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Von der Lust an den Psalmen
Ps 1
Psalmbrücke
Komm, uns zur Rettung
(Ps 80,3)
Lied der Zeitenfülle
(Ps 150)
Herr, öffne mir die Augen
(Ps 119, 18)
Ein Psalmenlied dem Herrn (Ps 148)
Pretiosen aus Psalm 37
Öffne mir die Augen
(Ps 119,18)
Die Ur-Kunde der Gründung
Wie der Hirsch lechzt nach frischem
Wasser - Ps 42, 2f
Psalm 91
Psalm 24
...wie dem Adler ... (Ps 103,5
)
Ducantur ad orationem
Bei Ihm ist Erlösung in Fülle (Ps
130,7)
ex
Monasterio Salvatoris
(Ps 60, 3-7)
Ein Zeichen, zu dem wir fliehen können - Ps
60, 6
Vigil
am Mittwoch
Ps 73, 13-16
Psalmenerfahrung
- ein Dekalog
Brunnengespräche
Esel
und Psalmengebet
"Der Eine" gegen "das Nichts" (Ps 1,
6b)
Wir
sind stark im Namen des Herrn
( Ps 20,8)
Er
setzt den Kriegen einen Sabbat!
(Ps 46)
Du
krönst das Jahr mit deiner Güte
(Ps 65)
Vom
positiven Hoch Mut
(Ps 118,7)
"...
der das Schilfmeer zerschnitt ..."
(Ps 136,13)
Kirchenjahr /
Feste
Benediktinisches
Anfänge
weitere Texte
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Von der Lust an den Psalmen
Gedanken zu Psalm 1
Selig der Mensch, der nicht dem Rat der Frevler folgt,
der nicht betritt den Weg der Sünder,
nicht sitzt im Kreise der Spötter,
der vielmehr seine Lust hat an der Weisung des Herrn,
der bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt.
Er gleicht dem Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist,
der zur rechten Zeit seine Frucht bringt
und dessen Blätter nicht welken.
Was immer er tut,
es wird ihm gelingen.
Nicht so die Frevler!
Sie sind wie Spreu, die der Wind vor sich hertreibt.
Darum werden Frevler im Gericht nicht bestehen,
noch Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
Denn der Herr weiß um den Weg der Gerechten,
aber der Weg der Frevler verliert sich.
Der Psalm schildert einen Menschen in seiner Beziehung zur Weisung des
Herrn. Er sinnt beständig – bei Tag und bei Nacht – über die Weisung des
Herrn nach. Das gezeichnete Bild trägt keine individuellen Züge. Die
Stellung des Psalms am Anfang des Buchs der Psalmen legt nahe, an einen
idealen Menschen zu denken, der über die Psalmen nachsinnt. Während wir
damit ein vor allem intellektuelles Tun verbinden, gehörte es lange Zeit
auch in der christlichen Tradition dazu, den Text halblaut zu murmeln,
als würde man ihn immer wieder kauen, um ihn sich nach und nach
einzuverleiben.
Wie ein besonders leckeres Essen kann auch diese Speise Lust wecken.
Häufig wird der Beter dazu länger an einem Psalm kauen müssen, bis er
ihm zum Wohlgeschmack wird. Beim regelmäßigen Beten kann auch die
Vorfreude wachsen, einem bestimmten Psalm oder einem Gedanken daraus im
Rhythmus der Psalmenordnung wieder zu begegnen. Um auf den Geschmack zu
kommen, mag die Erinnerung daran hilfreich sein, dass es sich bei den
Psalmen um eine erlesene Auswahl aus einer großen Zahl von Gebeten
handelt. Schon viele Generationen vor uns haben die Psalmen verkostet.
Die frühe Kirche war sich in einer eigenen Dichtung noch so unsicher,
dass die sich bald für etwa dreihundert Jahre auf diese bewährten Texte
beschränkt hat. Darin konnte sie gesicherte Zeugnisse der Begegnung mit
dem Herrn erkennen. Im Letzten hilft es natürlich nicht, wenn uns andere
sagen, die Psalmen seien eine Delikatesse. Dies kann uns nur bewegen,
sie selbst immer wieder zu verkosten, um nach und nach auf den Geschmack
zu kommen.
Lust gründet in einer sehr tiefen Schicht in uns. Wir können sie nicht
direkt steuern. Wir können mehr oder weniger darauf achten, was in uns
Lust weckt. Dabei wird es nicht einmal gelingen, Dinge zu meiden, von
denen wir nicht wollen, dass sie Lust wecken. Gerade das, was wir uns
verbieten, gewinnt seinen eigenen Reiz. Wir können wohl eine Umgebung
suchen, die uns gut tut. Viel wichtiger als Böses zu vermeiden, ist es,
den Sinn auf den zu richten, von dem alles Gute kommt. Dann verliert
das, was uns nicht gut tut, seinen Reiz.
Die Bildwelt der Psalmen stammt aus einer uns fremden Welt. Dennoch
haben diese Bilder auch heute noch die Kraft, uns anzusprechen. Wir
können uns in den geschilderten Erfahrungen wiederfinden und uns mit
ihrer Hilfe in Beziehung zu Gott bringen. Die Psalmen können uns lehren,
Gott nichts vorzuenthalten. Jede Gefühlslage findet in ihnen Ausdruck.
Was uns an uns selbst aufstößt, können wir mit Worten der Psalmen
bereuen und der Barmherzigkeit Gottes empfehlen; was uns Sorgen
bereitet, können wir bittend oder klagend, was uns freut, in Lob und
Dank vor ihm kundtun. Deshalb ist es wichtig, den gesamten Psalter im
Blick zu behalten, statt sich nur einige Lieblingsstellen herauszusuchen
oder unbequeme Texte auszublenden. Es birgt die Gefahr in sich, dass wir
Gott auch nur auf die Seiten in uns schauen lassen wollen, die uns
selbst angenehm sind. Wir würden zu Heuchlern, die sich selbst zu
schmeichelhaft sehen. Gedanken, die uns besonders lieb geworden sind,
können uns Geschmack auf mehr machen. Was uns nicht eingeht, können wir
vorrätig halten für Situationen, in denen wir uns vielleicht gerade in
solchen Worten wiederfinden.
Gegenüber den anderen Büchern der Heiligen Schrift zeichnet sich der
Psalter dadurch aus, dass die Psalmen fast immer Gott direkt ansprechen.
Wer sich von den Psalmen in die Beziehung zu Gott führen lässt, dem
können sich auch die übrigen Schriften tiefer erschließen. Er kann sich
in den dargestellten Personen wiederfinden oder sich auch von ihnen
abgrenzen. In beidem kann er sich selbst näher kennenlernen und sein
Leben in Beziehung Gott bringen. Hier gilt ebenfalls, die gesamte
Heilige Schrift im Blick zu halten, auch wenn unangenehme Seiten des
menschlichen Lebens geschildert werden. Sonst würden wir den Eindruck
gewinnen, Gott existiere allein in einer Idealwelt, die mit unserer sehr
gemischten Erfahrung von Gut und Böse nichts zu tun hat.
Von dem selig gepriesenen Menschen hebt der Psalm Frevler, Spötter und
Sünder ab. Sie werden nicht eigens beschrieben. Wir können sie als die
verstehen, die nicht beständig über die Weisung des Herrn nachsinnen. Es
fällt auf, dass sie immer in der Mehrzahl genannt werden. Rat der
Frevler und Kreis der Spötter deuten an, dass sie den Zusammenhalt
untereinander suchen. Er ersetzt ihnen die Beziehung zum Herrn.
Ist der Mensch, der in der Beziehung zum Herrn lebt, wie ein gut
verwurzelter fruchtbringender Baum, so sind die übrigen fruchtlos und
leicht wie Spreu. Sie haben keinen Anteil an der Herrlichkeit des Herrn.
Das hebräische Wort kabod kann ebenso Herrlichkeit wie Gewicht meinen.
Ohne das rechte Gewicht ist der Mensch ein Spielball der Mächte, hin und
her getrieben vom Wind. Er kann im Letzen keinen Bestand haben. Sein Weg
verliert sich, weil er sich der Weisung des Herrn verweigert. Er hat
kein Ziel, nach dem er sich ausstreckt, und deshalb auch nicht wirklich
einen Weg, auf dem er geht.
Am Ende spricht der Psalm von der Gemeinde der Gerechten. Die gemeinsame
Beziehung zum Herrn stiftet eine Gemeinschaft anderer Art als der Kreis
der Spötter, der in einer gemeinsamen Gegnerschaft gründet. In der
Gemeinde derer, die mit Gott verbunden sind, können wir uns gegenseitig
helfen, auf dem Weg zu bleiben, den Gott uns weist. Weil die Gerechten
sich vom Herrn anschauen lassen, kennt er ihren Weg. In diesem Kennen
schwingt seine liebevolle Zuwendung mit. Es ist seine Lust, bei diesen
Menschen zu sein (vgl. Spr 8, 31), die für ihn offen sind. Dies macht
letztlich das Glück derer aus, die an der Weisung des Herrn ihre Lust
haben.
P. Oliver J. Kaftan OSB
090913 Fotos:
König David, Padua, Abtei Santa Giustina,
Portal-Fragment, um 1000;
König David, Santiago de Compostela
Link:
„Der
Eine“ gegen „das Nichts“
Gedankensplitter zu Psalm 1,6b:
„Der Weg der Frevler führt in den Abgrund“ |
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