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Weihnachten 2001
Gesucht:
der Mensch
Eine weihnachtliche Meditation
Auf der Homepage der
Zweimonatsschrift der Oblaten der Benediktinerabtei Collegeville, USA
(„The Oblate“), fand ich kurz vor Weihnachten das Gedicht „Yahweh’s
Quest“ von P. Kilian McDonnell aus Collegeville. Die Zeichnung
über dem Text – eine Anbetung der Könige – ließ keinen Zweifel,
dass es ein Weihnachtsgedicht sein sollte. Als solches las und übersetzte
ich es.
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After
the beginning
Yahweh
went in search of the man,
shouting the question into the garden:
"Adam, where are you?....Adam!"
After the long chase
through pillars of fire,
prophets and kings, Yahweh
found Adam in the manager.
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Nachdem alles so gut begonnen hatte,
ging Jahwe den Menschen suchen.
Er rief die Frage in den Garten hinein:
„Adam, wo bist du? ... Adam!“
Nach langem Suchen
durch Säulen von Feuer,
Propheten und Königen fand Jahwe
Adam in der Krippe. |
Die Schöpfungsgeschichte der Bibel erzählt uns, dass
Jahwe alles gut, - ja, sehr gut gemacht hat. Er ist mit sich und seinem
Werk zufrieden. Er sucht den Menschen, um sich mit ihm an der guten Schöpfung
zu freuen, ... – so deute ich Jahwes Suche nach Adam und Eva.
Das Gedicht verlässt die
Erzählung der Bibel und das Paradies und schickt Jahwe auf eine lange
Suchreise, Adam zu finden. Die Feuerzeichen im Dornbusch, beim Zug durch
die nächtlichen Wüsten, bei der Gesetzgebung am Sinai und der
Offenbarung vor Elija treten vor unsere Augen. Die Geschichte des Volkes
und seiner Könige und Propheten zerrinnt, ohne dass Jahwe Adam findet.
Schließlich: Adam in der
Krippe ... Der Gedanke hat etwas! Jahwe sucht in seiner Schöpfung, die
durch die erste Schuld infiziert ist, den „alten, guten Adam“ des
Anfangs. Er findet ihn nicht, - und so erfindet er den „neuen Adam“,
- sein Wort, das Fleisch wird, - Jesus, den neugeborenen Adam einer
neuen Menschheit. In ihm dürfen auch wir uns und darf ich mich als
„neuer Adam“ und „neuer Mensch“ glauben. Hinein genommen in
Christi Tod und Auferstehung, wie wir es von Ostern her glaubend
bekennen, bin ich auch hinein genommen in Christi Geburt.
Jahwe findet Adam in der Krippe ... Der Gedanke hat
etwas! Er hat etwas Weihnachtliches! Das Gedicht stärkte mich in den
letzten Tagen vor Weihnachten. Nach dem Allerlei des ganz und gar
Weltlichen und des angestrengt Vorweihnachtlichen der letzten Wochen
waren das Gedicht und meine noch ungeordneten Gedanken dazu etwas
Anderes, dem nachzugehen lohnte. Es war etwas, das ich bewahren und im
Herzen bewegen konnte.
Dann ging ich mit dem
englischen Gedichttext und meiner Übersetzung zu einem Mitbruder. Ich
wollte ihn an meinem Fund und an meiner Freude teilnehmen lassen und
einfach auch meine Übersetzung überprüfen. Ich gab ihm und einem zufällig
dabei stehenden Gast den englischen Text und las ihnen meine Übersetzung
vor. Kaum war ich mit dem Vorlesen zu Ende, gab es lebhaften Protest:
„Das letzte Wort des Gedichtes ist nicht ‚manger‘ = ‚Krippe‘,
sondern ‚manager‘ = ...
!“ Verdutzt stand ich da. Im weihnachtlichen Vorverständnis des
Advents, - der Krippenabbildung vor dem Gedicht, - meiner Erwartung
hatte ich nicht gesehen, was da schwarz auf weiß geschrieben stand,
sondern was ich zu lesen erwartete.
Der amerikanische Mitbruder
hatte mich mit seinem Wortspiel in die Irre geführt – und doch auch
wiederum nicht. Er führt mich ins weitere Nachsinnen hinein. Was meint
das: „Jahwe fand Adam ‚in the manager‘?“
Zunächst: Ich bin gar nicht weihnachtlich-heimelig angesprochen. Die süße
Weihnachtsfalle (manger / Krippe) klappte ganz schön heftig zu, als ich
korrigiert wurde und ehrlicherweise „manager“
lesen musste, wie es da stand.
Ich meine, jetzt zu spüren, dass auch in diesem Gedicht Jahwe Adam
genau dort findet, wo er ihn schon in der biblischen Paradieserzählung
gefunden hat, nämlich in einem Versteck. Der Adam damals versteckte
sich, weil er sich als nackt erkannte und schämte. Verstecke auch ich
mich hinter so vielem scheinbar Wichtigem, weil ich „nackt“ bin?
Geschäftig eile ich hin, - eile ich her. Dieses muss erledigt, - jenes
getan werden, sonst geht es nicht weiter, - nicht vorwärts. Der
Terminkalender füllt sich mehr und mehr, ... und ich laufe leer.
„Zeit“ ist ein Fremdwort geworden. Ich habe sie nicht; ich nehme sie
mir nicht. Für allerlei Zeitvertreib habe und finde ich allerdings
immer wieder Zeit, ... seltsam!
Jahwe fand nach langer
Suche Adam, den Macher. Findet er Adam, den Menschen, wenn er mich
sucht? Er muss ziemlich enttäuscht gewesen sein, als er den Menschen
suchte und den „manager“ fand. Weihnachten steht Jahwe vor der
Krippe und freut sich mit den Hirten an dem neugeborenen Menschen. Er
freut sich an Adam, der aus seinem wie auch immer gearteten Versteck
herauskommt und so Geburt an sich heran lässt.
Das
Weihnachtsgedicht von P. Kilian ist zwar ein ganz anderes als das, das
ich beim ersten Lesen wahrnahm, aber eigentlich ist es so, wie ich es
jetzt lese, viel besser. Es ist nicht mehr „krippig-fromm“, sondern
„kratzig-ehrlich.“ Es bietet keinen frommen Ruhestand an. Es ist
Anstoß zu einer neuen Geburt, um von ihr her zu wachsen und ein
erwachsener Christ und Mensch zu werden.
Abt
Albert Altenähr OSB
011222
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