Textauswahl

Ein Ort für dich

Gespräch mit einem Zirkuswagen

Brunnen, gebohrt in die Luft

Lass die Hoffnung fahren

Dem Glauben ein Gesicht

"Die Ernte ist groß ..."

Der Mönch

Spann den Bogen

Emmaus

Auf dem Weg ... wohin?

Ich möchte beten  lernen

Frage und Antwort

Sein ist die Zeit

Der leichte Glaube

An grauen Nebelmorgen

Maria Magdalena

Vertrauen

Die Seele baumeln lassen

Beten

Alleluja

Gotteserfahrungen

Ein Gebet um den rechten
Augen - Blick

Meditative Stolperkante

Ein Gebet der Zukunft

Dem Heiligen begegnen

Herr, lehre uns beten

„Einen Gott, den es gibt,
gibt es nicht“ (Bonhoeffer)

Ich glaube an Gott

Wann betet ihr?

Die Kelter der Liebe

Anreicherungen

Der Traum des Jakob

Freiheit des Betens

Begegnung in Holz

Elija - die Kraft des Weges

Elija und Lazarus

Deus caritas est

Die Farbe des Nebels

Das Tor ist nicht verschlossen

Herr, in deinem Garten

Der Weihrauch

Tabernakellicht

Wenn dein Herz wach ist

Urlaub

erinnere dich

Verkündigung in Gelassenheit

Die Kirche ist jung

„Leib Christi“ – „Blut Christi“

Feuer für morgen

Wachsen

Weisheit der Arche

Lebens-Lauf

Freundin Gott

Paris -
eine geistliche Botschaft

Die Kunst des Feierns

Cantate Domino

Das Heilige den Heiligen

Gott steckt im Detail

Schätze den Schatz

Feiern - wie geht das?

Elija Bilder

Kar- und Osterbilder

Nelly Sachs: David

Gebet am Rande...

Vorsicht Gott!

Gedanken zu einer
Hochzeitsanzeige

farbig glauben

Weltverantwortung

Sich Zeit nehmen

Nachtherbergen für die Wegwunden

Unterwegs nach Emmaus

Kirchenjahr / Feste

Gedanken zu
Psalmen

Anfänge

Benediktinisches
 

 

 

Elija und Lazarus. Gestalten eines neuen Anfangs

Gedanken zu einer Noviziatseinkleidung

Gott, wie er uns in den heiligen Schriften vor Augen tritt, ist ein Gott der Berge und Höhen, der Bergburgen und der Gebetsgipfel. Die Unterwelt und ihre Zugänge, die Gräber und Höhlen sind dem biblischen Menschen zutiefst un-heimelig und unheimlich. Aus den Grabgruben und den Nottiefen ruft der Beter hinauf zum Gott in der Höhe

… und er antwortet.

Zweimal erfahren wir in der Heiligen Schrift einen besonders markanten Anruf. Elija wird es in seiner Höhle am Fuß des Gottesberges Horeb zugerufen (1 Könige 19,11). Und im Neuen Testament ruft es Jesus voll Erschütterung in das Grab des Lazarus hinein: „Komm heraus!“ (Johannes 11,43) 

Elija war auf seinem Gottesweg vor den nächtlichen Unbilden von Kälte, Finsternis und Angriffen in den Schoß von Mutter Erde geflüchtet, um embryonalen Schutz zu suchen. Er schottet sich von Tag und Leben ab. Er verkriecht sich und mauert sich ein. - Komm heraus, Elija! 

Lazarus war in Todeskrankheit gefallen, und der, der ihn hätte am Leben halten können, Jesus der Heiland und Heilende, eilt nicht herbei, ihn zu retten. Er lässt ihn versinken im Tod. Die Grabesgrube umfängt ihn mit Grabesruhe. - Lazarus, komm heraus! 

Ob nun der eine oder der andere Text, beide werden manchen Menschen eher für die Illustration des Klosters als eines lebensverneinenden Verkriechortes  „hinter Klostermauern“ geeignet erscheinen als für einen Ort des sog. „wirklichen Lebens“. 

Nach meinen Erfahrungen kann und sollte man die Verhältnisse auch einmal anders sehen. 

Wer ist es, der sich verkriecht, versteckt, flüchtet? Sind es wirklich der Mönch und die Nonne? Kann es nicht vielleicht auch der sein, der von einem Zeitvertreib zum anderen hastet? … der, der alles mitnehmen und nichts verpassen will? … der nach der einen Zerstreuung für die nächste Lebenslust einen Freizeit-Animateur sucht? … der seinen Seinswert an den Sprossen der Karriereleiter misst? Es sind mir nicht wenige Menschen begegnet, die vor lauter Weltläufigkeit nie zu sich selbst kommen, ... die in der Mitte ihrer Lebensjahre leer gelaufen sind.  

Kommt heraus, Elija und Lazarus, aus dem Wirrwarr der unendlichen Vielfalt und stellt euch dem einen Not Wendenden und Halt Gebenden. Es muss im Leben mehr als alles Geben, - eines in dem Allerlei des Vielen. 

In diesem Sinn haben Sie, liebe B., einen Ruf gehört, sind neugierig geworden und haben sich auf den Weg gemacht. Sie verlangen nach dem, der für das bunte Leben Mitte und Halt ist, - nach dem, der Ihnen den Mut zu Ihren Tiefen und Untiefen gibt, - nach dem, der Ihnen die Kraft schenkt, das Leben, seine Menschen und sich selbst zu ertragen und positiv zu tragen. 

Lazarus wird von Jesus aus dem Grab gerufen und Jesus sagt den Umstehenden: „Löst ihm die Binden.“ So erfährt er Ent-Bindung und neue Geburt, Ent-Wicklung und neues Leben. 

Elija wird von Jahwe aus der Höhle gerufen: Komm heraus, … und stell dich … auf den Berg … vor den Herrn.“ Auf den Berg sind Sie, B., gerufen, - Gotteserfahrung erwartet Sie dort. Das Ordenskleid, das Sie heute empfangen, mag Ihnen Zeichen für die notwendige Bergausrüstung sein. Die Gemeinschaft der Schwestern will Ihnen Seilschaft auf der Route sein.  

Der Herr will Sie segnen. Er segne Sie.

 Abt Albert Altenähr OSB
060119

Bild: Giotto, Auferweckung des Lazarus. Assisi, S. Francesco;

zu Elija vgl. den Beitrag zu den Elija-Bildern von Janet Brooks-Gerloff in unserer Abteikirche.

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