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„Die Kirche ist jung“
Papst Benedikt XVI., 24. April 2005
Predigt bei seiner Amtseinführung

Die Grafik “http://www.oecumene.radiovaticana.org/img_foto/ben67.jpg” kann nicht angezeigt werden, da sie Fehler enthält.Das Wort wurde gern gehört und mit Applaus aufgenommen: „Die Kirche ist jung.“ Beim Kameraschwenk über die Menge war deutlich, dass es besonders die jungen Menschen waren, die begeistert zustimmten. Was hatten sie gehört? „Die Kirche ist jung?“ Oder hatten sie etwas anderes gehört? Etwa: „Die vielen Jugendlichen bei den Beerdigungsfeierlichkeiten und auch an diesem Tag der Amtseinführung des neuen Papstes zeigen, dass die Kirche jung ist?“ So hatte Papst Benedikt es nicht gesagt, wenngleich  diese Aussage durchaus mitgeschwungen haben mag. Er hatte gesagt: „Die Kirche ist jung.“

Die Kirche ist jung mit den Jungen  u n d  mit den Alten. Die Alten machen die Kirche nicht alt, weil sie alt sind. Umgekehrt machen die Jungen die Kirche nicht jung, weil sie jung sind. Jugend und Alter sind nicht eine Frage des Geburtsjahrgangs. Die Alten können durchaus sehr viel jünger sein als die Jungen. Und mit Zwanzig kann man so alt sein, wie man es möglicherweise an Jahren nie wird.

Und außerdem ganz abgesehen vom Zulauf begeisterter Jugendlicher bei besonderen Großveranstaltungen oder der Überzahl älterer Menschen bei unseren "normalen" Gottesdiensten, die Kirche ist so oder so 2000 Jahre ... alt,  - oder eben ... jung.

*

Jesus Christus - die Jugend der Kirche

Die Kirche ist jung, weil sie Gemeinschaft Jesu Christi ist. Er ist die Jugend der Kirche. Er - in seiner bleibenden Liebe, in seinem Tod und seiner Auferstehung, die zwar an einem ferner und ferner werden historischen Datum geschehen sind, die aber nicht in einem Datum „anno Tobak“ aufgelöst werden können. In der Liturgie der großen Feste werden immer wieder Antiphonen gesungen, in denen das Festgeheimnis ins „Heute“ hinübergesungen. Jesus Christus – „gestern, heute, und in Ewigkeit“, das ist die Jugend der Kirche.

Die Grafik “http://us.news2.yimg.com/us.yimg.com/p/ap/20050424/capt.fp15204241333.vatican_pope_fp152.jpg” kann nicht angezeigt werden, da sie Fehler enthält.Die Kirche ist jung, weil und wenn sie die Beziehung zu Jesus Christus sucht und lebt. Von ihrer Namensdefinition her – zumindest in den germanischen Sprachen – kann sie eigentlich überhaupt nicht anders verstanden werden: Sie ist  in ihrem Kyriake-Sein Beziehungsgemeinschaft zum Kyrios. „Kirche“ ist ein Lehnwort, das das griechische Kyriake wiederspiegelt. Sie ist Gemeinschaft aus, mit und im Kyrios, dem Herrn Jesus Christus. „Christen“ sind die Anhänger Christi, - sind die, die er seine Freunde nannte und nennt und die umgekehrt ihn als ihren Freund betrachten.

Eigentlich müssten wir in der Logik dieser Andeutungen die Kirche auch als jung erleben und erfahren. Vielfach scheint aber eher das Gegenteil der Fall zu sein. Die Kirche erscheint nicht wenigen als alt, ausgemergelt und verknöchert. Sie wird als unbeweglich und erstarrt angesehen, als wenig lebendig. Die „alten Kirchen“ Europas haben phantastische Strukturen und effektive Organisation, aber die „jungen Kirchen“ sind lebendiger. 

Und wenn Benedikt XVI. sein Predigt-Wort an das öffentliche Erscheinungsbild der römischen Kurie anlegt, würde er auch da so wortmutig sein und sagen: „Schaut her, - seht ihr’s nicht: Die Kirche ist jung?“

*

Jugend der Kirche? ... eine Frage an mich!

Natürlich können wir nach Rom schauen, um uns zu fragen, ob das päpstliche Predigt-Wort stimmt und stimmig ist. Wir sollten uns aber mit diesem Rom-Blick nicht davon dispensieren, die Frage bis in die Basis-Situation unseres nächsten Umfelds hinunterzufragen. Ist die Gemeinde, in der ich lebe jung? Und wir können die Frage noch einmal herunterfragen. Bin ich jung? Bin ich mit meinen z.B. 63 Jahren ein junger Christ?

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Ich scheue das Wort „Liebe“. Es ist so abgegriffen. Vielleicht ist es aber gerade deshalb schnell und überall im Schwange, weil wir alle spüren, dass genau hier die Antwort auf die letzten Fragen zu finden ist -, und in ihm doch zugleich mehr offen bleibt, als definitiv beantwortet wird. Wenn wir Liebe als Einwurzelung des anderen in mich – und umgekehrt – verstehen, dann könnte das auch das Schlüsselwort für den Glauben als Beziehung zu Jesus Christus sein. Benedikt formuliert es in seiner Regel so: „Nihil amori Christi praeponere = Nichts der Liebe Christi vorziehen / Nichts der Liebe zu Christus vorziehen“ (RB 4,21; vgl. 72,11). Beide Übersetzungen sind möglich

Wo aber Liebe im Spiel ist, da ist Feuer, - da ist Leben. Da ist nichts Abgestandenes. Da ist Phantasie und Kreativität. Die Alters-Jahre spielen auf einmal keine Rolle. Liebe ist ein Jungbrunnen. Liebe macht jung.

Ist die Kirche jung? Benedikt XVI. wagte und sagte ein positives „Ja“. Dieses mutige „Ja“ ist kritische Rückfrage an jeden einzelnen - und damit auch an mich und dich - nach seiner Christusbeziehung. Es ist zugleich Ansporn, Jesus Christus wirklich und bewusst in den Lebensalltag einzubeziehen.

Abt Albert Altenähr OSB
050427

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