|
Advent „de luxe“: Besinnungszeit
Ich fahre selten in die Stadt
hinein. Aber an diesem Tag musste ich es, um einen Termin
wahrzunehmen. Die erste Adventwoche ging auf ihr Ende zu. Mein Ziel
war nicht der Weihnachtsmarkt zwischen Rathaus und Dom, aber der Weg
führte mich doch ganz nah an ihn heran, und da ich etwas Zeit hatte,
sogar zwei, drei Meter hinein. … weiter nicht! … und ganz schnell
wieder heraus!
Als ich wieder zu meinem
Parkhaus zurückging, musste ich durch eine Schülergruppe hindurch.
Es war eine Ansammlung von weiß-bebommelten roten Zipfelmützen und
Stirnbändern mit Rentier-Geweihen. Die Truppe starrte mich in meinem
Ordenshabit an, als ob ich direkt vom Mars herabgestiegen wäre.
Rentier-Geweihe und Zipfelmützen waren das Normale, der Ordensmann
ein Exot vom anderen Stern.
Ich sage nicht, dass das, was
ich da erlebt habe, der normale Advent aller Menschen, - geschweige
denn aller Christen ist. Aber es ist doch eine kräftige
Brandungswelle, die am Sinnfelsen des Adventes aufbrandet und an ihm
nagt.
Ich war froh, wieder der Stadt
entfleuchen zu können - hinaus in die trubelfreie „adventliche
Leere“ von Kornelimünster, - hinaus in die „adventliche Wüstenei“
meines Klosters.
*
Mir will scheinen, dass B e s i
n n l i c h k e i t erst dann Wirklichkeit werden kann, wenn wir
selbst z u r B e s i n n u n g k o m m e n wollen.
Besinnlichkeit stellt sich nicht
ein, wenn wir nicht „nein“ sagen zum Getriebe. Sich treiben lassen
von dem und in dem, was einfach so da ist, führt ganz schnell dazu,
dass wir nur noch Getriebene sind. Auch Adventsfeiern - und seien
sie noch so gehaltvoll gestaltet, genügen nicht, um zur Besinnung zu
kommen, und vor allem dann nicht, wenn sie nur Pausenfüller sind für
die Betriebsamkeit bis hin zur Besinnungslosigkeit.
Es tut not, sich ganz persönlich
und sehr bewusst herauszunehmen, wenn man zur Besinnung kommen will.
Ich muss m i c h s e l b s t w a g e n wollen.
Nicht alle werden das verstehen.
Sie werden mich sonderlich finden, weil ich nicht mitmache. „Was
nimmt der sich heraus?“ Ja, ich nehme mir heraus, mich
herauszunehmen aus dem was man da so treibt.
Wenn ich entdecke, dass in mir
wenig oder gar nichts ist, und ich mich deshalb nicht aushalten
kann, dann ist das erschreckend, kann aber heilsam sein. Die Flucht
zurück in das Getriebe ist nicht das Heilmittel.
Der einsame Berg und die Wüste
sind die biblischen Orte und Mittel der Heilung. An ihnen tun sich
Quellen und Oasen auf. Sie werfen uns auf uns selbst zurück.
Der heilige Benedikt zog sich
aus dem Trubel der Stadt Rom zurück. In der Einsamkeit von Subiaco
fand er eine bergende Höhle. „… et h a b i t a v i t s e c u m
- und er wohnte bei sich“. Hier fand er sich selbst und mehr noch:
seinen Gott.
Ich wünsche Ihnen Zeiten und
Orte der Besinnung, … und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Es ist
das beste Geschenk, das Sie sich machen können. Ich wünsche Ihnen
Menschen, mit denen Sie den Weg voll Vertrauen gehen können.
Abt Albert
Altenähr OSB
061209
Ich
will diesen Gedanken einen Gedichtversuch von 2004 anfügen:
Fünf vor Weihnachtszwölf
Trau dich!
Schenk dir Weihnachten!
Geh nicht
in die Lichterstädte.
Geh nicht
unter die Weihnachtsmänner.
Geh nicht
in die Warenlager.
Schenk dir all das.
Trau dich!
Schenk dir Weihnachten!
Geh
in dich.
Geh
zu Gott.
Schenk dir dieses
eine
und Weihnachten wird.
Albert Altenähr
4. Advent 2004
041219
|