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Ein österlicher Paradiesvogel
Am Morgen des Karsamstag geht mein Weg in die Kirche
Santa Prassede. Ich will das Apsismosaik fotografieren und vor allem ein
Detail. Ich hatte Frater Matthias angeregt, den Paradiesbaum und den
Vogel darauf als Gestaltungsmotiv für die diesjährige Osterkerze zu
nutzen. … und zu meiner Freude haben er und die beiden Mitgestalterinnen
der Kerze das Thema aufgegriffen.
Die Mosaiken von Santa Prassede sind wie auch die von
Santa Cecilia aus der Zeit des Papstes Paschalis I. (817-824) und damit
aus der Zeit der Gründung von Kornelimünster. Auch das Apsismosaik von
Santa Cecilia zeigt den Paradiesbaum und den Vogel mit dem
Strahlenkranz. Beide Kirchen sind übrigens benediktinische
Klosterkirchen. Santa Cecilia ist ein Nonnenkloster und Santa Prassede
ein Kloster der Vallombrosaner, eines mittelalterlichen Reformzweiges
des Ordens, der heute als eine der Kongregationen zur Confoederatio
Benedictina gehört. Bei Besuchen dieser Kirchen empfinde ich so das
Gefühl einer doppelten Verbindung, - das einer allgemein
benediktinischen und ein konkret Kornelimünsteranisches.

Auf dem Triumphbogen vorne sieht der Betrachter die neue
Stadt Jerusalem mit Christus begleitet von zwei Engeln in ihrer Mitte.
Ihm zu Füßen links die Muttergottes, Johannes d.T., Paulus und weitere
fünf Apostel, - rechts die Kirchenpatronin Praxedis und sechs Apostel.
An den Toren stehen – noch innerhalb der Stadt Moses (links) und Elias
(rechts). Vor den Stadttoren stehen die Scharen der Seligen, die in die
Stadt aufgenommen werden. Sie werden (rechts) von den Aposteln Petrus
und Paulus begrüßt.
Im Apsisbogen erkennt man das apokalyptische Lamm auf
dem Altar. Es wird flankiert von den sieben Leuchtern, die in der
Apokalypse für die sieben Gemeinden stehen (Offbg 1,11f). Begleitet wird
die Szene des weiteren von vier Engeln, den vier Lebewesen, die zu
Evangelistensymbolen wurden – auf dem Foto sind der Mensch = Matthäus
und der Adler = Johannes zu erkennen -, und die Schar 24 weißgewandeter
Ältester, die ihre Kronen-Kränze dem Lamm hinhalten (vgl. Offbg 4).

Die Apsis selbst zeigt die häufig wiederkehrende Szene
der Wiederkunft Jesu Christi auf den (bunten) Wolken des Himmels. Über
ihm reicht die Hand Gottvaters den Siegeskranz. Paulus und Petrus
präsentieren die beiden Schwestern Praxedis und Pudentiana dem Herrn.
Als weitere Heilige sind Papst Paschalis mit dem quadratischen Nimbus
eines noch Lebenden und dem Kirchenmodell sowie der hl. Zeno
dargestellt.
Nach unten schließt das Apsismosaik ein Band mit den
heiligen Städten Betlehem und Jerusalem und Lämmern mit dem Lamm Gottes
in der Mitte ab. Darunter ist dann noch die Widmungsinschrift zu lesen.
Wie ich aber eingangs sagte, war mir bei all dem
Reichtum der Mosaiken von Santa Prassede heute ein Detail wichtig. Die
Wiederkunft Christi und die dargestellten Heiligen werden in ein, - in
das Paradies hineingestellt. Sein Symbol sind hier die beiden Palmen mit
ihren Früchten. In Santa Cecilia kommen noch Blumen hinzu.
Auf dem Baum links ist groß ein Vogel mit einem
Strahlennimbus zu erkennen. Es dürfte schwer sein, zu sagen, was für ein
Vogel „in natura" da wiedergegeben sein soll. Die Kunstführer
beschränken sich auf den deutenden Hinweis: es ist ein Phoenix, das
Symbol des auferstandenen Christus. Die Wiederkunft Christi und das neue
Paradies sind in dieser Zusammenschau zutiefst österliche
Wirklichkeiten.

Am heutigen Karsamstagmorgen bin ich nach Santa Prassede
gegangen, um seine Mosaiken wieder / noch einmal bewusst anzuschauen.
Als „Karsamstags- und Osterbetrachtung" habe ich im Tagesverlauf diese
Zeilen geschrieben.
Ich fühle mich den Mitbrüdern in Kornelimünster
verbunden und weiß mich unter ihnen, wenn sie ihre Osterkerze mit dem
Paradiesesbaum und dem österlichen Christus-Phönix entzünden.
Albert Altenähr
080322
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