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Ostern 2009
In der
Erzählung von der Auferstehung des Lazarus heißt es am Ende: "Löst ihm
die Binden und lasst ihn weggehen" (Joh 11,44). Auferstehung,
Auferweckung kann so verstanden werden als ein Gelöst-Werden, als ein
mich Lösen-Lassen. So sehr die Evangelien auf Jesus hin das Wort von der
Auferstehung kennen, so wird ebenso das Wort von der Auferweckung
verwendet. D. h. Ostern ist nicht so sehr ein aktives Tun, es ist ein
Geschehen-Lassen. Geschehen-Lassen an Jesus, ebenso Geschehen - Lassen
an mir! Aus der Passivität des Leidens und Sterbens in die Passivität
des neuen Lebens hinein.
Neues Leben,
österliches Leben wird geschenkt, wird an jedem, der glaubt, gewirkt
werden. Im Sinne von Geschehen - Lassen ist Ostern unserer Zeit und
unserem Empfinden eher fremd. Ich möchte selber bestimmen, was
geschieht, ich möchte Herr über Raum und Zeit sein, ich will die Fäden
in der Hand halten.
"Die Fäden in
der Hand halten". Jesu Wort auf Lazarus hin: "Löst ihm die Binden." Ich
soll die Fäden loslassen, ich soll das Heft aus der Hand geben, ich soll
hinnehmen, dass neues Leben an mir geschieht. Loslassen, zulassen,
geschehen lassen. Ein anderer handelt, ein anderer bestimmt, ein anderer
gibt die Richtung vor.
Einem anderen,
christlich gesprochen DEM anderen Raum in meinem Leben geben, dazu
bedarf es neu des Mutes. Es bedarf der Zeit und des Raumes, in denen
Christus in und an mir wirken kann. Wir Mönche versuchen im Chorgebet
und in persönlicher Meditation dem Raum zu geben, Ihm Raum zu geben, Ihm
Zeit zu schenken. Nicht irgendeine Zeit, sondern die besten Zeiten an
den Eckpunkten des Tages. Es ist eine Freude zu erfahren, dass nicht nur
Ordenschristen, sondern immer mehr Menschen "in der Welt" versuchen,
Raum und Zeit zu verschenken an den Gott des Lebens, der seinerseits
Raum, Zeit und Leben schenkt. Da wird erfahrbar, da wird erlebt, was wir
in einem Lied aus dem Gotteslob singen: "Hilf Herr meiner Stunden, dass
ich nicht gebunden an mich selber bin" (GL 622,3).
Nicht an mich
gebunden sein ist eine kleine alltägliche Erfahrung von Ostern, mich
heraus nehmen, mich lösen zu lassen aus der Vielfalt der
Geschäftigkeiten, Verpflichtungen und Aktivitäten beruflicher sowie
privater Natur. Die Fastenzeit war eine solche Zeit des Sich - Lösens,
zu schauen, was wirklich bindend, notwendig und wichtig war. Die
Osterzeit wird eine Fortsetzung dieser Erfahrung mit sich bringen.
Gelöst von vielem Ballast in die Freiheit der Kinder Gottes immer tiefer
hinein zu wachsen. Lassen wir uns lösen - und so erlösen.
Abt Friedhelm
090406 |