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Gedanken zur Silberprofess von P. Friedhelm
(Zusammenfassung der Predigt im Festgottesdienst, 20.05.01)
1. »Musik ist mehr, als was in den Noten steht«
(Gustav Mahler).
Als Komponist und Dirigent hat Mahler erfahren, wie schwer es ist, das,
was in ihm lebt, schwarz auf weiß in den Notenzeichen niederzulegen, und
wie schwer es ist, die geschriebene Partitur zu dem Leben zu erwecken,
die »hinter« ihr lebt. Jedes dargebotene Werk der Musik zeigt
»anderes«
Leben. Es lebt den Komponisten, den Interpreten (seine Fingerübungen,
seine Etüden, sein Können, sein
»Spielen«, sein intellektuelles und sein
Herzensverständnis des Werkes) ... und dann auch noch den Hörer und
seine »Stunde«, in der er das Werk jetzt hört und aufnimmt. Noten werden
Musik, wenn im Zusammenspiel(en) Stimmigkeit der Herzmitten aufscheint.
2. Ordensleben ist mehr, als was in der Ordensregel
steht.
Es ist mir in letzter Zeit mehrfach aufgefallen, dass Journalisten, die
über uns geschrieben haben, von den
»Ordensregeln« des hl. Benedikt
sprachen, die unser Leben bestimmen. Das ist für uns ein ungewohnter
Plural; wir sprechen immer von der
»Ordensregel« - im Singular. Gewiss
gibt es in dieser Regel viele Regelungen, - also Regeln. Aber diese
Regeln sind wie einzelne Noten oder auch Notensequenzen, aber weder als
einzelne Note noch als bloß aneinandergereihte Notensequenzen, - ja,
nicht einmal in ihrer bloßen Gesamtaddierung (also in ihrer Summe)
fangen sie lebendiges Ordensleben ein. Auch wenn alles
»richtig« sein
mag, kann es doch sein, dass es von vorne bis hinten nicht
»stimmt«, -
nicht »klingt«, - keine Musik ergibt, ... - weil das Feuer des Herzens
fehlt.
3. Abba Lot ging einst zu Abba Joseph und sagte zu
ihm: »Abba soweit ich es vermag, halte ich meine kleine
Gottesdienste, - ich faste ein wenig, - ich bete, - ich meditiere, - ich
lebe in der Sammlung, - und, soweit ich kann, reinige ich meine
Gedanken. Was muss ich noch tun?« Da erhob sich der Altvater und
streckte seine Hände zum Himmel hinauf. Seine Finger wurden wie zehn
Feuerlichter und er sagte zu ihm:
»Wenn du IHN willst, werde
ganz wie Feuer.«
»Du
kannst nicht Mönch sein, wenn du nicht ganz in Feuer gerätst« [Apophtegmata Patrum (Bonifaz
Miller (Hg.), Weisung der Väter ... Nr. 390 und 389)].
Abt Albert Altenähr OSB |