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Weihnachten - Neujahr 2011/2012
Rundbrief
Die Zeit zwischen Weihnachten und dem
Fest Dreikönige wird gerne die Zeit „zwischen den Jahren“ genannt. Das Alte ist
dabei zu vergehen, Neues ist noch nicht so richtig geworden.
Die Zeit unserer Kirche könnte momentan
auch als eine solche „Zwischenzeit“ bezeichnet werden. Altes löst sich auf,
Neues ist nicht so recht sichtbar. Fragen und gar Murren machen sich breit,
nicht selten wird die Vergangenheit verklärt und als die „gute alte Zeit“
betitelt, in der einfach alles besser war. Aber aus Nostalgie lässt sich keine
Zukunft bauen, aus der Sehnsucht nach der Vergangenheit ist noch keine Perspektive
für die Zukunft ersichtlich.
Die Adventszeit ist eine solche Zeit des
Wartens. Eine Erinnerung aus meinem ersten Jahr in der Volksschule: „Die vier
Kerzen des Advent stehen für die 400 Jahre, die das Volk Israel in Ägypten
gefangen war.“ Warten können – und dann Hineingehen in eine ungewisse Zukunft.
Israel machte sich auf den Weg in die Wüste, nach dem gefahrvollen Durchzug
durch das Rote Meer, vor sich das Wasser, hinter sich das Heer des Pharao. Sie
gehen in das Ungewisse hinein, wagen sich, trauen dem Wort Gottes, eines
Gottes, der sich selbst bezeichnet als der „Ich bin da“. Vierzig Jahre werden
sie durch die Wüste ziehen, ehe sie in das Land, in dem „Milch und Honig
fließen“, einziehen können. Auch da müssen sie zuerst über einen Fluss, durch
den Jordan, müssen erneut „getauft“ werden zu neuem Leben.
Zu Weihnachten beginnt Gott ein neues
Kapitel mit den Menschen. „Er hielt nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern
er entäußerte sich“, heißt es im Hymnus aus dem Brief an die Philipper.
Loslassen, Neues wagen – das galt und gilt immer wieder für Gott in seiner
Geschichte mit den Menschen, das gilt immer neu für uns in unserer Geschichte
mit Gott - Vertrautes hinter uns lassen, Neues wagen. Dabei gibt es die Wüste,
die Zeit des Verharrens, des „Überlebens“. Auch da ist Gott der „Emmanuel“,
Gott mit uns. Vielleicht müssen wir diese Botschaft, die im Namen Jesu
enthalten ist, immer neu durch buchstabieren, gerade auch in Zeiten der
Dunkelheit, der Trostlosigkeit und der Ungewissheit. Unser Gott ist kein
„Schönwettergott“, sondern ein Gott der Herausforderung und der Zumutung. Gott
mutet uns etwas zu, gibt uns Mut die Gegenwart zu bestehen und Neues zu wagen.
Das Gelobte Land, eine Neue Kirche – wir
wissen nicht, wie das aussehen soll. Aber ausschreiten dürfen wir, Ausschau
halten und voll Selbst- und Gottvertrauen unseren Weg gehen. Ein Wort des
heiligen Augustinus sagt: „Schreite aus, und singe“. Singend gegen die Angst
weitergehen und sich eine Zukunft schenken lassen, die von Gott kommt. Wir
wissen nicht, wie es weiter geht, aber im Vertrauen auf den Emmanuel, Gott mit
uns, dürfen wir vertrauensvoll in die ungewissen Zukunft hinein gehen.
Abt
Friedhelm Tissen OSB
120112
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