Textauswahl

Kirchenjahr / Feste
Advent und Weihnachten

Fastenzeit und Ostern
Fastenzeit 2010
Lösen
Ostern 2009
Ein römischer Kreuzweg
3. Fastensonntag 2009
Fastenzeit 2009
Das Grab ist leer
Beim Herrn bleiben
Das Töchterchen des Jaiurs
Aschermittwoch 2007
Spurensuche
Im Feuer der Sehnsucht:
der ungläubige Thomas

Ein Licht durchleuchtet die Nacht - Ostern 2006
Karfreitag 2006
Sich abwenden vom Spalt der Grabkammer
Weihnachtstür und Osterstein
Die Erde ist Gottes so voll
Geburtsfest neuen Lebens
Dem neuen Geist entgegen
Osterkerze 2005
Schweißtuch der Veronika
Wasser aus dem Felsen
Glaube an das Evangelium

Aschermittwoch 2005

Runde Sache Pfingsten

Pfingsten 2004

Oster-Verdichtungen
Christusfenster
Gründonnerstag 2004
Fasten
Ostern 2003
Stopp! Da geht's lang
5. Fastensonntag
Menschen mit Geist 
Pfingsten Elija

Ostern 2002
Ostersonne
Fastenzeit 2002

Jahreskreis

Gedanken zu
Psalmen

Benediktinisches

Anfänge

weitere Texte

 

 

 

Ein römischer Kreuzweg
Der Ponte S. Angelo und die Engelsburg

Ich unterstelle einmal: die wenigsten Rombesucher nehmen das Ensemble der Engelsburg und der Tiber-Brücke, die zu ihr hinführt als einen Kreuzweg wahr, wie er in unseren katholischen Kirchen gang und gäbe ist. Dass Burg und Brücke in einer Zusammenschau zu sehen sind, ist wohl deutlich, – der Engel oben auf der Burg und die Engelfiguren auf der Brücke lassen kaum eine andere Deutung zu, aber sind die Engelfiguren der Tiber-Brücke mehr als der künstlerische Reflex Berninis auf den krönenden Engel auf der Burg?

Meine Studienjahre in Rom und viele Besuche der Ewigen Stadt danach haben mir immer wieder die Schönheit des Ensembles von Burg und Brücke bewusst gemacht, aber erst der „meditative“ mehrmonatige Aufenthalt 2008 in Rom, haben in mir den „Klick“ ausgelöst: „Das ist ein barock gestalteter Kreuzweg! Brücke und Burg kann man ‚meditieren’! Man kann sie ‚beten’!

Zehn Engel begleiten den Rom-Besucher über die Brücke. Bernini hat sie geschaffen. Und der Name „Bernini“ lässt die Gedanken voll Bewunderung erstarren, so dass man fast nichts mehr sieht als eben „Bernini“.

Jeder Engel trägt ein Leidenswerkzeug. Je weiter man auf die Engelsburg zugeht, desto weiter schreitet man auf dem Kreuzweg Jesu voran. Es ist eine Wanderung vom Urteil des Pilatus bis zum Lanzenstoß des Soldaten in die Seite des Gekreuzigten. Die einzelnen Engel tragen folgende Zeichen des letzten Weges Jesu:

Ponte S Angelo Geissel DSC02330 - hp.jpg (188776 Byte) Geißel

Geißelsäule

Ponte S Angelo - Geisselsaeule DSC02463 - hp.jpg (190891 Byte)
Ponte S Angelo Dornenkrone DSC02331.jpg (188941 Byte) Dornenkrone

Schweißtuch

Ponte S Angelo Schweisstuch DSC02332a. - hpjpg.jpg (167525 Byte)
Ponte S Angelo Gewand DSC02334a - hp.jpg (168523 Byte) Rock, Würfel

Kreuznägel

ponte S Angelo Naegel DSC02333a - hp.jpg (172460 Byte)
ponte S Angelo INRI DSC02335a - hp.jpg (172051 Byte) Kreuztitel INRI

Kreuz

Ponte S Angelo Kreuz DSC02466 - hp.jpg (195984 Byte)
Ponte S Angelo Essigschwamm DSC02337a -hp.jpg (187356 Byte) Essigschwamm

Lanze

Ponte S Angelo Lanze DSC02338a - hp.jpg (185556 Byte)

… und dann steht der meditierende Wanderer vor der Engelsburg. Sie ist das Mausoleum für den Kaiser Hadrian. Das Mausoleum ist leer. Der Leichnam des Kaisers ist nicht mehr da. Die Burg ist ein leeres Grab, … das Grab eines zwar heidnischen Kaisers, - … ist es aber nicht nachvollziehbar, dass barocke Theologen und Künstler mit einem Sinn für das Theatrum und alle möglichen Metamorphosen sich damit leicht taten, dieses heidnische leere Grab zu „taufen“, um es zum Grab Christi hinüberzudeuten?

Der Engel, der nach der Erzählung einer Vision Papst Gregors des Großen mit großem Gestus das Schwert in die Scheide steckt und so das Ende einer Pestepidemie ankündigt, - … kann er in diesem berninisch-barocken Szenario nicht der Engelbote am leeren Grab des Ölberggartens sein, der von der Vollendung des Erlösungswerkes kündet? Der Tod hat verloren, das Leben gewonnen.

Wenn ich künftig über den Ponte S. Angelo gehe, werde ich es wohl auch jetzt kaum in tief betender Versunkenheit tun. Aber mein Wissen um die Gebetsdimension von Brücke und Burg lässt mich mehr sehen als zuvor. … und vielleicht lehnt sich Bernini auf einer Himmelswolke zufrieden zurück und zwinkert dem Herrgott zu: „Da hat unter den vielen blinden Touristen einer ein offenes Auge gehabt.“

P. Albert Altenähr
090404

nach oben