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A u s t r a l i s c h e W e i h n a
c h t
Ein Wandgemälde in der Abteikirche von New Norcia, Westaustralien
Die
Längswände der Abteikirche von New Norcia in Westaustralien sind
geschmückt mit Malerei-Zeichnungen aus dem Leben Jesu. Die Darstellungen
sind durchwegs sehr figürlich, gelegentlich aber auch ein wenig
symbolisch „verkürzt“, so dass der Betrachter etwas nachdenken muss, um
die Szene zu erkennen. Natürlich fehlt in diesem Zyklus die Geburt Jesu
nicht.
Das
Kloster ist vor 160 Jahren als Missionsstation für die
Aborigines-Mission gegründet worden. Der Künstler hat Betlehem in die
Landschaft und Missionszeit Westaustraliens hinübergeholt. Maria, Josef,
das Kind und der (Kometen-) Stern, - das ist Betlehem, wie wir es kennen
bzw. wie wir es in unserer Vorstellung präsent haben. Alles andere ist
Australien, - das Australien der frühen Missionszeit.

Über
dem Stern von Betlehem steht das Sternbild „Kreuz des Südens“. Die
beiden Bäumen, die die Szene rahmen, sind Affenbrotbäume. Im Vordergrund
sind die Grasweiten der Victoria Plains Westaustraliens angedeutet. Die
Krippe wurde zum hohlen Baumstamm, - Ochs und Esel sind hier Känguru,
Emu und der Kookabura-Vogel, - die Hirten wurden zum Aborigine mit
Lendenschurz, Speer und Schild.
Das
Bild gefällt mir, - vielleicht gerade weil es „gefällig“ ist. Darüber
später noch etwas mehr.
In
seiner glatten Gefälligkeit birgt die Darstellung aber auch einen Bruch,
der auf eine Aufgabe hinweist, die in der Missionstheologie und –praxis
vor 160 Jahren so nicht gesehen wurde und die auch heute von einem jeden
von uns neu angegangen werden muss.
Betlehem ist in unserem Bild ins australische Outback h i n e i n g e s
e t z t, … aber es ist nicht nach Australien ü b e r s e t z t worden.
Die Geburt Jesu bleibt ein fremdes Geschehen, das die Tiere und den
Aborigine neugierig macht, aber nicht in ihre Welt gehört. Etwas vom
„fremden Stern Europa“ ist ins ferne Australien exportiert worden.
Dieses Fremde ist aber (noch)
nicht angekommen.
Der
Aborigine-Hirte ist in der Physiognomie und in seinen Kultur-Beigaben
als „full blood“ gezeichnet. Maria und Josef sind dagegen …
„zivilisiert“, … bekleidet, … eher westliche Frisur, … in etwa westliche
Gesichtszüge (auf jeden Fall keine australischen Aborigines-Gesichter).
Diese Spannung erzählt mehr vom christlichen Missionsverständnis vor 160
Jahren und von der australischen Geschichte und der Beziehung zwischen
der Urbevölkerung und den weißen Neusiedlern, als der Künstler
vielleicht gedacht und gewollt hat.
Über
diesen konkreten australischen Hintergrund hinaus erkenne ich für mich
die Aufgabe, Weihnachten – … und die ganze biblische Botschaft –
wirklich zu ü b e r s e t z e n, so dass es nicht ein Fest bleibt, das
ich wohlwollend neugierig anschaue, das dabei aber doch in distanzierter
Ferne bleibt. Eine Übersetzung muss dahin führen, dass es wirklich m e
i n Fest wird. Tannenbaum, Krippenfreude und –seligkeit können ein
Schritt dahin sein, aber sie allein sind nicht der Inhalt, der mich
erreichen will. Diese Übersetzungs-Aufgabe ist kein süßes
Weihnachtsgebäck, sondern ein harter Kanten Brot. Ich werde daran zu
denken versuchen, wenn ich unsere Krippe aufbaue.
Ich
charakterisierte oben das Weihnachtsbild in der Kirche von New Norcia
als „gefällig“. Dass solche Gefälligkeit „kippen“ kann, wurde mir
deutlich, als mir eine Serie von Karten geschenkt wurde, die eine
kunstfertige Nonne gestaltet hat. Dabei war auch eine Weihnachtskarte,
die mit Känguru und Kookaburra zwei Elemente des Bildes von New Norcia
aufnimmt. Die Karte wird nicht jedermanns Geschmack finden, aber
irgendwie „hat“ sie was.

Albert Altenähr
091210
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