Textauswahl

Kirchenjahr / Feste
Advent und Weihnachten

Fastenzeit und Ostern

Wo geht's hin?
Der Hoffnung eine Schneise!
Jeremia Evangelista
Was Gott verbunden hat
27. So. i.J. B
Allerheiligen
Francesca Romana
Sanctus enim dies Domini est - 3. So.i.J. C
Fingerspitzengefühl für Gott - 13. So i.J. B
Neues sprießt - 7. So i.J. B
Denktage
Seid gesinnt wie Christus Jesus 26. So i..J. A
Meine Stärke ist der Herr

Allerseelen 2004
Erde braucht der Mensch zum Glauben 28. So i.J. C

Ein Gebetsnetz für das Leben 29. So i.J C
Weltennot und Gottesstunde 19. So. i J. C

Die beiden Brüder in mir
Jahreswechsel 2003
Allerseelen 2003
Ihr Frauen und Männer
21. So i.J. B
Das Menschsein Jesu

Annaoktav 2003
Dreifaltigkeit 2003
Stopp! Da geht's lang
5. Fastensonntag
Wendepunkte

3. Sonntag im Jahreskreis
Den Glauben wagen
33. Sonntag im Jahreskreis
Entschiedenheit
13. Sonntag im Jahreskreis  
Profess Fr. David
Allerseelen 2001
Silberprofess

Predigt vom 20.5.2001

Gedanken zu
Psalmen

Benediktinisches

Anfänge

weitere Texte

 

 

Denktage oder „Wieviel Erde braucht der Mensch?“
Reformationstag – Allerheiligen - Allerseelen

Wie jedes Jahr präsentiert Kurfürst Friedrich III. der Weise von Sachsen auch zu Allerheiligen 1517 seine Reliquiensammlung in der Schlosskirche von Wittenberg. Er ist stolz auf diesen geistlichen Schatz und er weiß ihn durchaus auch weltlich zu nutzen. Die Leute strömen herbei, um zu staunen, zu sehen, sich ihres Glaubens zu versichern. Was man sehen kann, - was man berühren kann, ... „da ist was dran“. Die Händler sind herbeigeströmt und machen Geschäfte mit Nützlichem und Tinnef, - mit Unterhaltung und Souvenirs, den Reliquien einer Wallfahrt. Die Wirte haben ihre Fässer und Vorräte gefüllt, um Hunger und Durst der Frommen zu wehren und daran zu verdienen. Es ist eine bunte Mischung von Gott und Welt, von Glaube und Geschäft wie bei allen Wallfahrten. Dr. Luther weiß: das ist eine Gelegenheit, etwas „an den Mann“, - „unter die Leute“ zu bringen. Seine Reformgedanken sind ein geistliches Anliegen. Die Welt, wie sie nun einmal ist, nutzt Magister Martinus dabei ganz nüchtern. Die großen Thesen bleiben nicht nur Gedanken. Sie werden zu Papier gebracht. Sie werden an Wittenbergs Kirchentür festgenagelt. Sie suchen ein Publikum und finden es. Später wird diese Tür gusseisern mit den Thesen geschmückt für alle weltliche Zeit und göttliche Ewigkeit.

Es ist 31. Oktober, -  Reformationstag, -  die Dinge neu in den Blick nehmen..

~*~

Wir gedenken Allerheiligen aller Heiligen. Ich weiß, ein Heiliger wird man nicht, weil man ein Tugendbold oder ein geistlicher Kraftprotz ist. Ein Heiliger ist man, weil Gott einen liebt und man sich von solcher Liebe aus der Reserve kitzeln lässt, um Echo zu geben. Christliche Heiligkeit wächst nicht aus dem eigenen Entschluss, sondern als Antwort auf ein Geschenk. Ich versuche nur einzuholen, was ich durch Gott schon bin. Die verehrten und die unbekannten Heiligen sind mir Zeugen, dass ein solcher Weg geht, und auch wie er gehen kann. Sage nicht zu schnell, ich brauche keine Heiligen. Du bist ständig von ihnen umgeben, - von den Lichtzeugen des Geliebtwerdens, durch die die Grundliebe Gottes dir entgegenblitzt. Ich brauche Heilige.

Es ist 1. November, Allerheiligen, - das Lockfest der Ermutigung, Gott zu antworten auf seine Liebe.

 

~*~

Die Leute strömen auf die Friedhöfe. Sie pflegen die Gräber ihrer Lieben, - stellen ein Licht auf. Es steckt sicher ein Sozialzwang dahinter: man tut das. Wenn man nicht negativ auffallen will, dann tut man das eben. Aber es steckt doch auch mehr darin. Ehrerbietung den hier Liegenden, die nicht vergessen sind. Und es ist auch Selbsterkenntnis, dass ich diese paar Quadratmeter Grab brauche, um meiner Trauer Tränen zu gönnen, - um Unsagbares über dem Grab auszusprechen, - um Trost zu suchen und zu finden. ‚Wieviel Erde braucht der Mensch?’ fragt eine Novelle von Tolstoi. Sehr wenig, - ein Grabquadrat, - aber ganz ohne Erde geht es nicht. Ohne Erde geht das Leben nicht. Ohne Erde verliere ich den Boden unter den Füßen, - sei es dass ich ins Traumland Nirgendwo wegschwebe, - sei es, dass sich der Abgrund Nichts auftut. Ich brauche die Gräber, um leben zu können

Es ist 2. November, Allerseelen, - ich suche einen Ort, wo ich stehen kann, um die Welt aus den Angeln zu heben.

~*~

Drei Denktage. Jeder weist auf seine Weise darauf hin, dass wir Menschen der Erde sind, - dass wir noch nicht angekommen sind, - dass wir Geschöpfe auf dem Weg sind, - dass wir das Ziel nicht aus dem Auge verlieren dürfen, ... bis ER kommt in Herrlichkeit.

Abt Albert Altenähr OSB.
051030

Fotos: 1 u. 2: barocke Reliquienkapsel, Familienbesitz Abt Albert
3: Friedhof Abtei Kornelimünster

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