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Die Seele baumeln
lassen
– einfach so
Wer
kann das noch? Wer kann sich das noch leisten? Nicht selten höre ich bei
einladenden Hinweisen, sich regelmäßig aus dem Alltagsgetriebe
herauszunehmen – sei es für eine längere oder kürzere Zeit oder auch für
eine wirklich nur kurze Zeit im Tagesverlauf – den Widerstand, dass das
„nicht drin“ ist. Man werde so sehr von Aufgaben, Terminen,
Anforderungen gelebt, dass man wirklich keine Zeit finde, das zu
verwirklichen. „Ihr im Kloster lebt in einer Oase ‚unwirklichen Lebens’,
aber ich …“
Wenn
dann im weiteren Gespräch erzählt wird, was heute und normalerweise
jeden Tag an Dingen noch vor dem Gegenüber liegt, ist das schon wirklich
erschreckend. Es ist viel, meist sogar sehr viel, und ganz schnell wird
es als zuviel wahrgenommen. Am Abend ist dann oft alle Kraft erschöpft
und es reicht nur dazu, noch etwas vor dem Fernseher zu hängen oder in
einer anderen Form rumzuhängen.
Und
doch will ich nicht resignieren, - mein Gegenüber eifrig bemitleiden -
und ihn als unheilbaren Fall aufgeben. Ich bleibe dabei zu empfehlen:
die Seele einmal, … immer wieder einmal, … nach Möglichkeit regelmäßig
baumeln lassen! Das ist ein Heilmittel gegen den inneren Stress, sich
vom äußeren Druck angefressen oder gar aufgefressen zu fühlen. Der
Druck, den wir von außen bekommen, ist erst dann gefährlich, wenn er
sich in uns hineinfrisst. Wenn wir der Seele das Vitamin des
Baumeln-Lassens schenken, dann perlt der Druck auch eines umfangreichen
Tagesprogramms viel leichter an uns ab. Dann halte ich ihn aus, ohne
dass er zum Stress wird.
Nicht wenige meinen, genügend Freizeit sei identisch mit dem
Baumeln-Lassen der Seele. Aber weil die Freiheit der Freizeit gar nicht
so leicht zu ertragen ist, füllen sie sie mit allerlei Zeitvertreib. Sie
meinen, auch in der Freizeit etwas „machen“ zu müssen und pflegen so
nicht selten den Stress des Zeit-Vertreibens.
*

Ich
brauche einen stabilen Ast, an dem ich mich festhalten kann, um die
Seele baumeln lassen zu können. Ich brauche etwas, an das ich mich
halte, - etwas, das mir Halt gibt, - jemanden, der mich hält.
Es gibt versteckte Ecken, die irgendwie nur mir gehören und wo es
einfach schön ist. Andere mögen hier nichts sehen, aber mir sagen sie
etwas, - … ihr gewisses Etwas.
Es gibt Worte, die mehr sind als eine geordnete Ansammlung von
Buchstaben. Sie lassen etwas in mir klingen. Sie sind frohe Botschaft, -
… Musik für das Leben.
Es gibt ganz gewöhnliche Menschen, die lassen mich ruhig werden, so dass
ich mich in einer festen Burg weiß. Einfach wortlos bei ihnen sein ...,
das ist einfach gut, - … atemlos gut. Sie verstehen und brauchen keine
Erklärung.
Das kosten, - daran Geschmack finden, - dafür Zeit nehmen, es Wurzeln
schlagen zu lassen.
Es
gibt diese Erfahrungen, die mich weit über das so Erlebte hinausführen
in Höhe und Weite. Da ist unendlich gefülltes Nichts und Alles. Hier
kann die Seele baumeln und da wächst ihr etwas von Unverletzlichkeit und
kraftvollem Lebensschwung zu. Das Stressgefühl kann abfließen und für
den Weg im Alltag wächst Selbstbewusstsein der eigenen Kraft heran.
…
und dann noch Eines: Rede nicht so viel von dem Stress, den du hast. Du
verhätschelst damit den Teufel, der dich quält. Entziehe ihm seine
Nahrung, indem du dir schenkst, die Seele baumeln zu lassen – einfach
so.
P.
Albert Altenähr
090608
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