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Die Taufe Jesu und unser Christsein
Jesaja 42:5 So spricht Gott, der Herr, der den
Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und
alles, was auf ihr wächst, der den Menschen auf der Erde den Atem
verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist:
1 Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter,
an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er
bringt den Völkern das Recht. 2 Er schreit nicht und lärmt nicht und läßt
seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. 3 Das geknickte Rohr
zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja,
er bringt wirklich das Recht. 4 Er wird nicht müde und bricht nicht
zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz
warten die Inseln. 6 Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt,
der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: 7 blinde
Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im
Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.
Lukas 3:15 Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten
im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. 16 Doch
Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es
kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert,
ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und
mit Feuer taufen. 21 Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich
taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel 22 und der
Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und
eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir
habe ich Gefallen gefunden.
Johannes predigt am Jordan. Seine Botschaft der Umkehr
schlägt Wellen das Jordantal herauf und herunter, ja bis nach
Jerusalem. Die Leute strömen in Scharen zu dem wortgewaltigen Boten und
lassen sich taufen. Die Johannes-Taufe ist offensichtlich „in“. Auch
Jesus lässt sich taufen. Gehört er also zu „den Leuten“, - liegt
er „voll im Trend“, - macht er die damalige „Modeströmung
Johannestaufe“ mit?
Zunächst einmal möchte ich die einleitenden Zeilen
aber doch ein wenig einschränken. So ganz einfach will ich den
Taufeifer der Leute aus Jerusalem und der Jordangegend nicht als
modischen Trend herunterstufen. Dazu war die Botschaft der Umkehr, die
Johannes predigte, doch zu ernst. Sicher wird es Mitläufer gegeben
haben – möglicherweise sogar recht zahlreiche -, aber genauso gewiss
dürften sich viele in ihrem Gewissen angesprochen gefühlt haben: Ich
muss wirklich in meinem Leben etwas anders machen. So wirklich kann ich
nicht vor mir selbst, - vor meinen Mitmenschen, - und schon gar nicht vor Gott bestehen. Ich werde einen neuen
Anfang setzen.
Warum aber lässt sich J e s u s
taufen? Unser heutiger
Evangelienabschnitt gibt uns keine direkte Antwort. Aber vielleicht gibt
er Hinweise, die uns das damalige Geschehen
... und unsere eigene Taufe und unser Christsein tiefer
begreifen lassen.
Johannes spricht von heiligem Geist und von Feuer, die
der „andere“ Täufer – Jesus – schenken wird. Zu den Bildworten
vom Geist und Feuer tritt als dritte Bildwirklichkeit die Taube hinzu.
In den Religionen um das alte Israel
galt die Taube als Bote und Zeichen der Liebesgöttin Astarte/Ischtar. Will uns
die Erzählung von der Taufe Jesu sagen, dass Jesus vom Feuer und vom
Geist der Liebe sich ganz durchtränken lässt? Will sie uns auf – das
Wort sei mir verziehen! – fast „anekdotische“ Weise deutlich
machen, dass solche Liebe nicht aus der eigenen Kraft und eigenem Wollen
erwächst, sondern dass eigene Liebe immer den Glauben an das
Geliebtwerden voraussetzt? Jesus stellt sich unter die Taufe des
Johannes, weil er groß genug ist, sich beschenken zu lassen. Er ist
keine willensgewaltiger „Macher“ einer neuen Religion, sondern
versteht sich als großartig mit der Liebe des Vaters Beschenkter. Ob
wir das in unserem Christsein vielleicht zu oft vergessen? Reduzieren
wir möglicherweise unser Christsein nicht viel sehr auf eine Leistungsethik mit
hohem moralischen Standard? Freuen wir uns vielleicht zu selten darüber,
ohne alles eigene Verdienst geliebt zu werden? Gott gefällt es,
Gefallen an uns zu haben – einfach so.
Wenn ich mir vor Augen führe, was mit Jesu Taufe
angefangen hat, - oder besser noch gesagt: was er mit seinem
Taufgeschenk, der Liebe des Vaters, angefangen hat, dann wird mir
obendrein deutlich, dass Getauftsein sich nicht als private Versicherung des
eigenen Heils verstehen lässt. Gewiss hoffe ich auch heute noch, dass
sich der kindliche Gebetswunsch erfülle, „… dass ich in den Himmel
komm.“ Aber Taufe kann sich nicht allein als meine persönliche
Eintrittskarte in den Himmel deuten lassen.
Der alte Prophetentext des Jesaja gibt Jesus ein
Lebens- und Handlungsmodell ins Herz, das seine Botschaft durchziehen
wird: „blinde Augen öffnen, Gefangene aus dem Kerker holen und alle,
die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft befreien“ (Jes 42,7). Jesus lebt
so, dass den Leuten die Augen aufgehen, - dass sie aus ihren Ecken, Höhlen
und Schneckenhäusern herauskommen, - dass sie nicht als unauffällige
graue Synagogen- oder Kirchenmäuse sich irgendwie durch die Welt
durchlavieren, sondern sich zu einem klaren Glaubensprofil trauen. Jesus
ließ sich taufen und er lebte als Signalfeuer Gottes in der Welt. Er
ruft uns Getaufte in diese Nachfolge: Licht auf dem Leuchter und Stadt
auf dem Berge zu sein.
Abt Albert Altenähr OSB
031231
Text für die Kirchenzeitung Aachen
Bild: El Greco, Taufe Jesu
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