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Die
Segel in den Wind stellen
„Man muss
die Segel in den unendlichen Wind stellen, dann erst werden wir spüren,
welcher Fahrt wir fähig sind“ schreibt der Jesuit und Widerstandskämpfer
Alfred Delp wenige Tage vor seiner Hinrichtung (2.2.1945).
In seiner damaligen Situation war das eine Zusammenfassung seines
Lebens. Es ist ein Wort des Abschieds, ein Vermächtnis, und ein Wort des
Aufbruchs, die Vision und Sehnsucht neuer Horizonte.
Das
Wort Alfred Delps ist ein ausgezeichnetes Wort, um die Erfahrung der
pfingstlichen Geistsendung in den Aposteln und der frühen Kirche zu
beschreiben. Es kann zum täglichen Gebet um die Lebendigkeit der großen
Kirche und der ganz kleinen Kirche, die ich bin, formuliert werden.
Wer
sein F ä h n l e i n in den Wind stellt, der spürt zwar den Wind und
er mag sich selbst – und anderen - sehr bewegt vorkommen, aber er kommt
doch nicht weiter. Bewegtheit und Bewegungen flattern manchmal heftig,
aber haben sie bei allem Sturm und Drang den Mut zum Weg, … den Mut zu
seinen Steinen, … zu seinen Auf- und Abstiegen, … zu seiner Dauer und
Länge?
Alfred
Delp hat nicht ein Fähnlein in den Wind gestellt. Er hat die S e g e l
in den Wind gestellt. Er nennt sie „unendliche“ Segel. Ich meine, in
diesem Adjektiv die Sehnsucht nach dem zu spüren, was alle Grenzen
übersteigt. Es ist die Sehnsucht nach einer Horizonterweiterung, die
begrenzende Horizonte nicht mehr kennt. Delp lockt mit seinem Wort zum
Weg in unendliche Weiten. Es lockt ihn zu Gott hin, der reine Weite ist.
Ich
kann Delps Wort auf mich hin lesen. Wenn ich mich selbst als Segel
in den Wind stelle, dann dümpele ich nicht mehr vor mich hin. Ich
nehme Fahrt auf und komme in Fahrt. Dann bewegt sich was, denn ich
bewege mich. Nichts wird sich bewegen, solange ich mich nicht
bewege. Wenn ich Fahrt gewinne, gewinne ich das Leben.
Pfingsten – das ist Einladung, das Sehnsuchtssegel in den Atem- und
Geistwind Gottes zu stellen. Dass der Wind gelegentlich stürmisch
wird, das muss uns nicht ängstigen. Gott ist ein Gott des liebenden
Windhauches und nicht weniger ein Gott stürmischer Liebe. Pfingsten
erzählt davon. Wenn wir uns darauf einlassen, dann werden wir
erfahren, „welcher Fahrt wir fähig sind“.
P.
Albert
080507
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