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Wie der Esel zu seinem Kreuzzeichen kam
Eine Weihnachtsgeschichte
Als der Jesusknabe
im Stall von Bethlehem geboren wurde und die vielen Leute kamen, um sich
mit den Eltern zu freuen da war der Esel einfach froh, dass er sich mit
seinem grauen Fell tief im Schatten verstecken konnte. Er war nicht für
den großen Auftritt vor der Welt geschaffen. Seine Ohren waren zu groß
geraten und seine Beine zu kurz. Weder war er ein feuriger Rappe noch
ein strahlender Schimmel, sondern einfach ein Grautier. Die Welteroberer
und Herrscher liebten Rosse und Wagen, - die Kaufleute aus dem fernen
Saba die hochnäsigen Kamele. Er aber war nur der Lastenträger in den
Dörfern und der geduldige Esel für die Fußfaulheit der kleinen Leute.
Jetzt ließ er den Kopf hängen und sein Fell wurde noch ein wenig grauer
als sonst, da er seinen Alltag und das Leben überhaupt meditierte. Er
wurde zwar immer wieder gebraucht, - er wurde auch geschätzt, weil er so
brauchbar war, aber er wurde nie hofiert. Das Leben war schon seltsam, …
irgendwie ungerecht. Und wenn er müde war und nicht mehr wollte und
nicht mehr konnte, dann gab es Schläge, damit er doch noch weiter
trottete. Er war kein fauler Esel, … - er war ein dummer Esel, … - eben
ein … Esel.
Der Gesang der
Engel verfolgte ihn bis in seine Träume und auch die Freude der Hirten
und die Geschenke der weisen Männer, die von einem so besonderen Stern
erzählten, der sie bis in seinen Stall geführt hatte. Das muss schon ein
besonderes Kind sein, aber er war nichts Besonderes und so passten sie
beide kaum zueinander. Es ist nicht gut, sich falsche Träume zu machen,
dachte er. Denk daran: du bleibst ein kleiner grauer Esel und wirst nie
ein bunter Vogel.
Dann kam der Tag,
an dem der Mann ihn so seltsam anschaute und mit der Mutter sprach, dass
sie ganz schnell von hier weg mussten. Und sie packten ihre sieben
Sachen und der Mann setzte die Mutter und das Kind auf seinen Rücken.
Der kleine Esel seufzte, jetzt hat der Alltag wieder begonnen. Als der
Knabe beim Trott der vielen Schritte langsam müde wurde, fiel sein
kleiner Kopf auf den Nacken seines Reittieres und die Haare dort
kitzelten in seiner Nase und er musste niesen. Dem Eselchen sträubten
sich vor Schreck die Haare, so dass sie wie eine Bürste senkrecht zu
Berge standen. Das gefiel dem Kleinen. Er streichelte die Haare immer
wieder und dann legte er seine Arme ganz eng um den Hals und schlief
wieder ein.
Als sie am Abend in
einem Gehöft am Wege rasteten war der Esel immer noch ganz aufgeregt.
Der kleine Knabe hatte Freude an ihm gehabt. Er hatte sich an ihn
gekuschelt und ihn umarmt. Das machte den Esel richtig stolz und seine
Nackenhaare standen vor Aufregung auch jetzt noch senkrecht. Als er dann
in einer Glitzerscheibe sein Spiegelbild sah, wollte er es kaum glauben:
Die Nackenhaare waren auf einmal schwarz und da wo der Knabe seine Arme
um seine Schultern gelegt hatte, war auch sein Fell schwarz geworden.
Der Knabe hatte ihm ein Siegelzeichen eingebrannt.
Dass der kleine
Knabe damals so viel Freude und Vertrauen zu ihm hatte, das hat der Esel
nie vergessen und bis heute ist er bis in die Schwanzspitze hinein
mächtig stolz auf das Kreuz auf seinem Rücken.
Abt
Albert Altenähr OSB
051129 Die
Weihnachtsgeschichte von Abt Albert "Wie der Strohhalm tanzen lernte"
finden Sie an verschiedenen Stellen des Internet (z.B.
externer Link). Googlen Sie sich einfach mit dem vollen Titel der
Geschichte dahin.
Eine weitere Geschichte ist überschrieben: "Wie
der liebe Gott die Sonnenblume erfand". |