Rundbrief
Weihnachten 2009

 

WEIHNACHTEN
 

… ein Fest, das wir vor allem mit Licht und Wärme verbinden, mit Geborgenheit und Nähe. Weihnachten ist aber als "Zeitangabe" "Nacht". Jesus Christus kommt in der Nacht. Er kommt in die Nacht von Bethlehem. Er kommt in die Nacht unserer gesellschaftlichen, kirchlichen und persönlichen Situationen. Gott wird Mensch in der Nacht - und klopft an. Er klopft an bei den Türen unseres Herzens, - Er klopft an in meinem Leben, - Er klopft an und will eingelassen werden. Werde ich Ihm öffnen? Kann ich Ihn und Sein Licht in mein Leben einlassen? "Ich stehe vor der Tür und klopfe an", heißt es in der Offenbarung des Johannes (3,20). Weiter heißt es: "Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir."


Gott steht vor meiner Tür, klopft an, möchte eingelassen werden. Aber Er fällt nicht mit der Tür ins Haus; Er wartet, bis ich ihm öffne. Habe ich Mut dazu? Lasse ich Ihn mit Seinem Licht in meine Dunkelheiten? Wir möchten gerne "gut angesehen sein" und haben unsere hellen Seiten, die wir gerne anderen zeigen. Das ist verständlich. Gott möchte mich aber ganz, mit Licht und Dunkel, mit Stärken und Schwächen, mit Gelingen und Misslingen. Gelingt es mir, Ihn einzulassen, Ihm als Gast in meinem Leben Raum zu geben?


"Wir werden Mahl halten", sagt die Offenbarung. Viele Festmähler werden wir um Weihnachten in den Familien, im Freundes- und Verwandtenkreis zu uns nehmen. Sie sind Zeichen der Verbundenheit, der Zusammengehörigkeit.
… und viele werden zur Kommunion gehen, Mahl halten mit IHM. Ihm darf ich mich ganz zeigen, Ihm brauche ich nichts vorzumachen, Ihm darf ich mich anvertrauen.


In unsere Dunkelheiten, in unsere Ängste und Nöte will Er zu uns kommen, will er zu m i r kommen. Weihnachten ist damit auch eine Herausforderung an uns als einzelne und an die Gemeinschaften, in denen wir stehen: Ihn einzulassen in unsere Wirklichkeit. In dem Maße wir ihn aufnehmen, in dem Maße kann Er wachsen in und unter uns. Wo Er Raum gewinnt, da greift Sein Licht um sich, werden unsere Dunkelheiten und Ängste erhellt, beginnt je neu das Leben. Wo wir Ihn einlassen, da beginnt immer neu Gemeinschaft, Gemeinde, Ehe, Familie, Leben in Gemeinschaft.

"Ich stehe vor der Tür und klopfe an". Die Herbergssuche Jesu gilt es ernst zu nehmen. Machen wir es nicht wie der Wirt in dem weihnachtlichen Lied, der Maria und Josef abweist. Die beiden mussten weiter ziehen. So wurde die Nacht von Bethlehem im Stall und auf dem Felde erhellt. Lassen wir Ihn ein, damit Licht in unser Leben kommt, damit wir dem Gesang der Engel lauschen - und vielleicht sogar mit ihnen singen können: zur Ehre Gottes, zur Freude der Menschen.
 

Abt Friedhelm Tissen OSB
091211

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