|
Von der Kunst des Feierns
von Leopold Schlager
Der
nachfolgende Artikel wurde uns vom Autor zugemailt, weil er aus dem
Beitrag unserer Homepage „Feiern – wie geht das?“ zitiert. Der
Artikel ist für den vierteljährlichen Pfarrblattdienst der Diözese
St. Pölten,Österreich, bestimmt.
Die einen sehnen sie herbei, die
anderen wollen sie am liebsten ganz abschaffen – richtig: es geht um
Feiertage. Sie passen nicht in eine einfache Rechnung, die da lautet:
Weniger Feiertage - mehr Produktivität.
Doch die Rechnung stimmt so
zumindest nicht ganz. Denn
Produktivität und Konsum haben Grenzen, die nicht so einfach verschoben
werden können. Was, wenn die Mehrleistung jener, die ja Arbeit haben,
dazu führt, dass es für andere Menschen noch weniger Arbeit gibt?
Die Tatsache, dass auch der private
Konsum sich durch überlange Öffnungszeiten an Wochenenden und sogar an
Feiertagen nicht nach Belieben steuern lässt, hat eine Kolumnistin zu
der Bemerkung veranlasst, dass sich das kaufmüde gewordene
verantwortungslose Volk zwar amüsiert, aber seine Kaufpflichten sträflich
vernachlässigt.
Feiern will gelernt sein. Sonst
bleibt leicht ein Gefühl der Leere zurück. Umgekehrt gesagt: Sinn
macht ein Feiern, das das Leben erfüllt.
Anlässe zum Feiern gibt es viele.
Im persönlichen Leben sind es Geburtstage, Jubiläen, Hochzeit, Taufe,
Matura. Dabei ist das Feiern nicht auf die Vergangenheit gerichtet.
Etwas ist abgeschlossen, Neues kommt in den Blick. „Wir feiern
Feiertage, weil wir darin die Freiheit erfahren können, sie mit uns
selbst zu füllen“, sagt der Abt des deutschen Benediktinerklosters
Kornelimünster, Albert Altenähr. Mit uns selbst – und nicht mit
Projekten, Wünschen, Bilanzen und neuen Zielen. Die folgende
Begebenheit zeigt eine Karikatur dessen, wie es Abt Altenähr wohl nicht
gemeint hat:
Der Mann am Nebentisch sprach unüberhörbar
und selbstbewusst von dem, was er erreicht hatte. Eine akademische
Karriere, in der er offensichtlich kurz vor der letzten großen Hürde
stand, aber der Weg war schon geebnet, natürlich auch mit ein wenig
Wohlwollen seines Vorgesetzten. Natürlich bedeutete das alles auch großen
Einsatz und Anstrengung, Arbeit oft bis spät in die Nacht, nur selten
ein freies Wochenende, ein Motorrad als Hobby. Eine familiäre Runde mit
den Eltern und nahen Verwandten. Da brachte eine der anwesenden Damen
den Redefluss des Akademikers mit einer Bemerkung ins Stocken, indem sie
ihn nach seiner Lebensperspektive fragte. Doch bald schwärmte er wieder
von seinen Leistungen, vielleicht von einer Berufung ins Ausland. Die
Gesprächspartnerin bohrte, mit der Antwort wohl nicht ganz zufrieden,
nach, doch es blieb bei dem Gesagten. Vielleicht hätte sie erwartet, er
würde von Partnerschaft, Liebe, Familie reden, doch sie war vornehm
genug, es bei dieser Andeutung zu belassen, dass für sie Karriere und
Leistung nicht die wichtigste Lebensperspektive sein konnten.
Wer so mit sich selbst erfüllt ist,
tut sich freilich auch schwer, zu feiern und das Leben zu genießen.
Aber gerade darum tut wirkliches Feiern not. Feiern und freie Zeit
„sind nicht dazu da, vor sich selbst wegzulaufen, sondern
innezuhalten, unserer Seele die Chance zu geben, uns einzuholen“
(Albert Altenähr). Das eröffnet Lebensperspektiven, in denen nicht
alles vorausgeplant, beurteilt und wissenschaftlich bestimmt ist.
Ein wunderbares Bild dafür ist der
Schöpfungsbericht der Bibel. Da steht nicht nur, dass Gott sechs Tage
arbeitete und am siebenten Tag ruhte. Das haben sich ja die meisten vom
Religionsunterricht gemerkt. Doch die Werke Gottes selbst zeigen eine
„Lebensperspektive“ auf: der Mensch ist eingebunden in den ganzen
Kosmos, er ist auf Gemeinschaft angelegt – geschaffen als Mann und
Frau. Das alles ist Grund zum Fest: die Freude an der Schöpfung, an der
Natur, am Mitmenschen und an Gott.
Übrigens: Das Wort Ferien hat
ursprünglich mit Feiern zu tun (von lat. feria, davon festum = Fest).
Lassen Sie die Feiertage und Ferien dieses Jahres nicht ungenützt vorübergehen!
Leopold Schlager
|