|
Druckversion
Geburtswehen zur
Weihnacht

Geburt Christi, Detail aus einem Portalfragment (11. Jh.) - Padua, Abtei Santa
Giustina
Der
Weg nach Betlehem, dem Ort der Weihnacht, ist gepflastert mit schwerer
Erinnerung.
Jakobs, des
Patriarchen und des Volkes Israel Vater, Lieblingsfrau Rahel konnte ihn
nicht zu Ende gehen. Sie gebar ihren zweiten Sohn um den Preis ihres
Lebens, bevor sie Betlehem erreichte. Ihr Grabdenkmal ruft seit
Jahrhunderten den Pilgern ihre schweren Stunden ins Bewusstsein. „Nur
ein kleines Stück Weg war es noch bis Efrata, als Rahel gebar. Sie
hatte eine schwere Geburt. Als Rahel gestorben war, begrub man sie an
der Straße nach Efrata, das jetzt Betlehem heißt. Jakob errichtete ein
Steinmal über ihrem Grab. Das ist das Grabmal Rahels bis auf den
heutigen Tag“ (Gen 35,16.19f).
Nicht weit
vom Rahel-Grab verehrten die christlichen Pilger die Stelle, an der
Josef und Maria auf dem Weg nach Betlehem ein letztes Mal rasteten. Sie
sorgen sich um ein Quartier in der Stadt Davids. Sie finden keines und
das Feld wird der Ort der Niederkunft Mariens, der Ort der Geburt Jesu.
„Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf“, wird
das Johannesevangelium später sagen (Joh 1,15).
Mir ist das
Rahel-Grab als Checkpoint in der Pilger-Erinnerung. Hier ist eines der
Nadelöhre, durch das man von israelischem in palästinensisches Gebiet
hindurch muss. Hier flogen Steine und fielen Schüsse zwischen den
verfeindeten Parteien.
Mir kommt
noch einmal der Patriarch Jakob in den Sinn. Er steht am Fluss Jabbok
und traut sich nicht, seine Furt zu durchschreiten (Gen 23). Das andere
Ufer, das Land der Heimat liegt vor ihm. Aber er muss sich durch die
Nacht in ihm durchringen, bevor die Sonne über ihn aufgehen wird. Es
ist eine lange und eine mutige Nacht für Jakob. Er ringt mit sich und
mit Gott. „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Und er
gewinnt sich selbst und seinen Gott.
Werden wir
Weihnachten gerecht, wenn wir es „schön“ reden, - färben, -
feiern, uns aber seiner Herausforderung nicht stellen? Weihnachten ist
dann ein Fest, wenn wir es nicht herunterfeiern, sondern wenn wir uns zu
ihm durchringen und uns in neue Geburt hineintrauen. Das göttliche Kind
will in uns geboren werden.
Abt
Albert
Altenähr OSB
Advent 2003
|