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Sanctus enim dies
Domini est
Heute ist
ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn (Neh. 8,10)
(zum
3. Sonntag im Jahreskreis)
Es gibt Bibelstellen, die so dicht sind, dass sie sich gegen wortreiches
Predigen sträuben. Man sollte sie einfach stehen lassen, - sie sich auf
der Zunge der Seele zergehen lassen, - sie wieder und wieder
wiederholen. Man kann sich ihnen anvertrauen. Sie haben Wirkung.
Am dritten
Sonntag im Jahreskreis bietet uns die Messliturgie in der
alttestamentlichen Lesung aus dem Buch Nehemia eine solche Stelle an.
Neh 8,10 Der Priester und Schriftgelehrte Nehemia sagte
zum Volk: Nun geht, haltet ein festliches Mahl, und trinkt süßen Wein!
Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein
heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die
Freude am Herrn ist eure Stärke.
Der
lateinische Communio-Gesang greift aus der Lesung diesen Vers auf und
malt ihn in seiner Melodie nach. Er ist Meditation.

Einem Fanfarenstoß gleich singt die dritte Zeile „sanctus enim dies
Domini est - Heute ist eine heiliger Tag zur Ehre des Herrn“. Die
Melodie beginnt streng syllabisch, - pro Silbe ein Ton - und es sind nur
zwei Töne, die viermal hintereinander folgen. Welch kraftvoller
Melodiestrich bläst uns ins Ohr, dass dieser Tag ein heiliger Tag zur
Ehre des Herrn ist.
An einem
Sonntag gesungen, dürfen wir uns das durchaus für die Frage unserer
heutigen Sonntagsgestaltung und Sonntagsheiligung ins Herz und ins
Gewissen singen lassen. Der Sonntag ist Gottes Tag! Ist er das in
unserer Wochenendpraxis?

Der
Communio-Gesang endet „gaudium etenim Domini est fortitudo nostra - Die
Freude am Herrn ist unsere Stärke.“ Ein klein wenig hat die lateinische
Übersetzung den biblischen Text verändert. Der Priester Esra hatte gesagt: „Die
Freude am Herrn ist eure Stärke“. Die Communio singt: „Die Freude
am Herrn ist unsere Stärke“. Die Gemeinde antwortet mit dieser
Variante dem Priester Esra. Sie weiß sich - in welcher Not auch immer
-
gestärkt durch den Zuspruch und nimmt ihn als Bekenntnis auf: „Unsere
Stärke ist die Freude am Herrn“.
Die Melodie dieses Bekenntnisses baut sich langsam auf, um in dem Wort
von der „fortitudo - Stärke“ zur Fülle zu gelangen. Acht Noten gönnen
sich die Sänger und die Gemeinde, um den Wortakzent auf der dritten
Silbe von „fortitudo“ hervorzuheben.

Der Priester Esra hatte zu einer verzagten Gemeinde
gesprochen. Er fand die richtigen Worte und die Gemeinde entdeckte neu,
wo die Quelle der Kraft ist. Ihre äußeren Grenzen waren dieselben wie
vorher, aber die Quelle der Stärke sprudelte neu: Die Freude am Herrn.
Das ist der Reichtum der Gemeinde, so arm sie sich vielleicht auch
äußerlich erfahren muss.
Esra ist ein sehr moderner Prediger für jede Zeit -
auch für die
unsere.
Herr,
schenke uns Künder wie ihn!
Abt Albert
Altenähr OSB
070120 |