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Wo ist mein Platz?
Die Mitte verbindet !
Predigt am Tag der Freunde, 29.8.2010
zu: Sir 3, 17-18.20.28-29
und Lk 14, 1.7-14
„Bescheidenheit
ist eine Zier, doch weiter kommst du ohne ihr.“ Dieses Sprichwort, liebe
Schwestern und Brüder, könnte man als eine Antwort auf den Beginn der
alttestamentlichen Lesung geben. Wer liebt noch Bescheidenheit, wer lebt
sie noch? Unsere heutige Zeit wird nicht selten eine „Ellbogen –
Gesellschaft“ genannt. Jeder sorgt für sich, jeder kümmert sich darum,
wie er sich am besten positionieren kann.
Nicht nur heute ist das so,
offensichtlich war es immer so, auch zur Zeit Jesu. Jesus bemerkt das
Verhalten der Gäste; er sieht zu, er bewertet nicht. Er kennt die
Menschen und will vor Augen führen, was wirklich wichtig ist.
Seinen Platz in Familie und Schule, am
Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in Gesellschaft und Kirche zu suchen und
zu finden ist eine wichtige Aufgabe, vor allem für den heranwachsenden
Menschen. Immer wieder drängt uns die Frage: „Wo ist mein Platz?“ Die
Antwort gibt aber nicht der einzelne Mensche, sondern auch die ihn
umgebende Gesellschaft.
Wir teilen gerne ein: oben und unten,
links und rechts, gut und böse, konservativ und progressiv, angenehm
oder widerwärtig, vornehm oder gemein, hilfreich oder zu nichts nutze.
Wir teilen und verurteilen dadurch schnell. Den untersten Platz
auswählen, das mag keiner. Von einem Kampf um den letzten Platz hören
wir nichts.
Wie könnte eine Lösung aussehen, die
allen Menschen trotz ihrer Unterschiede, gerecht wird?
Ein Maler des 14. Jahrhunderts hat ein
eucharistisches Pfingstbild gemalt, wo die Jünger um einen runden Tisch
sitzen. Die Geisttaube bringt die Eucharistie, die auch auf der Mitte
des Tisches liegt. Von ihr gehen rote Linien zu einem jeden Teilnehmer
des Mahls. Das ist die wichtigste Verbindung: die mit Jesus Christus.
Alle sind mit ihm verbunden, alle gehören ihm an. Unterschiede machen
wir Menschen; in Jesus Christus sind sie aufgehoben, bei ihm zählt, dass
wir Menschen zu ihm gehören. Der runde Tisch: Heute in Politik und
Gesellschaft eine häufig zu findende Einrichtung. Wir sollten ihn auch
in unseren Herzen aufstellen!
Ein anderer Zugang: In einem jüdischen
Wort wird gefragt, warum die Menschen heute Gott nicht mehr zu sehen
vermögen. Die Antwort: Weil sich niemand mehr bücken kann. Wir neigen
bisweilen dazu uns aufzuplustern, uns größer und besser erscheinen zu
lassen als wir sind. Auf andere herabzuschauen ist leichter, als zu
ihnen aufzuschauen.
Gott selber hat sich in Jesus Christus
klein gemacht: „Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, Gott
gleich zu sein“ (Phil 2, 6). Machen wir uns wie Jesus Christus klein.
Dann brauchen wir nicht mehr zu vergleichen, nicht mehr zu verurteilen,
nicht mehr einzuordnen und festzulegen, wer größer, besser, wertvoller
ist.
Finden wir
die rechte Mitte, finden wir den lebendigen und intensiven Zugang zu
Jesus Christus, dann finden wir unseren rechten Platz. Schauen wir auf
zu dem, der uns anschaut, der uns unsere unverwechselbare Identität
gegeben hat. Dann mag alles Prestigedenken an ein Ende kommen, dann
können wir uns versammeln als Gäste Jesus Christi an dem einen Tisch,
miteinander Mahl halten und Eucharistie feiern. Denn er ruft uns, er
lädt uns ein, er will uns bei sich haben. Das alleine zählt. Dann finden
wir den rechten Umgang miteinander und mit dem dreifaltigen Gott. Amen
Abt Friedhelm Tissen OSB
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