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Advent 2001
Johannes
der Täufer Prophet des Adventes
zum
Evangelium des 2. Advent; Matthäus 3
Wenn
sich Wege in die Länge ziehen, dann braucht es immer wieder einmal
einen ermutigenden und aufrüttelnden Anstoß, den Schritt nicht
erlahmen zu lassen oder gar den Weg ganz abzubrechen. Der Glaubensweg
eines Menschen ist so ein langer Weg. Auf ihm gibt es natürliche Phasen
der Müdigkeit, in denen man voll Verzweiflung die Entfernung zu Gott
ausmisst (Nelly Sachs). Der jährlich wiederkehrende Advent ist das
Angebot eines Einkehrortes am Glaubensweg. Johannes der Täufer kann bei
dieser Einkehr ein Gesprächspartner der Ermutigung sein.
So, wie Matthäus
Johannes den Täufer in sein Evangelium einführt, lässt sich noch
deutlich nachspüren, wie kraftvoll sein Auftreten war und welche
Resonanz er und seine Botschaft gefunden hat. Zwei Dinge berichtet Matthäus.
Er erzählt die Botschaft des Johannes und er erzählt von Johannes
selbst. Wir erfahren, was er sagte, und wir erfahren auch, wie er sich
kleidete und wie er lebte. Wenn wir beide Dinge miteinander in
Verbindung bringen, dann spüren wir, dass Johannes und seine Botschaft
stimmig sind. Johannes lebte die Botschaft, die er predigte. Noch vor
jedem Predigtwort, das er spricht, ist Johannes selbst eine Predigt.
Diese innere Stimmigkeit ist offensichtlich das Geheimnis der Wirkkraft
der Predigt des Täufers.
Mit einem
Wort aus dem Propheten Jesaja wird Johannes als Stimme in
der Wüste charakterisiert. Er ist in die Wüste hineingegangen
und ruft aus der Wüste seine Botschaft in die Siedlungen um den Jordan
und nach Jerusalem. Aber es ist inhaltlich mehr gesagt oder angedeutet
als eine geographische Ortsangabe. In seiner Person und Botschaft klingt
die Stimme der Wüste an
die Ohren der Zeitgefährten Jesu. Die Wüste selbst ist Israel eine
Botschaft.
Die Wüste
erzählt dem Volk Israel vom Auszug aus Ägypten, von der Begegnung mit
Jahwe am Berg Sinai, vom Einzug in das Gelobte Land. Für die Propheten
des Alten Testamentes ist die Rückbesinnung auf diese Zeit eine
mahnende Erinnerung an die Lebendigkeit der jungen Liebe, in der das
Feuer des Dornbusches und des Sinai zwischen Israel und Gott brannte.
Johannes der Täufer ist der Bote dieser Liebe, die nicht gestorben ist,
aber wieder neu geweckt werden will.
Die
Stimme in der Wüste ist bei Jesaja die Aufbruchfanfare, die verkündet,
dass die Exilszeit des Volkes in Babylon zu Ende ist. Heimkehr nach
Jerusalem und seinem Tempel, dem Ort der Gegenwart Jahwes, ist angesagt.
Den Zeitgenossen Jesajas war das Frohe Botschaft, dass der Weg zurück
in die Zukunft mit Jahwe wieder offen ist. Es ist eindringliche
Einladung, den Weg und sein Ziel nicht nur in den Blick, sondern auch
unter die Füße zu nehmen. Der traurige Traum der Gefangenen in Babylon
vom Verlust der Zukunft und der Heimat darf mit neuer Hoffnung wieder
geträumt werden. Wie und mit Jesaja lädt Johannes der Täufer ein:
Wagt den Traum der Heimkehr! Brecht auf! Geht den Weg der Umkehr! Er führt
euch zum Ziel eurer Sehnsucht: Das Reich Gottes ist viel näher als ihr
denkt.
Was
unsere Kirche braucht, sind Menschen, die den Traum des Johannes und des
Jesaja mit Feuer träumen und wagen. Es braucht Menschen, die keine
Angst haben, sich anstecken zu lassen vom Feuer der Hoffnung. Wo dieses
Feuer brennt, da ist das Reich Gottes nahe.
fr. Albert
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