Sommer 2003
Feiern
– wie geht das?
Eigentlich
ist das eine wirklich spannende Diskussion, die da momentan über die
Abschaffung von Feiertagen im Raum steht. Eigentlich ..., - ja, wenn man sich
wirklich in die Tiefe fragen würde, was das eigentlich ist: „feiern“, - und
wie man das eigentlich macht. Dabei sollte man es nicht bei der „man“-Formulierung
belassen. sondern sich selbst ganz persönlich be- und hinterfragen: Was
verstehe
ich unter „feiern“? Wie feiere
ich? Kann ich feiern?
Wie
geht es also
mir, - ja, mir ganz persönlich mit dem Feiern? Manchmal habe ich den
Eindruck, dass da irgendwas irgendwo und irgendwie gefeiert wird. Nicht selten
scheint das Drumherum und der Aufwand, - die Zahl der Gäste, - die Fülle des
An- und Dargebotenen, - die „Lockerheit“ und der „Event“ das Urteil
über eine gelungene oder nicht gelungene Feier zu bestimmen. Feiern schein oft
ein Happening zu sein, dem man um Himmels willen keine Struktur anmerken darf.
Strukturen machen angeblich das Feiern steif und muffelig. Steht also Feier-Zeremoniell gegen Feier-Seligkeit? Und: oft ist der Anlass unwichtig; -
Hauptsache: es wird gefeiert!
Für mich
ist Feiern zunächst und vor allem einmal mit dem Kopf verbunden. Ich muss, was
ich feiern will, und seinen Anlass im Kopf haben. Das heißt, ich muss es
bewusst haben und mir bewusst machen. Fast möchte ich sogar sagen: das wache
und tiefe Bewusstsein von etwas, das ist mir das eigentlich Fest. Das lässt
mich eine Sache feiern, ohne dass ich dafür das Drumherum brauche.
Das
Reden vom Feiern und über Feiertage ist darum für mich in erster Linie eine
Einladung zum Nachdenken über die jeweiligen Anlässe. Was feiere ich am
Sonntag, - am Geburtstag, - bei einer Hochzeit, - bei einem Jubiläum? Ein
intensives Nach-Denken und ein wirkliches Bewusstwerden, was ein solcher
Feiertag eigentlich bedeutet, ist mehr als nur die „halbe Miete“ für sein
Gelingen.
Wir
feiern den Sonntag, als den Tag, an dem Christus auferstanden. Es ist nicht
schon damit getan, dass wir eine Stunde in der Kirche absitzen.
Wir
feiern den Geburtstag, weil wir zu uns selbst „ja“ sagen. Es ist gut, dass
es uns gibt. Das Wissen darum ist mehr als eine noch so große Geburtstagsparty.
Wir
feiern Jubiläumstage, weil es gar nicht selbstverständlich , dass dieses oder
jenes so lange dauert. Gerade in unserer schnellen Zeit heute ist jedes
Jubiläum schon ein staunenswertes Wunder.
Als
Mönch feiere ich mein Stundengebet, wenn ich es
bete – und nicht heruntersage.
Als
Tischdiener der Mitbrüder feiere ich diese Aufgabe, wenn ich den Brüdern das
Essen
reiche (- man achte mal auf dieses Wort: „reichen“!) – und es ihnen
nicht „hinknalle“.
Als
Leser der im Kloster üblichen Tischlektüre kann ich auch diesen Dienst feiern,
wenn ich den Text vor-lese – und ihn
nicht einfach ab-lese.
Wir feiern
Feiertage, weil wir darin die Freiheit erfahren können, sie mit uns selbst zu
füllen.
Die Freizeit
eines Feiertages ist zu kostbar, als dass wir sie dem Zeitvertreib, - der
Zerstreuung oder der Freizeitindustrie opfern sollten.
Das
Feiern und die freie Zeit sind die Chance, sich zu erholen. Man könnte das auch
so übersetzen: Sie sind nicht dazu da, vor sich selbst wegzulaufen, sondern
innezuhalten, um unserer Seele die Chance zu geben, uns einzuholen.
Ich wünsche
Ihnen genutzte freie Zeit. Sie macht Leben zum Erlebnis.
Abt Albert Altenähr OSB
0307