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Lesungen und Predigt zur Eucharistiefeier
anlässlich der ewigen Profess von Frater David Palm,
Abtei Kornelimünster, am 01. Mai 2002
1 Könige 19,11 Der Herr sprach zu Elija: Komm heraus
aus der Höhle, und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der
Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und
die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im
Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im
Erdbeben.
12 Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der
Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.
13 Als Elija es hörte, hüllte er sein
Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.
Johannes 3,1 Es war ein Pharisäer namens Nikodemus,
ein führender Mann unter den Juden.
2 Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte
zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen
ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit
ihm ist.
3 Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich
sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich
Gottes nicht sehen.
4 Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein
Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den
Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden.
5 Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage
dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht
in das Reich Gottes kommen.
6 Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist
Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.
7 Wundere dich nicht, daß ich dir sagte:
Ihr müßt von neuem geboren werden.
8 Der Wind weht, wo er will; du hörst sein
Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es
mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.
Die Feier der ewigen Profess gehört zu den
Initiations-, den Einführungsriten und -feiern des klösterlichen
Lebens. Sie ist deren Abrundung und Höhepunkt. Der neue Mitbruder ist
da. Er ist da angekommen, wohin ihm seine Sehnsucht und Hoffnung
Zukunft verhieß. Diese ersehnte Zukunft ist im Jetzt der Gegenwart
angekommen. Frater David schenkt sich Gott und unserer Gemeinschaft. Wir
Mönche schenken uns und unsere Gemeinschaft ihm. Der mehrjährige
Wegprozess des Klostereintritts ist abgeschlossen. Er ist zur Ruhe
gekommen. Kann und will Frater David sich nun zur Ruhe setzen?
Die Frage dürfte sich in ähnlicher Weise mancher
gestellt haben, als er vor vier Jahren davon hörte, dass der damals
72-jährige verwitwete und pensionierte Realschullehrer Johannes Palm,
Vater von vier Kindern und 11 Enkelkindern - inzwischen sind es 13 und
ein Urenkel -, in das Kloster Kornelimünster eingetreten ist. Das
Kloster als vielleicht ein wenig aparter, aber letztlich doch gar nicht
so ganz abwegiger Ruheplatz und Alterssitz?
Wenn Frater David je so gedacht haben sollte, dann dürfte
ihm sehr bald deutlich geworden sein, dass er sich gründlich geirrt
hatte. Ordensleben ist und bleibt ein, - wenn nicht sogar d e r Unruhestand
des Lebens! Er ist die Unzufriedenheit mit dem, was das Leben so
alles anzubieten hat. Beruf und berufliches Fortkommen,
Anspannungen in den Alltagen und Entspannung in den Urlauben, das
Regengrau der Rurebene und der Sonnenschein der Berge und südlicher Strände,
dröge Konferenzsitzungen und der Genuss von Musik, nervige Mitmenschen
und schmusefreudige Enkel ... und alles, was an Farbschattierungen
dazwischen liegt, ... war und ist es das? Ist das des Lebens-Pudels
Kern? Es muss im Leben mehr als alles geben! Ordensleben ist die
Unzufriedenheit, die sich nur mit diesem Mehr über und
jenseits von allem zufrieden geben will.
Lieber Frater David, mit der Stunde der ewigen Profess
sind Sie darum zwar in unserer Gemeinschaft ganz angekommen und voll
aufgenommen, aber wir verstehen uns als eine Gemeinschaft, die auf einem
Weg ist und bleibt zu einem Ziel, das uns immer voraus ist. Wir glauben,
dass Gott nur für den eine lebendige Gegenwart werden und sein kann,
der weiß, dass er ihn nie erreicht hat. Wer meint, Gott irgendwann und
endlich zu haben, dem zerrinnt er zwischen den Fingern. Wer in der
Gottsuche bleibt, dem bleibt er spannend und dem wurzelt er sich in sein
Herz hinein.
Wie kann einer, der an Jahren alt ist, wiedergeboren
werden, fragt Nikodemus, - wie kann er jung bleiben? ... indem er dem
Sturmklang und dem Windhauch des Geistes nachlauscht, - ... indem er der
Ahnung nachgeht: da ist doch noch etwas, das den Einsatz lohnt. Indem er
zum Frieden, - zu dem, der der Friede ist, hinstrebt. Wie dem Adler
wird die Jugend ihm neu! (Ps 103,5)
Albert Altenähr OSB
020426
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