Textauswahl

Kirchenjahr / Feste
Advent und Weihnachten

Fastenzeit und Ostern
Weisser Sonntag 2011
Osterkerze 2011
Verhülltes Kreuz
Vom Segen des Anfangs
Wenn du fastest
Osterkerze 2010
Fastenzeit 2010
Lösen
Ostern 2009
Ein römischer Kreuzweg
3. Fastensonntag 2009
Fastenzeit 2009
Das Grab ist leer
Beim Herrn bleiben
Das Töchterchen des Jaiurs
Aschermittwoch 2007
Spurensuche
Im Feuer der Sehnsucht:
der ungläubige Thomas

Ein Licht durchleuchtet die Nacht - Ostern 2006
Karfreitag 2006
Sich abwenden vom Spalt der Grabkammer
Weihnachtstür und Osterstein
Die Erde ist Gottes so voll
Geburtsfest neuen Lebens
Dem neuen Geist entgegen
Osterkerze 2005
Schweißtuch der Veronika
Wasser aus dem Felsen
Glaube an das Evangelium

Aschermittwoch 2005

Runde Sache Pfingsten

Pfingsten 2004

Oster-Verdichtungen
Christusfenster
Fasten
Ostern 2003
Stopp! Da geht's lang
Menschen mit Geist 
Pfingsten Elija

Ostern 2002
Ostersonne
Fastenzeit 2002


Jahreskreis

Gedanken zu
Psalmen

Benediktinisches

Anfänge

weitere Texte
 

 

 

Ostern 2009

In der Erzählung von der Auferstehung des Lazarus heißt es am Ende: "Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen" (Joh 11,44). Auferstehung, Auferweckung kann so verstanden werden als ein Gelöst-Werden, als ein mich Lösen-Lassen. So sehr die Evangelien auf Jesus hin das Wort von der Auferstehung kennen, so wird ebenso das Wort von der Auferweckung verwendet. D. h. Ostern ist nicht so sehr ein aktives Tun, es ist ein Geschehen-Lassen. Geschehen-Lassen an Jesus, ebenso Geschehen - Lassen an mir! Aus der Passivität des Leidens und Sterbens in die Passivität des neuen Lebens hinein.

Neues Leben, österliches Leben wird geschenkt, wird an jedem, der glaubt, gewirkt werden. Im Sinne von Geschehen - Lassen ist Ostern unserer Zeit und unserem Empfinden eher fremd. Ich möchte selber bestimmen, was geschieht, ich möchte Herr über Raum und Zeit sein, ich will die Fäden in der Hand halten.

"Die Fäden in der Hand halten". Jesu Wort auf Lazarus hin: "Löst ihm die Binden." Ich soll die Fäden loslassen, ich soll das Heft aus der Hand geben, ich soll hinnehmen, dass neues Leben an mir geschieht. Loslassen, zulassen, geschehen lassen. Ein anderer handelt, ein anderer bestimmt, ein anderer gibt die Richtung vor.

Einem anderen, christlich gesprochen DEM anderen Raum in meinem Leben geben, dazu bedarf es neu des Mutes. Es bedarf der Zeit und des Raumes, in denen Christus in und an mir wirken kann. Wir Mönche versuchen im Chorgebet und in persönlicher Meditation dem Raum zu geben, Ihm Raum zu geben, Ihm Zeit zu schenken. Nicht irgendeine Zeit, sondern die besten Zeiten an den Eckpunkten des Tages. Es ist eine Freude zu erfahren, dass nicht nur Ordenschristen, sondern immer mehr Menschen "in der Welt" versuchen, Raum und Zeit zu verschenken an den Gott des Lebens, der seinerseits Raum, Zeit und Leben schenkt. Da wird erfahrbar, da wird erlebt, was wir in einem Lied aus dem Gotteslob singen: "Hilf Herr meiner Stunden, dass ich nicht gebunden an mich selber bin" (GL 622,3).

Nicht an mich gebunden sein ist eine kleine alltägliche Erfahrung von Ostern, mich heraus nehmen, mich lösen zu lassen aus der Vielfalt der Geschäftigkeiten, Verpflichtungen und Aktivitäten beruflicher sowie privater Natur. Die Fastenzeit war eine solche Zeit des Sich - Lösens, zu schauen, was wirklich bindend, notwendig und wichtig war. Die Osterzeit wird eine Fortsetzung dieser Erfahrung mit sich bringen. Gelöst von vielem Ballast in die Freiheit der Kinder Gottes immer tiefer hinein zu wachsen. Lassen wir uns lösen - und so erlösen.

Abt  Friedhelm
090406


nach oben