Oster-Verdichtungen
Zu einem Spruch neige ich mein Ohr, ich löse mein Rätsel auf beim
Harfenspiel.
Ps 49,5
Palmen-Fragen
Hosianna dem Sohne Davids -
jubeln Jünger und Menge.
Tod dem falschen König -
hetzen Ge-Rechte die Massen.
Wer bin ich? Wo bist du?
fragt der hin und her Verzerrte.
Im Sabbat meiner Hände
ruht der Sieg -
spricht der Unsagbare, Er:
Mein Sohn bist du!
Christus, der Herr!
040404
Brot voll Liebe
„Manna“ – bekamen sie in der Wüste.
„Was ist das?“ – so heißt das übersetzt
und dabei ist’s geblieben. –
„Das ist mein Fleisch“ –
sagt der Herr
„Was ist das?“ fragen
Juden damals
und Christen noch heute
„Kann denn sein,
was nicht sein kann?“
Fladenfad bleibt der Geschmack
für den,
der über den Brotrand hinaus sich nicht glaubt.
Auf den Geschmack wird kommen
wer sich hinüberglaubt
zu Ihm:
‚Was-ist-das?’-Brot, -
Geschmack der Liebe-
Fein - Schmecker Kost und Köstlichkeit!
040407
Kreuzverehrung
Wir gehen nicht in die Knie,
weil wir alle Kraft verloren haben.
Wir beugen die Knie
in einem Akt der Demut,
die den Starken ehrt.
Das ewige Wort wurde
sterblicher Mensch,
der Allschöpfer dient dem Geschöpf,
der Liebende liebt über die Grenzen hinaus,
der Allmächtige herrscht in der Ohnmacht,
den Tod nimmt er in die Mitte des Lebens.
Wir beugen die Knie
vor dem, der Last auf sich nimmt,
der der Menschheit Schuld trägt,
der uns trägt,
der alles Kreuz der Welt auf sich geladen hat.
Gott am Kreuz –
ein starkes Ding!
Kreuzverehrung –
ein starkes Zeichen!
040405
Oster-Evangelium
Der Stein ist groß, nicht zu tragen groß –
schwer liegt er vor der Seele.
Leer ist die Leere, endlos leer –
Nicht-Leben in Fülle.
Ich sehne mich nach einem
Engel,
der den Stein ins Rollen bringt,
und mich aus dem Totenreich
nach Galilaea weist:
nicht hier, in steinerweichend harter Leere -
nein, dort gibt es was zu sehen!
Mich verrückt’s
aufs Unglaubliche hin.
Ich wage es -
ich wage mich:
Er lebt!
Ich werde lebendig.
040406
Emmaus
Ihr mit gehaltenen Augen,
- entschleiern will ich euren Blick.
Das verdürrte Gezweig eurer Seelen,
- erröten wird der Dornbusch im Feuer.
Euren zermüdeten Schritt,
- auffreien will ich ihn in Kraft.
Wie Bileam sehn sie das Ferne,
-
Wie Mose treibt’s sie zum Aufbruch.
Wie Mirjam tanzt ihnen das Herz.
040403
Abt Albert Altenähr OSB
|