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Ostern 2011
Das verhüllte Kreuz
In diesem
Jahr werden wir am Karfreitag in der Liturgie vom Leiden und Sterben
Jesu Christi wieder ein verhülltes Kreuz in die Kirche tragen und nach
und nach wieder sichtbar machen. Zum Passionssonntag wird es verhüllt.
„Wollen die Mönche zur alten Liturgie zurück kehren?“, werden sich
einige fragen. Es geht darum, etwas Sinnvolles wieder einzuführen, was
lange Zeit nur wenig geübt wurde.

Mir
persönlich war eine kleine Offenbarung die Verhüllung des Reichstages in
Berlin im Sommer 1995 durch das Künstlerehepaar Christo und
Jeanne-Claude. Indem der Reichstag für zwei Wochen nicht zu sehen war,
konnte er nachher wieder mit neuen Augen wahrgenommen werden. Die
Künstler machten etwas, was in der Kirche seit Jahrhunderten Brauch war.
Durch Verhüllen das Sehen und Wahrnehmen schärfen! Wir sehen täglich so
vieles – und nehmen es kaum mehr wahr. Verhüllen als eine Art „Fasten
für die Augen“, um die Sehschärfe wieder zu verstärken. Vielleicht mag
dem einen oder der anderen durch ein verhülltes Kreuz auch das
Skandalöse des Kreuzes wieder aufgehen. Die meisten tragen ein Kreuz, in
vielen Zimmern unserer Häuser und Wohnungen ist es zu finden, bis hin zu
öffentlichen Gebäuden. Das Kreuz als Zeichen der Schande, das für uns
Christen zum Zeichen der Hingabe, der Liebe, der Hoffnung und des Lebens
geworden ist. Jenseits allen künstlerisch wertvollen, aller kostbaren
Materialien ist das Anstößige des Kreuzes wieder in den Blick zu nehmen
– und da hindurch das Hoffnungsvolle und Belebende neu zu entdecken.
Aber es ist auch die Frage zu stellen, wo wir als Christen - als
einzelne und in Gemeinschaft - das Kreuz leben, aus dem Kreuz leben...
Das
verhüllte Kreuz als Fasten für die Augen. Vielleicht kann die Fastenzeit
generell unseren Blick schärfen für unser Tun und Lassen. In einer
globalisierten Welt scheint alles immer und überall gleichzeitig zu
haben zu sein: Sonnenurlaub in Winter, Schifahren im Sommer, zu jeder
Jahreszeit Obst und Gemüse, das sonst nur innerhalb der Saison zu haben
war. Schnell gewöhnen wir uns an diese Gleichzeitigkeit und erleben
nicht mehr das Besondere einzelner Zeiten, einzelner Lebensmittel. Oder
auch: Immer und überall die „schreienden Bilder“ der Reklame, die
Allgegenwart der Geräuschkulissen in öffentlichen wie in privaten
Räumen.
Das
verhüllte Kreuz: Hinsehen auf das, was nicht gesehen werden kann, neu
sehen dessen, was verborgen ist, ein Änderung, vielleicht sogar die
Wandlung des eigenen Lebens(stiles) ein kleines Stück weit ermöglichen.
Abt Friedhem Tissen
Der
Bericht über die vergangenen Monate
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