Cantate Domino“ gegeben und wollten uns in das Geheimnis der Musik
und speziell des gregorianischen Chorals einhören und einsingen.
Als biblische Lesung für diesen Gottesdienst haben
wir jene Stelle aus dem Matthäus-Evangelium ausgewählt, die so ganz
anders klingt als das übrige Evangelium dieses Evangelisten. Die
Exegeten erkennen hier den meditativen Klang und die spirituelle Melodie
wieder, die vor allem das Johannes-Evangelium prägen. Sie nennen unsere
Verse die „johanneische Stelle“ des Matthäus. Worin zeigt sich
dieser Johannes-Klang unserer Verse?
Jesus antwortet den Suchenden aller Zeit auf ihre
Sehnsucht, Klarheit über Gott und Klarheit über den Weg zu ihm zu
erhalten. Gott ist nicht verschlossen, - nein, er erschließt sich ...
denen, die nicht die Wege der Eigenmächtigkeit und selbstherrlicher
Weisheit und Klugheit gehen, sondern sich der Führung seines Sohnes
wirklich anheimgeben. Wer sich in die Melodieführung von Jesu Leben
einlauscht, und mit dem eigenen Leben den Melodiebogen des Lebens Jesu
nachtastet, der wird stimmig werden, - kon-sonant mit Jesus. Sein Leben
wird sich einklinken und damit einklingen in die Lebensmelodie Jesu. Er
wird das „neue Lied“ lernen und so das neue Leben gewinnen.
Der heilige Augustinus hat das einmal so formuliert:
„Ihr wollt Gott Lob singen? S
e i d , was ihr singt! Ihr seid was ihr singt, wenn ihr ein heiliges
Leben führt“ – oder noch prägnanter: „Cantate oribus, cantate
moribus – Singt mit dem Mund, vor allem aber: singt mit dem Leben!“
(Augustinus, Sermo 34)
Abt Albert Altenähr OSB
031010
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